# taz.de -- Tier-Audioguide „Queering Nature“: Diverse Bären
       
       > Das Berliner Naturkundemuseum legt den prima Audio-Guide „Queering
       > Nature“ vor – und geht dabei erstaunlich kritisch mit der eigenen Arbeit
       > um.
       
 (IMG) Bild: Beispiel für diverse Körper: Legende Knut im Naturkundemuseum
       
       Der Bär ist ein hervorragendes Beispiel für diverse Körper: In manchen
       Populationen sind 25 Prozent der Individuen intergeschlechtlich und
       außerdem sind die (meist großen, öfter eher fülligen) Wesen
       Namensgeber*innen für die Selbstbezeichnung diverser Schwuler.
       
       Gute fünf Minuten kann man vor dem Präparat des ehemaligen Stars des
       Berliner Zoos stehen, seinen weißen Pelz und die doch so filigranen
       [1][Eisbärarme von Knut] betrachten und sich das alles mal ganz in Ruhe
       erklären lassen: naturwissenschaftliche Aspekte ebenso wie die
       gesellschaftlichen.
       
       „Queering Nature“ führt auf acht Stationen quer durchs [2][Berliner
       Naturkundemuseum], ist aber auch hör- und genießbar, wenn man nicht durch
       die Ausstellungsräume wandert, sondern gerade zu Hause die Progress-Flag am
       Fenstersims festtackert.
       
       Das liegt zum einen daran, dass die Exponate, mit denen der Audioguide
       arbeitet, genau beschrieben werden. Zum anderen aber auch daran, dass der
       Guide zwar den Umgang des Naturkundesmuseums mit seinen Exponaten
       darstellt, das aber als Brücke nutzt, um über den generellen Umgang mit
       Queerness in Wissenskommunikation und Gesellschaft zu reden.
       
       ## Sexualpraktiken bei Pinguinen
       
       Es geht um Fische, deren Geschlecht sich ändert. Darum, ob
       Paläontolog*innen überhaupt feststellen können, welches Geschlecht
       ein Dinosaurier hatte, und wieso ein Wissenschaftler lieber wieder aus
       seinen Aufzeichnungen gestrichen hat, welche Sexualpraktiken er bei
       Pinguinen beobachten konnte.
       
       Dabei geht der Audioguide auch erstaunlich kritisch mit dem Museum selbst
       ins Gericht, etwa bei der Konstellation, in der zwei erwachsene Nilpferde
       und ein Kalb ausgestellt werden, und zwar als heteronormative Kernfamilie,
       die bei Nilpferden gar nicht existiert: Sie sind Einzelgänger – ganz im
       Gegensatz zu den meisten Menschen, die dieses Familienbild kaum irritiert.
       
       „Queering Nature“, 8 Stationen, zu hören in der App und auf der Seite des
       Museums für Naturkunde Berlin
       
       10 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Eisbaerhaltung-in-Berliner-Zoos/!5828310
 (DIR) [2] https://www.museumfuernaturkunde.berlin/de
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Drosdowski
       
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