# taz.de -- Gasbohrung vor Borkum: Fridays for Future planen Protestcamp auf der Insel
       
       > Das zuständige Amt erlaubt die Gasförderung in der Nordsee. Das wollen
       > sich Klimaschützer*innen nicht gefallen lassen. Sie kündigen
       > Aktionen an.
       
 (IMG) Bild: Aktivist:innen von Fridays For Future und der Deutschen Umwelthilfe zeigen Widerstand gegen die Gasbohrungen vor Borkum, 3.9.2025
       
       Berlin taz | Die Klima- und Naturschützer*innen von Fridays for Future
       (FFF) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) kritisieren bei einem Protest vor
       dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin die Genehmigung zur Gasförderung
       vor Borkum scharf: „Politiker*innen entscheiden, dass ihnen die Profite von
       Gaskonzernen wichtiger sind als die Eindämmung der Klimakrise und der
       Schutz lokaler Ökosysteme“, sagte Nele Evers von FFF.
       
       [1][Dem niederländischen Energiekonzern One-Dyas wurde am Dienstag durch
       das zuständige niedersächsische Landesamt LBEG die Erlaubnis erteilt, in
       der Nordsee vor Borkum Gas zu fördern.] Man komme so dem „überwiegenden
       öffentlichen Interesse an einer sicheren Energieversorgung“ nach, heißt es
       von der Behörde.
       
       Die Förderplattform existiert bereits im Grenzgebiet auf niederländischer
       Seite, soll jedoch auch auf deutschem Seegebiet den Energieträger
       explorieren. Einer Sprecherin des Konzerns zufolge sollen die Bohrungen im
       Dezember beginnen. Eine Klage der DUH, der Insel Borkum und einer lokalen
       Bürger*inneninitiative hatte die Gasförderung bisher verzögert, ein
       Urteil steht noch aus.
       
       ## Aktivist: „Goldene Nase für Gaskonzern“
       
       Vor dem Wirtschaftsministerium kritisiert Julian Schwartzkopff von der DUH
       die Begründung des LBEG: Die Förderung verursache einen „Klimaschaden von
       65 Mio. Tonnen CO2, wobei das Projekt nur etwa einen Prozent zum deutschen
       Gasbedarf beitragen wird.“
       
       Darüber hinaus werde ein wertvoller maritimer Lebensraum am Rande des
       UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer geschädigt. „Der massive Schaden steht in
       keinem Verhältnis zum Nutzen des Projekts – außer vielleicht für One-Dyas,
       die sich hier eine goldene Nase verdienen wollen.“
       
       Zum Schluss kündigt der Umweltschützer an: „Wir werden weiter vor Gericht
       Druck machen: Sind wir ein Land, das auf neue Gasförderung setzt oder
       meinen wir es ernst mit dem Klimaschutz?“
       
       ## Kritik an Wirtschaftsministerin Reiche
       
       Die Berliner Aktivistin Nele Evers bemängelt die Nähe der Politik zur
       Gasindustrie: „Es sind Politiker*innen wie Wirtschaftsministerin
       Katherina Reiche, die offen und schamlos mit der Gaslobby flirten und
       lieber auf fossile Gasprojekte setzen, als sich an Klimaziele zu halten.“
       
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte sich explizit für
       die Gasförderung vor Borkum ausgesprochen und das, wie auch das LBEG, mit
       der Sicherung der Gasversorgung begründet.
       
       FFF-Sprecherin Carla Reemtsma wirft Reiche und den zuständigen Stellen in
       Niedersachsen vor, „eins zu eins das Playbook der fossilen Lobby“
       umzusetzen. Reiche als ehemalige Managerin beim Energiekonzern Westenergie
       habe ihre „Rolle als Lobbyistin“ nie überwunden.
       
       Reiche treibe den Gasausbau voran, sabotiere die Energiewende und
       missbrauche den Klima- und Transformationsfonds für Gas-Subventionen.
       Deshalb könne nicht vom Herbst der Reformen die Rede sein, sondern von
       einem „Herbst der Klimazerstörung“.
       
       ## Protestcamp auf Borkum
       
       Während der Kundgebung standen die Protestierenden auf einer Treppe vor dem
       Wirtschaftsministerium. Auf den Pappschildern, die die Aktivist*innen
       halten, stehen Sprüche wie „Borkum & überall: Kein neues Gas!“ und „@
       Reiche: es reicht!“.
       
       Hinten werden runde Tafeln hochgehalten, die Verbotsschildern aus dem
       Straßenverkehr nachempfunden sind: Eine Bohrinsel ist dort durchgestrichen
       und der Schriftzug „One-Dyas“.
       
       Nach dem Protest vor dem BMWE geht es für die meisten von ihnen weiter nach
       Ostfriesland, [2][auf Borkum soll von Donnerstag bis Sonntag ein
       Protestcamp stattfinden], um den Druck auf die Politik zu erhöhen. Dort
       solle es Raum für Austausch und Aktionen geben. Inselbewohner*innen
       seien auch dabei.
       
       ## Gasförderung in Schutzgebieten
       
       Wenige Stunden nach der Protestaktion [3][stellte die Bundesregierung einen
       Gesetzentwurf vor], durch den es in Zukunft keine Gasförderung in den
       deutschen Schutzgebieten in Nordsee und Ostsee geben solle. „Die
       Belastungen der Meere sind bereits sehr hoch. Wir müssen deshalb den
       Meeresschutz weiter verbessern“, heißt es vom zuständigen Minister Carsten
       Schneider (SPD).
       
       Die sechs deutschen Meeresschutzgebiete umfassen etwa 32 Prozent der von
       Deutschland exklusiv wirtschaftlich nutzbaren 200-Seemeilen-Zone. Einem
       EU-Gesetz nach müssen mindestens dreißig Prozent davon geschützt sein.
       
       Die DUH lobtauf Nachfrage der taz, es sei „richtig und überfällig“, die
       Förderung in den deutschen Naturschutzgebieten zu beenden. Den
       Gesetzentwurf aus Schneiders Ministerium lehnt die DUH dennoch ab, da
       weiterhin die Möglichkeit von Befreiungen „aus Gründen des überwiegenden
       öffentlichen Interesses“ bestehe. Auch im Rahmen des neuen Gesetzentwurfes
       könne „nach wie vor Gasförderung unter Meeresschutzgebieten“ stattfinden.
       
       3 Sep 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Energieversorgung/!6110874
 (DIR) [2] /Aktivistin-ueber-Protestcamp-auf-Borkum/!6107741
 (DIR) [3] https://www.bundesumweltministerium.de/meldung/stellungnahme-von-bundesumweltminister-carsten-schneider-zu-gasfoerderungen-in-der-nordsee
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Birger Stepputtis
       
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