# taz.de -- Cancel Culture beim Toronto-Filmfestival: Kleingeistige Banalität von Bürokraten
       
       > Auf dem Toronto-Festival sollte die Doku „The Road Between Us“ nicht
       > laufen. Erst nach Protesten entschied die Leitung, den Film wieder
       > aufzunehmen.
       
 (IMG) Bild: Es soll das Trauma vom 7. Oktober 2023 überwinden helfen: Nova-Festival am 14. August 2025
       
       Vor Kurzem hatte das [1][Toronto Filmfestival den israelischen
       Dokumentarfilm „The Road Between Us“ aus dem Programm] genommen. Dass
       israelische Beiträge boykottiert werden, ist nicht neu. In der
       selbsternannten progressiven Kunstszene gilt Zensur inzwischen als höchste
       Form der Meinungsfreiheit. Diesmal traf es Barry Avrichs Film, der die
       Gräuel des 7. Oktober 2023 ungefiltert zeigt. Die Täter hatten voller Stolz
       ihre Verbrechen selbst dokumentiert: [2][Vergewaltigungen, Enthauptungen,
       lebendig verbrannte Menschen, verstümmelte Leichen].
       
       Die Entscheidung, Avrichs Film zu zensieren, traf Cameron Bailey, einer der
       mächtigsten Kulturmanager Kanadas. Offizielle Begründung: Die Freigabe der
       Hamas-Livestreams fehlte. Man staune: Die Produzenten hatten tatsächlich
       versäumt, bei den Terroristen höflich um Erlaubnis zu bitten, ihre
       Snuff-Videos zu verwenden. Aus Angst vor dem Furor jener, die Palästinenser
       als ewige Opfer verklären und sich über jede abweichende Darstellung
       empören, zog er sich hinter den Schutzschild der Bürokratie zurück. Diese
       kleingeistige Entscheidung verkörpert die Banalität des Bürokraten:
       Paragrafen wiegen schwerer als Empathie. Sein Opportunismus atmet den
       Zeitgeist: Palästina [3][„from the river to the sea“] ist schwer in. Die
       Ironie? Gerade seine vorgetäuschte Neutralität entlarvt seine Parteinahme.
       
       Denkt man das Absurde zu Ende, dann müsste ein Gericht einen Vergewaltiger
       erst um die Freigabe seiner Handyaufnahmen bitten, bevor sie als
       Beweismittel gelten. Oder: Ein Priester missbraucht die ihm unterstellten
       Kinder? Er möge doch bitte in Gottes Namen seine Tagebuchnotizen zur
       Verfügung stellen. Spätestens seit dem Toronto-Eklat wissen wir: In der
       Kunstszene zählen Beweise erst, wenn der Täter sie freigibt.
       
       Zu guter Letzt kam der Film – nach heftigen Protesten – zurück ins
       Programm, er sollte also irgendwann zwischen dem 4. und 14. September auf
       dem Festival laufen. Doch die Freigabe des Massakers musste warten, bis die
       Paragrafen sortiert waren. Wie abgedreht.
       
       24 Aug 2025
       
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