# taz.de -- Reaktionäres US-Frauenmagazin „Evie“: Glanz, Glamour, Gehorsam
       
       > Das US-Magazin „Evie“ gibt sich unpolitisch. Doch die Lektüre zeigt
       > reaktionäre Frauenbilder: kein Sex vor der Ehe, zu Hause bleiben statt
       > arbeiten.
       
 (IMG) Bild: So glossy wie dieses Foto präsentiert sich auch das vormoderne Frauenmagazin „Evie“
       
       Auf den ersten Blick sieht Evie aus wie jedes andere Hochglanzmagazin für
       Frauen. Klassisches Design, schönes Covergirl, Artikel wie „15
       Sommer-Maniküren, die alles andere sind als basic“.
       
       Doch beim Scrollen auf der Webseite erscheinen auch Titel wie „5 Gründe,
       warum ich aufhörte, Sex vor der Ehe zu haben“ oder „Die
       [1][Anti-Woke]-Leseliste für den Sommer“. Dutzende Artikel, die darlegen,
       wie herkömmliche Verhütungsmethoden wie die Pille vermeintlich Gesundheit,
       Sexleben und sogar das eigene Entscheidungsvermögen ruinieren können. Vor
       Artikeln mit ausführlichen und expliziten Sextipps erscheint ein
       Disclaimer: Der Inhalt ist ausschließlich für [2][verheiratete Frauen]
       bestimmt.
       
       Das Ehepaar Brittany und Gabriel Hugoboom gründeten Evie im Februar 2019.
       Das gedruckte Magazin erscheint einmal im Jahr, die Website wird mehrmals
       täglich mit neuen Artikeln bestückt.
       
       Evie soll das konservative Gegenstück zur Cosmopolitan sein, sagen die
       Gründer. Die Hugobooms sind beide Anfang 30. Sie wurde katholisch erzogen
       und ist seit etwa zehn Jahren „Trad-Cath“ – [3][traditionell] katholisch.
       Er wuchs in einer Familie mit acht Kindern auf, die Eltern praktizierten
       Naturheilkunde.
       
       „Sie waren MAHA, bevor es MAHA überhaupt gab“, sagte Gabriel Hugoboom der
       New York Times. MAHA (Make America Healthy Again) ist der Slogan des
       umstrittenen US-Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr., der Masern mit
       Vitamin A und Fischöl statt mit Impfungen bekämpfen will.
       
       Den Hugobooms gehört auch die App 28, mit der sich Workout und Wellness auf
       den Zyklus abstimmen und die eigene Fruchtbarkeit in den verschiedenen
       Phasen tracken lässt – eine Voraussetzung für natürliche Verhütung. Auch
       hier wird auf die vermeintlichen Gefahren von hormonellen
       Verhütungsmethoden hingewiesen, die jedoch als weitaus verlässlicher
       gelten.
       
       Silicon-Valley-Milliardär Peter Thiel finanziert die App mit. Es soll die
       „Fruchtbarkeitskrise“ (die sinkende Geburtenrate) gewesen sein, die ihn
       überzeugte, 2 Millionen Dollar in 28 zu investieren. In eine App, die die
       am wenigsten verlässlichste aller Verhütungsmethoden promotet.
       
       Trad-Wives, das sind Frauen, die nach traditionellen Geschlechternormen
       leben. Sie sind verheiratet, leben oft auf dem Land, kümmern sich dort um
       ihre vielen Kinder und kochen, während ihr Mann Geld verdient. Eine der
       bekanntesten Trad-Wive-Influencerinnen zierte das Cover der letzten
       Evie-Ausgabe.
       
       Das Magazin beschreibt, wie die ideale Frau außerdem zu sein hat: schlank,
       classy gekleidet und feminin. Sie folgt „Etiketten“ auf Dates, Hochzeiten
       oder im Umgang mit ihrer übergriffigen Schwiegermutter.
       
       ## „Unbeschreiblicher Oralsex“
       
       Sie wendet sich von der „Hustle Culture“ (dem Arbeitsmarkt) ab und lebt
       stattdessen in ihrem „femininen Flow“. Sie hat keinen Sex vor der Ehe. Wenn
       sie Glück hat, ist sie mit unter dreißig verheiratet. Dann weiß sie genau,
       wie sie ihren Mann mit „erotischen Massagen“ verwöhnt oder
       „unbeschreiblichen Oralsex“ gibt. Die ideale Frau ist nicht woke und sie
       ist auch keine Feministin.
       
       Das alles wird nicht ausdrücklich vorgeschrieben, aber durch die Auswahl an
       Tipps, Porträts und Erfahrungsberichten mehr als deutlich. Nebenbei
       veröffentlicht Evie Verschwörungstheorien zu Impfungen und schürt
       Ressentiments gegen trans Personen.
       
       Evie passt bestens in die USA unter dem Rechtspopulisten Donald Trump. Das
       Magazin lässt ein reaktionäres Frauenbild schick aussehen, unterwandert
       Bestrebungen nach Gleichberechtigung und Selbstbestimmung und glamourisiert
       die finanzielle Abhängigkeit von Männern. Gleichzeitig sät es Misstrauen in
       wissenschaftliche Erkenntnisse und agitiert gegen geschlechtliche
       Minderheiten.
       
       Das passiert, während Trump weiter den Zugang zu Abtreibungen einschränkt
       (Hyde-Amendment), Gleichstellungsprogramme streicht (DEI) und trans
       Personen die staatliche Anerkennung ihrer Existenz abspricht (per Dekret am
       Tag seines Amtsantritts).
       
       Kritik an hormonellen Verhütungsmethoden oder an den Herausforderungen,
       Familie und Beruf zu vereinen, sind vielen Frauen ein Anliegen. Als Antwort
       darauf präsentiert Evie die Abkehr von verlässlicher Verhütung und Arbeit
       für Frauen, die maßgeblich zu mehr Gleichberechtigung beigetragen haben.
       
       Trumps ehemaliger Berater Steve Bannon schwärmte einmal über die
       „unglaubliche Berichterstattung“ des Magazins. Der Name Evie ist eine
       Referenz auf Adam und Evas Verbannung aus dem Paradies im Alten Testament.
       Eva habe die Welt ruiniert, sagt Brittany Hugoboom der New York Times. Evie
       hingegen solle als eine neue Eva fungieren. „Die die Welt rettet.“
       
       14 Aug 2025
       
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