# taz.de -- Raubzug im Pariser Louvre: Schatzkammer des Museums geplündert
       
       > Eine gut organiserte Bande hat im Louvre Schmuck von „unersetzbarem Wert“
       > gestohlen. Sie hatte es auf die französischen Kronjuwelen abgesehen.
       
 (IMG) Bild: Besucher:innen bewundern königlichen Juwelenschmuck im Apollo-Saal des Louvre. Die Aufnahme ist vom September 2025
       
       Am hellen Sonntagvormittag um 9.30 Uhr ist es drei oder vier Einbrechern
       gelungen, in einen Saal des Pariser Louvre einzudringen und dort
       [1][wertvolle Schmuckstücke zu stehlen]. Sie benutzten dazu ganz einfach
       einen Lastenaufzug, wie man ihn normalerweise für das Umziehen einsetzt.
       Unverfroren konnten die Diebe dann durch ein Fenster im ersten Stockwerk in
       die „Apollo-Galerie“ gelangen, wo die historische Bijouterie ausgestellt
       ist. Mit ihrem Einbrecherwerkzeug brachen sie dann zwei Vitrinen auf, um
       anscheinend ungestört einen Teil der Ausstellungsobjekte auszuwählen.
       
       Der Wert ihrer Beute ist noch nicht bekannt. Frankreichs Innenminister
       Laurent Nuñez aber sprach von Schmuckstücken „von unschätzbarem Wert“. Bei
       diesem spektakulären Einbruch in das weltbekannte Museum in Paris wurde
       nach Angaben der Kulturministerin Rachida Dati niemand verletzt. Der Louvre
       wurde unmittelbar, nachdem der Vorfall entdeckt wurde, für die Besucher
       geschlossen, um die Spurensuche der Ermittler zu erleichtern.
       
       Innenminister Nuñez geht davon aus, dass es sich bei den Tätern um eine gut
       organisierte Bande handelt, die vorgängig die Örtlichkeiten und die
       ausgestellten Wertsachen inspiziert habe. Offensichtlich kannten sie auch
       die vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen. Ihr Angriff dauerte nicht lange:
       Sie fuhren mit dem Lastenaufzug auf einem kleinen Lkw an der Fassade des
       Louvre vor, stiegen durch ein eingeschlagenes Fenster in den Saal, um mit
       einer Kreissäge die Glasvitrinen aufzubrechen und in Windeseile die
       vermutlich besten Schmuckstücke einzusammeln. Die Täter seien auch auf
       Motorrollern geflüchtet, so Nuñez.
       
       ## Polizei hofft auf raschen Erfolg
       
       Nuñez sagte nicht, ob die Diebe – laut seinen Angaben drei oder vier Profis
       – von Überwachungskameras auf der Straße oder im Museum gefilmt wurden. Er
       hofft aber, dass ihnen die Polizei schnell auf die Spur kommt und vor
       allem, dass die gestohlenen Schmuckstücke bald wieder in den Louvre
       zurückkehren.
       
       Die Zeitung Le Figaro gibt in einer Beschreibung der Apollo-Galerie einen
       Eindruck des unersetzbaren Werts der Beute: „Unter der von Le Brun und
       Delacroix gemalten vergoldeten Decke des 60 Meter langen Saals sind seit
       1887 die Kronjuwelen Frankreichs aufbewahrt: der legendäre 160-karätige
       Diamant ‚Le Regent‘, der im 17. Jahrhundert in Indien gefunden wurde, die
       Krone von Ludwig XV. mit 282 Diamanten und 64 mehrfarbigen Edelsteinen oder
       auch die Krone der Kaiserin Eugénie, die mit 1.354 Diamanten und 56
       Smaragden eingefasst ist.“ Ausgestellt wurden in dem Saal auch eine
       Smaragd- und Diamantkette, die Napoleon seiner Frau, Kaiserin Marie-Louise,
       schenkte.
       
       Laut ersten Informationen befindet sich der Diamant Le Regent, der als
       schönster und reinster seiner Art gilt, immer noch an seinem Ort. Die Krone
       der Eugénie aber sei außerhalb des Museums, wo die Einbrecher sie eventuell
       in der Eile verloren hätten, in beschädigtem Zustand aufgefunden wurden,
       glaubt Le Parisien zu wissen.
       
       ## Schon die „Mona Lisa“ wurde gestohlen
       
       Es war für die Diebe einfach, sich womöglich die besten Stücke vorher im
       Internetkatalog des Louvre, in dem diese Schmuckstücke im Detail
       beschrieben sind, auszusuchen. Was genau entwendet wurde, hat die Direktion
       des Louvre vorerst nicht präzisiert. Diese historischen Kronjuwelen und
       Zeugnisse der Pracht der Monarchie und des Second Empire sind aber einmalig
       in ihrer Art. Ihr Verkauf an Hehler auf dem Schwarzmarkt dürfte darum für
       die Einbrecher nicht leicht werden.
       
       Es wäre für [2][das französische Kulturerbe] ein nicht wiedergutzumachender
       Verlust, falls die Edelmetalle und Juwelen separat zu ihrem schnöden
       Materialwert abgesetzt würden. Die Staatsanwaltschaft in Paris leitete am
       Sonntag Ermittlungen wegen „organisierten Bandendiebstahls“ und „Bildung
       einer kriminellen Vereinigung“ ein.
       
       Natürlich ist in Frankreich unvergessen, dass selbst Leonardo da Vincis
       „Mona Lisa“ im Louvre in der Vergangenheit nicht vor Dieben bewahrt blieb.
       Am 21. August 1911 stahl der im Museum tätige italienische Arbeiter
       Vincenzo Peruggia das weltberühmte Porträt. Sein Motiv war es angeblich,
       das Gemälde nach Italien zurückzubringen, wo es hingehöre. Zwei Jahre
       später wurde er aber überführt – und die Mona Lisa, heute die
       Hauptattraktion des Louvre, ist seither gegen Diebe bestens geschützt.
       
       ## Die Raubzüge nehmen zu
       
       Die Raubzüge in französischen Museen häufen sich. In der Nacht vom 15. auf
       den 16. September erst waren Unbekannte durch eine aufgebrochene Tür in das
       Pariser Museum für Naturgeschichte eingedrungen, wo sie im Saal für die
       Geologie vier historische Goldklumpen von insgesamt 6 Kilogramm aus den
       Ausstellungsvitrinen mitnahmen. Einer davon wiegt allein 5 Kilogramm, er
       kommt aus Australien und wurde vom Museum vor 20 Jahren käuflich erworben,
       gab der Vizedirektor des Museums an.
       
       Auch diverse bekannte und weniger bekannte Museen in der französischen
       Provinz wurden in der letzten Zeit Opfer von Einbrüchen und Raubüberfällen.
       So Anfang September im Keramikmuseum von Limoges, wo vermutlich auf
       Bestellung drei besonders wertvolle Stücke gestohlen wurden.
       
       „Kunstobjekte sind heutzutage [3][im Visier der organisierten
       Kriminalität]“, sagte Kulturministerin Rachida Dati am Sonntag im
       Fernsehsender TF1. „Museen sind zu Zielen geworden.“
       
       19 Oct 2025
       
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