# taz.de -- Attentat an israelischen Diplomaten: Mörderische Selbstgerechtigkeit
       
       > Für alle, denen es wirklich um das Leben der Palästinenser geht, ist
       > heute ein schwarzer Tag – nicht nur wegen der erwartbaren Reaktionen
       > Trumps.
       
 (IMG) Bild: Gestern Nacht am Tatort in Washington
       
       Zwei junge Mitarbeiter*innen der israelischen Botschaft in den USA
       sind [1][erschossen worden]. Noch ist unklar, ob der mutmaßliche Täter, der
       30-jährige Elias Rodriguez aus Chicago, die beiden dezidiert als Ziel
       genommen hat. Ob er sie kannte und wusste, wer sie sind, oder ob er sich
       einfach nur vor das Jüdische Museum in der Innenstadt stellte und auf
       irgendjemanden seine Waffe richtete, der das Museum verließ, wo ein Empfang
       für Jungdiplomaten stattfand.
       
       Wenn man das vermutlich authentische, unter dem Titel „Eine Erklärung“
       veröffentlichte Manifest des Attentäters liest, spielt das keine Rolle.
       Lange referiert er über das israelische Vorgehen im Gazastreifen, das er
       als Genozid bezeichnet, um dann zum Kern zu kommen: der mörderischen
       Selbsterhöhung seiner selbst als eines Gerechten, der über das Leben
       anderer entscheiden darf. Anderer, denen er – in ihrer mutmaßlichen
       Eigenschaft als Täter in Gaza – das Menschsein abspricht. „Diejenigen von
       uns, die gegen den Genozid sind, argumentieren gern damit, dass die Täter
       und Helfershelfer ihre Menschlichkeit verwirkt haben. Ich sympathisiere mit
       diesem Standpunkt“, schreibt er.
       
       Er weiß um Terror als Botschaft, und genau so will er seine Tat auch
       verstanden wissen – heute, so seine Ansicht, würde das auf Verständnis
       stoßen und anders als früher sogar als einzige wirklich angebrachte
       Handlungsoption gesehen werden.
       
       Das ist, aus anderen Umständen heraus, die gleiche kranke Scheiße, die
       irgendwelche rassistischen Mörder anführen, um den Untergang der Weißen
       aufzuhalten. Die gleiche Selbstermächtigung, anderen das Leben zu nehmen,
       Familien zu zerstören. Die gleiche unerträgliche Selbstgerechtigkeit, die
       deutsche Linke von der RAF kannten – interessanterweise nicht zuletzt auch,
       wenngleich nicht nur, im Israel-Palästina-Zusammenhang.
       
       Für alle, denen es wirklich um das Leben der Palästinenser*innen
       geht, ist das ein schwarzer Tag. Nicht nur wegen der erwartbaren Reaktion
       der Trump-Regierung, die auch friedlichen Protest nicht dulden mag.
       
       22 May 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Angriff-vor-Juedischem-Museum-Washington/!6089513
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Pickert
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) GNS
 (DIR) Gaza
 (DIR) Washington
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Anschlag in Washington
 (DIR) Israel Defense Forces (IDF)
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Antisemitismus
 (DIR) Washington
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Nach Angriff auf Demo in Colorado: Jüdische US-Amerikaner in Angst
       
       Der Angreifer von Boulder, Colorado, wollte „alle Zionisten töten“.
       US-Präsident Donald Trump aber sieht in dem Fall Migration als Problem.
       
 (DIR) Berliner Staatsschutz ermittelt: Zynisches Plakat nach Mord in Washington
       
       Ein Plakat in Berlin zeigt den Deutsch-Israeli Yaron Lischinsky, der in
       Washington erschossen wurde, unter einem Hamas-Dreieck. Der Staatsschutz
       ermittelt.
       
 (DIR) Washington: Mordanklage nach Schüssen auf Botschaftsmitarbeiter
       
       Dem Angeklagten wird vorgeworfen, ein israelisches Paar erschossen zu
       haben. Sie hatten sich für Frieden eingesetzt.
       
 (DIR) Vorfall im Westjordanland: „Warnschüsse“ auf Delegation im Flüchtlingslager Dschenin
       
       Israelische Soldat*innen feuern bei einem Besuch von Diplomat*innen
       Schüsse ab. Israel entschuldigt sich für die „Unannehmlichkeit“.
       
 (DIR) Tödliche Schüsse in USA: Gazakrieg erreicht Washington
       
       In der USA erschießt ein Mann zwei Menschen vor einem jüdischen Museum. Die
       Tat war wohl politisch motiviert, Trump spricht von Antisemitismus.
       
 (DIR) Angriff vor Jüdischem Museum Washington: Mitglied von israelisch-deutschem Jugendforum getötet
       
       Bei einem Angriff in der US-amerikanischen Hauptstadt sind zwei Menschen
       erschossen worden. Ermittler gehen zurzeit von „einzelnen Verdächtigen
       aus“.