# taz.de -- Berühmte Opernsängerin: Proteste gegen Auftritt von Anna Netrebko
       
       > Die österreichisch-russische Opernsängerin Anna Netrebko gilt als
       > kremlnah. Bei einem Auftritt in Berlin kam es zu Protesten.
       
 (IMG) Bild: Lautstark gegen Anna Netrebko: Protest in Berlin, am 22.7.2025
       
       „Russland ist ein Terrorstaat!“ und „Keine Bühne für Netrebko!“ skandieren
       die in ukrainische Flaggen eingewickelten Aktivist:innen am
       Dienstagabend auf dem Gendarmenmarkt in Berlin. Der Verein Vitsche hat zur
       Demonstration aufgerufen, denn wieder einmal ist die in Wien lebende
       [1][österreichisch-russische Opernsängerin Anna Netrebko] in Berlin zu Gast
       – diesmal nicht bei der Staatsoper, sondern beim Classic Open Air. Wegen
       einer Unwetterwarnung musste das ursprünglich für Montag geplante Konzert
       kurzfristig um einen Tag verschoben werden.
       
       In drei Gruppen verteilt haben sich vor Veranstaltungsbeginn rund 100
       Menschen an den Eingängen zum Konzertgelände versammelt, um sich lautstark
       gegen den Auftritt der Opernsängerin auszusprechen. Wer Netrebko hören
       will, kommt an ihnen nicht vorbei. Einige Opernfans erwidern auf die
       „Schämt euch“-Rufe der Demonstrant:innen „Ruhe!“ und „Haut ab!“ Eine
       Frau mit russischem Akzent brüllt „Ukraine pfui.“
       
       Daran, dass Netrebko Ende 2014 1 Millionen Rubel an das Opernhaus Donezk
       spendete, erinnern die Demonstrant:innen in ihrer Rede. Damals war die
       Stadt bereits von Russland besetzt. Die Sängerin ließ sich mit dem
       Separatistenführer Oleg Zarjow und mit einer „Neurussland“-Flagge
       ablichten, dem Symbol der prorussischen Kräfte, was für reichlich Empörung
       sorgte.
       
       Die Spende sei kein politischer Akt, sie glaube an die Kraft von Kunst in
       Zeiten von Konflikt und Krise, erwiderte damals die berühmteste
       Opernsängerin der Welt. Die Flagge habe sie nicht erkannt. Aber natürlich
       war ihre Aktion hochpolitisch, ebenso wie ihre pompöse Geburtstagsfeier im
       Kreml im Herbst 2021. Sie stellte der russischen Führung regelmäßig ihr
       Gesicht und ihre Stimme für PR-Zwecke zur Verfügung.
       
       ## Halbherzige Statements
       
       Auf Konzertabsagen und viel Druck hin veröffentlichte Netrebko halbherzige
       Statements: Sie bedauere, dass ihre früheren Handlungen oder Aussagen
       falsch interpretiert worden sein könnten – eine klassische Nopology. Sie
       habe Putin nur ein paar Mal getroffen und verurteile den Krieg. In Russland
       trat sie nicht mehr auf und verlor dort wegen ihrer mangelnden
       Unterstützung für den Krieg massiv an Beliebtheit.
       
       Die Pressesprecherin von Vitsche, Vladyslava Vorobiova, erklärte gegenüber
       der taz: „Netrebko steht symbolisch für eine Kultur, die sich nie von
       Putins Regime distanziert hat – im Gegenteil: Sie hat es gefeiert,
       finanziert und legitimiert. Dass sie heute wieder auf einer Bühne in Berlin
       steht, ist ein Skandal.“ Die Classic Open Air ließ eine Anfrage der taz
       unbeantwortet.
       
       23 Jul 2025
       
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