# taz.de -- +++ Nachrichten aus Nahost +++: Netanjahu-Rivale Gantz schlägt Einheitsregierung vor
       
       > Gantz hatte Netanjahus Regierung 2024 verlassen. Nun fordert er andere
       > Oppositionspolitiker dazu auf, sich für ein halbes Jahr dieser wieder
       > anzuschließen.
       
 (IMG) Bild: Rivalen seit langem: Benny Gantz (rechts) und Benjamin Netanjahu (links)
       
       ## Israelischer Soldat tötet palästinensischen Kameramann
       
       Ein palästinensischer Kameramann ist nach Medienberichten im nördlichen
       Gazastreifen von israelischen Soldaten getötet worden. Die palästinensische
       Nachrichtenagentur berichtete, es handele sich um einen Mitarbeiter des
       palästinensischen Fernsehens. Er sei in der Nähe von dem Warenübergang
       Zikim tödlich durch Schüsse getroffen worden. Die israelische Armee äußerte
       sich zunächst nicht zu dem Vorfall, der sich am Samstag ereignete.
       
       Der palästinensische Journalistenverband äußerte Trauer über den Tod von
       Chaled al-Madhoun und sprach von einer [1][„fortwährenden israelischen
       Kampagne gegen Journalisten], deren Ziel es ist, die palästinensischen
       Schilderungen zum Schweigen zu bringen“. (dpa)
       
       ## Oppositioneller Gantz für Bildung von Einheitsregierung
       
       Mit einem eindringlichen Appell hat sich der [2][frühere israelische
       Verteidigungsminister Benny Gantz] für die Bildung einer Einheitsregierung
       zur Rettung der Geiseln aus der Gewalt der islamistischen Hamas
       ausgesprochen. Bei einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz schlug
       Gantz am Samstag eine vorübergehende Koalition mit Ministerpräsident
       Benjamin Netanjahu und Vertretern der Opposition unter Ausschluss
       ultrarechter Parteien vor, um die Freilassung aller Geiseln aus dem
       Gazastreifen zu erreichen. Unterdessen forderten zehntausende Demonstranten
       in Tel Aviv erneut ein Geisel-Abkommen.
       
       „Ich bin hier wegen der Geiseln, die keine Stimme haben. Ich bin hier für
       die Soldaten, die aufschreien und auf die in dieser Regierung niemand
       hört“, sagte Gantz. „Die Pflicht unseres Staates ist es zuallererst, das
       Leben von Juden und allen Bürgern zu schützen“, fügte er hinzu. „Jede
       Geisel, die in Lebensgefahr schwebt, könnte unser Sohn oder Ihr Sohn sein“,
       sagte er.
       
       Obwohl er sich für ein Abkommen mit der Hamas einsetzt, das die Freilassung
       der Geiseln ermöglichen würde, forderte Gantz bei seiner Ansprache am
       Samstagabend nicht das Ende des Krieges. „Die Terroristen der Hamas, die
       die Geiseln hungern lassen, müssen sterben, genau wie die Nazis“, sagte der
       Oppositionspolitiker. „Wir werden sie bis zu ihrem letzten Tag jagen. Aber
       zuerst werden wir unsere Brüder retten.“ Gantz bezog sich bei seiner
       Ansprache auch auf den 24-jährigen Evyatar David und den 22-jährigen
       Deutsch-Israeli Rom Braslavski, deren ausgemergelter Anblick in den
       jüngsten Propagandavideos der Hamas in Israel und international Entsetzen
       ausgelöst hatte.
       
       Die von ihm vorgeschlagene Übergangsregierung würde ihre Amtszeit „mit
       einer Vereinbarung über die Geiseln beginnen, die alle nach Hause bringen
       wird“, sagte Gantz. Anschließend würde sie ein Gesetz verabschieden, das
       „einen Rahmen für den Armeedienst festlegt, der unsere ultraorthodoxen
       Brüder einbezieht“, bevor sie schließlich Wahlen für das Frühjahr 2026
       ansetzt.
       
       Lapid ist Chef der größten Oppositionspartei Jesch Atid. Die Partei, die
       sich als Vertreterin der Mitte sieht, verfügt in der Knesset, dem 120 Sitze
       umfassenden israelischen Parlament, über 24 Abgeordnete. Lieberman wiederum
       steht der Partei Israel Beiteinu vor. Die säkular ausgerichtete
       nationalistische Partei hat acht Abgeordnete – ebenso viele wie Gantz'
       Mitte-Links-Bündnis Blau-Weiß. Zusammen mit den 32 Abgeordneten von
       Netanjahus Likud-Partei könnten diese drei Parteien eine Koalition mit
       einer stabilen Mehrheit von 72 Sitzen bilden.
       
       Lapid und Lieberman haben bisher allerdings ausgeschlossen, sich einer
       Regierung unter Netanjahu anzuschließen. Gantz, der als größter Rivale des
       Regierungschefs gilt, hatte nach dem Großangriff der Hamas auf Israel
       zunächst einem Kriegskabinett angehört. (afp)
       
       24 Aug 2025
       
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