# taz.de -- Politische Strahlkraft des 1. Mai: Die Bratwurst kann auch vegan sein
       
       > Der 1. Mai ist zur Folklore geworden. Dabei sind die Forderungen, die an
       > diesem Tag erhoben werden, wichtiger denn je.
       
 (IMG) Bild: Ob vegan, woke und gutmenschlich oder bieder, konservativ, fleischig – bloß nicht spalten lassen!
       
       Der [1][1. Mai erzeugt häufig ein müdes Schulterzucken], wenn man nicht
       gerade glühende Gewerkschafterin ist, von denen es seit Jahren bekanntlich
       auch immer weniger gibt. Tag der Arbeit, mal wieder: Immerhin einen Tag
       arbeitsfrei in den Betrieben, für die meisten Arbeitnehmer:innen
       jedenfalls. Dass der 1. Mai vielerorts Folklore ist und an seinen eigenen
       Ritualen zu ersticken droht, ist der Lebendigkeit dieses Tags auch nicht
       gerade zuträglich.
       
       Die plakative 18-Uhr-Demo in Berlin-Kreuzberg ist schon lange nicht mehr
       „revolutionär“. Große Teile der Linken sind, statt sich um die Arbeiterin
       zu bemühen, lieber mit den eigenen Befindlichkeiten zum Gazakrieg und
       theoretischen Erörterungen zu postkolonialen Kontinuitäten beschäftigt. Und
       die bundesweiten Gewerkschaftsfeierlichkeiten servieren Bratwurst und
       mittelmäßig mitreißende Reden von regionalen Gewerkschaftsvorsitzenden und
       politischer Lokalprominenz.
       
       Dabei ist der [2][1. Mai, sind die Gewerkschaften, die Ideen von
       Solidarität und Zusammenhalt mehr denn je die Gebote der Stunde]. Die AfD
       liegt bei Umfragen inzwischen gleichauf oder sogar leicht vor den
       demokratischen Parteien. Das künftige Kabinett Merz hat einen
       [3][Kulturstaatssekretär nominiert, der in der Vergangenheit mit
       identitärer Rhetorik] auffiel. Sein designierter Fraktionschef Jens Spahn
       plädiert für einen „normalisierten“ parlamentarischen Umgang mit der AfD.
       
       Wenn sich Allianzen rechts der Mitte bilden, dann darf man sich links davon
       erst recht nicht spalten lassen. Sonst werden aus Allianzen irgendwann
       Mehrheiten. Insofern macht es Mut, wenn zum Beispiel in Görlitz in
       Ostsachsen der Deutsche Gewerkschaftsbund, das örtliche feministische Forum
       und Initiativen gegen rechts ihren diesjährigen Demonstrationszug unter ein
       gemeinsames Motto gestellt haben, das sogar das Wort „feministisch“ im
       Namen hat.
       
       Bloß keine Berührungsängste. Die Bratwurst kann es ja zur Not auch in vegan
       geben.
       
       1 May 2025
       
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