# taz.de -- Letitia James angeklagt: „Vergeltung um jeden Preis“
       
       > Der Justizministerin des Bundesstaates New York wird Betrug vorgeworfen.
       > Sie steht schon länger auf Donald Trumps Abschussliste.
       
 (IMG) Bild: Unter Anklage: Die Justizministerin des Bundesstaates New York Letitia James
       
       Washington taz | Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ist eine
       langjährige Gegnerin von US-Präsident Donald Trump zum Ziel des
       amerikanischen Justizsystems geworden. Am Donnerstag erhob die
       Staatsanwaltschaft im östlichen Bezirk des US-Bundesstaates Virginia
       Anklage gegen Letitia James. Der Justizministerin des Bundesstaates New
       York wird Betrug in zwei Fällen vorgeworfen. James bestreitet die
       Anschuldigungen.
       
       „Diese Vorwürfe sind haltlos, und die öffentlichen Äußerungen des
       Präsidenten selbst machen deutlich, dass sein einziges Ziel politische
       Vergeltung um jeden Preis ist“, heißt es in einer Presseerklärung der
       66-jährigen.
       
       Die Anklage gegen James folgt auf den Tag genau zwei Wochen, nachdem ein
       weiterer Trump-Gegner, der frühere FBI-Chef James Comey, ebenfalls in
       Virginia angeklagt worden war. Comey, der am Mittwoch zum ersten
       Gerichtstermin erschienen war und auf nicht schuldig plädierte, muss sich
       wegen einer Falschaussage im US-Kongress verantworten.
       
       Die Demokratin James steht seit längerem auf Trumps Abschussliste, da diese
       ihn zivilrechtlich verklagt hatte. Trump wurde von James wegen
       Dokumentenfälschung angeklagt und vor Gericht schuldig gesprochen. Die
       Geldstrafe von fast einer halben Milliarde Dollar wurde im Anschluss jedoch
       rückgängig gemacht, da ein Berufungsgericht die Summe als unverhältnismäßig
       hoch einstufte.
       
       ## Bessere Darlehnskonditionen
       
       Jetzt ist es also James, die beim Strafprozess auf der Anklagebank wird
       Platz nehmen müssen. Die Staatsanwaltschaft wirft der New Yorkerin vor,
       dass sie beim Kauf einer Immobilie vorsätzlich falsche Angaben gemacht
       habe. Laut der Anklage habe James angeben, dass die Immobilie in Norfolk an
       Virginias Atlantikküste lediglich ein Zweitwohnsitz sei. Dadurch habe sie
       bessere Darlehnskonditionen erhalten. Doch es habe sich heraus gestellt,
       dass sie das Haus nicht selbst nutze, sondern an eine dreiköpfige Familie
       vermietet habe.
       
       Trumps Ex-Privatanwältin Lindsey Halligan, die im vergangenen Monat zur
       Staatsanwältin des östlichen Bezirks in Virginia ernannt wurde, sagte, dass
       die Anklagepunkte in diesem Fall „vorsätzliche, kriminelle Handlungen“
       belegen würden. Gleichzeitig wäre dies auch ein „enormer Vertrauensbruch“
       gegenüber der Öffentlichkeit, da James ein öffentliches Amt bekleidet.
       
       „Die Fakten und die Rechtslage in diesem Fall sind klar. Wir werden daher
       weiterhin alles tun, um sicherzustellen, dass der Gerechtigkeit Genüge
       getan wird“, fügte sie hinzu.
       
       Präsident Trump hatte erst im vergangenen Monat Justizministerin Pam Bondi
       dazu aufgefordert, seine politischen und persönlichen Gegenspieler
       strafrechtlich zu verfolgen. „Wir können nicht länger zögern, das schadet
       unserem Ruf und unserer Glaubwürdigkeit. Sie haben zweimal ein
       Amtsenthebungsverfahren eingeleitet und mich (fünfmal!) angeklagt! Wegen
       nichts“, wetterte Trump [1][in einem Post auf Truth Social], der an seine
       Justizministerin adressiert war.
       
       ## Äußerst fragwürdig
       
       Neben James und Comey, nannte der US-Präsident auch den demokratischen
       Senator Adam Schiff aus Kalifornien als einen möglichen Kandidaten für eine
       Strafverfolgung. Viele Rechtsexperten bewerten die Anklagen gegen Comey und
       James als äußerst fragwürdig.
       
       Sie verweisen einerseits auf Medienberichte, die besagen, dass es innerhalb
       der Staatsanwaltschaft Zweifel gegeben hätte, ob die Fälle wirklich konkret
       genug seien, um eine Verurteilung zu erzielen. Hinzu kommen die Aussagen
       des Präsidenten selbst. Er hatte bereits während des Wahlkampfs im
       vergangenen Jahr immer wieder angekündigt, dass er nach Vergeltung strebe.
       
       Demokraten verurteilten die Anklage gegen James. „Ein weiterer schwarzer
       Tag für unsere Demokratie. Eine weitere rachsüchtige Strafverfolgung einer
       Person auf der Feindesliste des Präsidenten“, sagte Schiff.
       
       Für die demokratische Gouverneurin des Bundesstaates New York, Kathy
       Hochul, ist es nichts weniger als die „Bewaffnung des amerikanischen
       Justizministeriums.“ Laut dem demokratischen Senator Chuck Schumer sollte
       jeder Amerikaner „entsetzt“ sein. Er fügte hinzu, dass genau so eine
       „Tyrannei“ aussehe. Republikaner haben sich bislang kaum zu der Anklage
       geäußert. Sie feiern weiterhin Trump als Friedenstifter im Nahen Osten.
       
       10 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/115239044548033727
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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