# taz.de -- BSW-Landesparteitag in Thüringen: Ins Knie geschossen
       
       > Wagenknecht hat in Gera eine herbe Niederlage einstecken müssen. Der
       > tiefere Grund ihrer jüngsten Misserfolge ist ihr autoritärer
       > Führungsstil.
       
 (IMG) Bild: Katja Wolf hat sich gegen den Willen von Sahra Wagenknecht durchgesetzt
       
       Ganz offen wollte Wagenknecht ihre bisherige Landeschefin in Thüringen
       abstrafen und durch bravere Gefolgsleute ersetzen. Doch die Mehrheit des
       Landesverbands hat ihr auf dem Parteitag in Gera die Gefolgschaft
       verweigert und [1][Katja Wolf im Amt bestätigt]. Mit ihrem autoritären
       Vorgehen hatte sich Wagenknecht ins Knie geschossen, es hatte sogar manche
       treue Fans abgeschreckt und gegen sie aufgebracht.
       
       Ihre Niederlage zeigt, wie sich die Gewichte in der noch jungen Partei
       verschoben haben. Das Bündnis Sahra Wagenknecht hat den Einzug in den
       Bundestag knapp verpasst, seine bisher zehn Abgeordneten mussten ihre
       Stühle räumen.
       
       Im Europaparlament und in drei Landtagen verfügt das BSW inzwischen aber
       über Sitze und Personal. Und weil der Erfolg im Bund ausgeblieben ist,
       brechen die Konflikte über den künftigen Kurs nun offen aus.
       
       Es ist absurd, Wolf dafür verantwortlich zu machen und zum Sündenbock zu
       stempeln, wie es Wagenknecht und ihr Umfeld tun. Denn das Problem reicht
       tiefer. Das BSW ist eine Protestpartei, aber an zwei [2][Landesregierungen
       beteiligt]. Das führt zwangsläufig zu Enttäuschungen. Partei- und
       Ministerämter künftig zu trennen, wie es Wagenknecht will, mag sinnvoll
       sein, löst aber das eigentliche Problem nicht.
       
       ## Zu restriktive Mitgliederaufnahme
       
       Mit seiner [3][restriktiven Mitgliederaufnahme] hat sich das BSW außerdem
       geschadet. Wagenknecht besteht darauf, dass allein der Bundesvorstand
       entscheidet, wer Mitglied werden darf.
       
       Viele BSW-Unterstützer, die bisher kein Mitglied werden durften, fühlen
       sich dadurch vor den Kopf gestoßen. Das hat das BSW bei der Wahl
       möglicherweise entscheidende Stimmen gekostet. Wolf dagegen will, dass die
       Landesverbände selbst entscheiden, wer bei ihnen Mitglied werden darf.
       Diesen Konflikt würde es auch ohne sie geben.
       
       Ob Wagenknecht das einsieht oder beleidigt hinwirft, das ist eine andere
       Frage. Doch nur mit ihr hat das BSW etwa bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt
       und Mecklenburg-Vorpommern eine Chance – und damit eine Zukunft.
       
       27 Apr 2025
       
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