# taz.de -- Pollenallergie: Mein Feind, die Birke – fällt die verdammten Dinger!
       
       > Nirgends ist man vor den nervigen Spermaschleudern mehr sicher. Es
       > braucht einen radikalen Wandel im Umgang mit der Pollenpest.
       
 (IMG) Bild: Birken sind die natürlichen Feinde von Allergikern und die Freunde der Stadtbepflanzer
       
       Neulich hörte ich eine Radioreportage. Über einen Spielplatz in
       Friedrichshain, umzingelt von Birken. Über leere Nasenspray-Packungen, die
       sich da stapeln. Und dachte: Ich bin also nicht allein.
       
       Man sollte vorab erwähnen, wie dieser Text entsteht: zwischen
       Pollenschutzgittern und Luftreiniger. Anders halte ich es selbst in
       Innenräumen kaum aus zwischen März und Mai, [1][wenn die Pollen fliegen].
       15 Prozent der Deutschen haben Heuschnupfen, meist wie ich dank Birken.
       Mein Feind, der Baum. Ist Ihnen das zu düster? Es mag daran liegen, dass
       durch Pollengitter am Fenster kaum Licht dringt. Während viele Menschen
       einen warmen Frühling feiern, sehne ich mich nach reinigendem Regen.
       
       Es war nicht immer so, jahrelang waren die Birke und ich anonyme Nachbarn,
       wie üblich in Berlin. Seit die Symptome kamen – Niesen, juckende Augen,
       Müdigkeit, Atemprobleme bis zum Asthma –, habe ich mich schlaugelesen zur
       [2][Pollenpest]. Sie sehen: Auch ich habe mich im Netz radikalisiert.
       
       ## Sperma im Gesicht ohne Konsens
       
       Birken gehören zu den Bedecktsamern, sogenannte Angiospermen, die
       Windbestäubung betreiben. Das finde ich übergriffig. Ich habe nie Konsens
       signalisiert, Baumsperma im Gesicht zu empfangen. Das Schlimmste ist: Die
       Spermaschleudern werden oft bewusst gepflanzt, in Parks oder an Alleen,
       weil sie pflegeleicht und schön weiß sind.
       
       Tränke ich Birkenwasser, stürbe ich. Nicht mal in der Sauna bin ich sicher
       vor Birkenzweiggewedel. Also fordere ich nun radikal: Fällt die Dinger.
       Überall. Mir zuliebe. Für die niesende Nachbarschaft. Ich weiß, jetzt
       kommen Einwände: Biodiversität, Luftqualität, Lebensraum für Tiere und
       Insekten. Aber das können auch andere Bäume. Und ein bisschen Verdrängung
       gehört heute dazu in Berlin.
       
       Es gibt Stiftungen, die vor allergischen Schocks bei Kindern warnen. Kinder
       schützen oder Bäume? Die dänische Stadt Aarhus kündigt an, weniger Birken
       zu pflanzen, dafür allergiefreundlichen Wald. Doch das reicht nicht. Aus
       Schweden und Polen reisen Pollen Hunderte Kilometer, auch übers Meer. Was
       tun?
       
       In Polen einmarschieren, um Birken zu fällen? Historisch unklug, sage ich
       als halber Pole. Spätestens hier sehe ich ein: Ich übertreibe. Also nehme
       ich weiter Medizin ein, Big Pharma freut’s. Und lasse die nächste Kolumne
       Hasel-, Erlen- und Gräser-Hatern. Bis dahin grüße ich auf Englisch: Life is
       a birch.
       
       29 Apr 2025
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominik Bardow
       
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