# taz.de -- NS-Verstrickung von Sparkasse: Ein bisschen Aufarbeitung zum Jubiläum
       
       > Die Sparkasse Osnabrück hat die Schuldbeladenheit ihrer NS-Vergangenheit
       > aufarbeiten lassen. Das Ergebnis: Ein schmales Dossier von 30 Seiten.
       
 (IMG) Bild: Andere waren beim Aufarbeiten schneller: Detail der Schau „Sparkasse im Nationalsozialismus“ der Sparkasse Aurich-Norden 2015
       
       Osnabrück taz | Wer feiert, will keinen Stress. Das geht auch der Sparkasse
       Osnabrück so, die dieses Jahr ihr 200-jähriges Bestehen zelebriert, unter
       dem Motto „Gemeinschaft“, Törtchenverteilung inklusive. Kritik käme da
       ungelegen. Zumal zum Verhalten der [1][Sparkasse während der NS-Zeit]. Das
       war schuldbeladen: unethisch, systemnah, rückgratlos. Begriffe wie
       „Volksgemeinschaft“ hatten damals Konjunktur.
       
       Also hat die Sparkasse getan, was sie schon Jahrzehnte früher hätte tun
       können: Sie hat aufgearbeitet, was von 1933 bis 1945 bei ihr geschah.
       Wer das Ergebnis liest, das [2][Dossier „Die Sparkasse Osnabrück in der
       Zeit des Nationalsozialismus“], auf der Jubiläums-Website sehr leicht zu
       übersehen, gelangt auf schmale 30 Seiten. Die Geschichts-Agentur H&C
       Stader, Mannheim, nicht zuletzt auf Firmenjubiläen spezialisiert, hat sie
       verfasst. Auch andere Sparkassen haben deren Dienste schon in Anspruch
       genommen.
       
       Was die HistorikerInnen in Monaten der Aktensichtung über ihren
       Auftraggeber herausgefunden haben, ist hart: Es gab Diensträume mit
       Hitler-Büste und Hitler-Portrait und Fassadenbeflaggung mit Hakenkreuz.
       Personal wurde gegen „Ariernachweis“ und Nachweis der Mitgliedschaft in der
       NSDAP eingestellt. Die Sparkasse beteiligte sich an der
       „Adolf-Hitler-Spende“ und am Wehrmachts-Kredit. Nicht linientreue
       Mitarbeiter wurden entlassen. Konten von Kunden, die nach den
       NS-Rassegesetzen als jüdisch galten, wurden gesperrt. Die Sparkasse
       beteiligte sich an der [3][Enteignung Verfolgter]. Es gab Dienstbriefe
       unterschrieben mit „Heil Hitler!“
       
       ## Synagogengrundstück zum Spottpreis gekauft
       
       Besonders hässlich wird es, als NS-Kräfte während der Novemberpogrome, in
       der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, Osnabrücks Synagoge
       brandschatzen. Die Synagogengemeinde, Kundin der Sparkasse, sah sich am 11.
       November mit einem schikanösen Zahlungsbefehl der Sparkasse konfrontiert,
       am 14. November mit den Vorbereitungen zur Zwangsversteigerung. Käuferin
       des Synagogengrundstücks war später die Sparkasse selbst, zu einem
       Spottpreis.
       
       Der letzte Satz des Dossiers stellt klar, es seien [4][keine Versuche
       überliefert, „politisch anders ausgerichtete Vereine zu schützen“]. Was
       Osnabrücks heutige Vereine, während des Jubiläums werbewirksam über die
       Sparkassen-Spendenplattform „WirWunder“ unterstützt, bei diesem Satz wohl
       denken?
       
       Ziel sei ein „valider Eindruck“ über die Sparkasse zwischen 1933 und 1945
       gewesen und „Licht ins Dunkle“ zu bringen, schreibt Sparkassen-Sprecherin
       Daniela Pommer auf taz-Anfrage und spricht von „Übernahme von
       Verantwortung“. Zur mehrere Generationen langen Ignoranz beschränkt sie
       sich auf: „Warum die Aufarbeitung in vorherigen Jahrzehnten nicht
       stattgefunden hat, können wir aus der heutigen Perspektive nicht sagen.“
       Das ist mager. Aber bestimmt sind inzwischen alle tot, für die es sonst
       hätte peinlich werden können.
       
       ## Nah am Nationalsozialismus
       
       Die Ereignisse lägen mehr als 80 Jahre zurück, gibt Pommer zu bedenken,
       viele Quellen seien verloren. Das Dossier könne daher „kein
       vollumfängliches Bild und keine starke Detailtiefe darstellen“. Aber: „Wir
       haben den gewünschten Eindruck vorliegen.“
       
       Warum die Aufarbeitung nicht früher erfolgt ist? „Die Frage kann man zu
       Recht stellen“, schreibt Michael Hagedorn der taz, Osnabrücker Ratsmitglied
       der Grünen, Mitglied des Verwaltungsrats der Sparkasse. „Ich begrüße es
       sehr, dass die Sparkasse das diesjährige Jubiläum, was ja in das 80. Jahr
       der Befreiung vom Nationalsozialismus fällt, genutzt hat, um dieses
       Versäumnis nachzuholen.“ Das Ergebnis sei „mit großer Ehrlichkeit
       präsentiert“.
       
       H&C Stader sei in der Wahl der Quellen „völlig frei“ gewesen, schreibt
       Pommer. „Der Rechercheauftrag umfasste die Sichtung und Analyse
       öffentlicher Quellen sowie unseres gesamten Archivs.“ Man habe wissen
       wollen, „wie groß die Nähe der Sparkasse Osnabrück zum Nationalsozialismus
       war“, so Johannes Hartig, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse. Die Antwort:
       Schockierend groß.
       
       ## Erfüllungsgehilfen der NS-Diktatur
       
       Das Ergebnis hätte sich absehen lassen: In ihrer Dissertation „Der Deutsche
       Sparkassen- und Giroverband zur Zeit des Nationalsozialismus“ (DSGV) hat
       Janina Salden 2019 geschrieben: „Da er sich selbst aktiv als Akteur ins
       Spiel brachte, um an dem Unrecht des NS-Regimes zu partizipieren, lässt
       sich nicht argumentieren, der DSGV wäre gezwungenermaßen zum
       Erfüllungsgehilfen der NS-Diktatur geworden.“ Überraschung ist also nicht
       angebracht.
       
       Werbe-Rhetorik übrigens auch nicht. „Ein Hoch auf 200 Jahre Gemeinschaft“,
       beglückwünscht sich die Sparkasse Osnabrück auf ihrer Jubiläums-Website.
       Die 12 Jahre ihrer Willfährigkeit, das Hitler-Regime zu unterstützen,
       fallen hier kurzerhand unter den Tisch.
       
       Bleibt die Frage: Wie stellt die Sparkasse sicher, dass sich ein Verhalten
       wie das damalige nicht wiederholt? Man habe nun „genaues Wissen um die
       Historie“, so Pommer. Damit gehe man „sehr transparent um“ und sorge so
       dafür, „dass die damaligen Mechanismen und Abläufe im Hause klar werden“.
       Besonders konkret klingt das nicht.
       
       26 May 2025
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://www.gemeinsam-sparkasse-feiern.de/wp-content/uploads/2025/05/Sparkasse-Osnabrueck_NS-Dossier_final.pdf
 (DIR) [3] /Pluenderung-juedischen-Eigentums/!5131483
 (DIR) [4] /Nazi-Vergangenheit/!5535148
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Harff-Peter Schönherr
       
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