# taz.de -- KI-Bilder im Netz: Schwerkraft? Ist überbewertet
       
       > Ein Wasserfall überm Bett? Super Idee. Oder doch nicht? Mit Künstlicher
       > Intelligenz erzeugte Bilder überfluten Plattformen wie Pinterest.
       
 (IMG) Bild: Physik ist für Looser*innen
       
       Berlin taz | Wow, was für ein Schlafzimmer! Schlicht ist es, in dunklen
       Farben gehalten, mit Holzfußboden und nur wenigen Leuchtspots an der Decke.
       Aber der Blick: Statt auf eine vierte Wand fällt er durch eine
       Panoramascheibe hinaus auf eine Art tropischen Wald. Grüne Pflanzen drängen
       sich dicht um eine Schlucht, in die aus der Höhe zwei Wasserfälle stürzen.
       Doch plötzlich registriert das Gehirn: Irgendetwas stimmt nicht mit der
       Spiegelung. Auf dem Bett liegen zwei Kissen, in der Scheibe spiegeln sich
       drei. Und hängt einer der Deckenspots nicht irgendwie in der Luft?
       
       Ja, es ist ein mit künstlicher Intelligenz erstelltes Bild. [1][Eines von
       gefühlten Millionen, die mittlerweile die Plattform Pinterest fluten.] Eine
       Plattform, auf der ehemals Design-Liebhaber:innen Inspiration suchten und
       Anregungen posteten und die zunehmend von KI-Inhalten gefüllt wird. Das
       Fiese dabei ist: Die KI-Bilder fügen sich ziemlich gut in die Ästhetik der
       Plattform ein. Schick bis makellos, und realistisch betrachtet eher als
       Idee gedacht als tatsächlich eins zu eins umsetzbar.
       
       Die KI-Bilder heben das auf eine neue Ebene: Statik? Egal. Schwerkraft?
       Überbewertet. Als hätte jemand klassische Pinterest-Inhalte mit Bildern des
       Surrealisten René Magritte gekreuzt. Nur Pferde samt Reiter traben hier
       nicht durch die Zimmer. Vermutlich noch nicht.
       
       Die Nutzer:innen machen ihrem Ärger in langen Threads auf Reddit Luft.
       Kritisieren, dass Pinterest nicht konsequent dagegen vorgehe, tauschen
       Tipps aus, wie sich noch einigermaßen brauchbare Suchergebnisse erzielen
       lassen, überlegen, wie groß wohl der Schaden für die Umwelt durch den
       KI-Wust ist, und hoffen, dass am Ende doch die menschliche Künstlerin, der
       echte Handwerker mit den eigenen Inhalten erkannt wird. Und im
       algorithmischen Kampf gewinnt.
       
       Bis dahin müssen nicht nur Innneneinrichtungsfans stark sein. [2][Sondern
       auch Architekt:innen. Die dürfen sich darauf einstellen, dass immer
       wieder Leute mit Bildern von Wohnzimmern in Höhlen und Schlafzimmern im
       Urwald zu ihnen kommen] und das bitte nachgebaut haben wollen. Dass
       demnächst Wasserfälle in Schlafzimmern der neue Hit bei Menschen mit zu
       viel Geld werden, ist trotzdem eher unwahrscheinlich. Denn hat sich mal
       jemand gefragt, wie man bei zwei Wasserfällen fast direkt neben dem Bett
       eigentlich ein Auge zukriegen soll?
       
       5 Sep 2025
       
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