# taz.de -- Tag der Pressefreiheit 2025: News und Austausch
       
       > „Documented New York“ will gemeinschaftsorientierten Lokaljournalismus
       > für Migranten nicht nur in deren Sprachen, sondern auch für sie und mit
       > ihnen.
       
 (IMG) Bild: Solidarität mit Frauen und Kindern aus Lateinamerika
       
       Die Motivation für [1][Documented New York] entstand 2018 durch unsere
       Co-Gründer Mazin Sidahmed und Max Siegelbaum. Ursprünglich ging es um die
       Berichterstattung über die Family Separation Policy während der ersten
       Trump-Präsidentschaft. Damals wurden Familien, die ohne gültige Papiere die
       Grenze überquerten, getrennt – Eltern kamen in Haft, Kinder in separate
       Einrichtungen.
       
       Auf nationaler Ebene wurde viel darüber berichtet – auf lokaler Ebene nicht
       genug. Und das, obwohl die Regulierungen dort das Leben von Leuten treffen.
       So ist die Idee für unser Nachrichtenportal entstanden. Eine unserer
       Grundprinzipien ist, Journalismus nicht über Migrant*innen, sondern für und
       mit ihnen auf lokaler Ebene zu ermöglichen.
       
       In New York leben 700.000 Menschen, die Spanisch sprechen, 500.000, die
       Chinesisch sprechen, und 30.000, die haitianisches Kreol sprechen. Nicht
       alle von ihnen sprechen gut Englisch oder konsumieren englischsprachige
       Medien. Der Ansatz unserer digitalen Plattform Documented New York ist
       gemeinschaftsorientierter Journalismus. Das heißt, wir schreiben nicht nur
       über Themen, die für die jeweilige migrantische Community wichtig sind,
       sondern wir interagieren auch mit ihnen, beantworten ihre Fragen und haben
       so auch ein gutes Gespür dafür, was sie beschäftigen. Deshalb nutzen wir
       unterschiedliche Plattformen, um die Menschen zu erreichen. Für
       spanischsprechende Menschen ist es WhatsApp, die chinesische Community
       nutzt die App WeChat, viele karibischstämmige Menschen nutzen die
       NachbarschaftsApp Nextdoor. Dort bieten wir ihnen News, aber auch den
       Austausch.
       
       Obwohl wir ein kleiner Newsroom sind, ist unser innovatives Konzept der
       Zeit voraus. Unser Team besteht aus 15 Leuten, unsere
       Mitarbeiter*innen sind unglaublich motiviert und ihre Arbeit ist sehr
       wichtig. Sie kommen selbst aus den Communities, über die sie schreiben. Wir
       machen nicht nur Service-Journalismus und auch Investigativ-Journalismus.
       In Bedarfsanalysen, die wir erhoben haben, berichten Migrant*innen, dass
       ihnen drei Ansätze wichtig sind: weder als Kriminelle noch als Opfer
       dargestellt zu werden, der Zugang zu nützlichen Informationen und
       Nachrichten auf den Plattformen zu bekommen, die sie auch sonst benutzen.
       
       ## Soziale Medien lassen Raum für Fehlinformationen
       
       Finanziert werden wir zu 92 Prozent von Stiftungen und Privatpersonen,
       weniger als 8 Prozent der Einnahmen kommen von Anzeigen und Werbung. Im
       ersten Quartal dieses Jahres haben wir eine Million Zugriffe auf allen
       Kanälen und Portalen erreicht. Durch Trump ist diese Zahl auch definitiv
       gestiegen.
       
       Viele Communities bekommen ihre Nachrichten nicht von US-amerikanischen,
       englischsprachieen traditionellen Medien. Oft bekommen sie ihre News
       beispielsweise eher auf ihnen bekannten Social-Media-Plattformen. Das lässt
       aber auch Raum für viel Fehl- oder ideologisch-gefärbte Informationen –
       besonders in den letzten Jahren – mit gravierenden Konsequenzen. Bei der
       Präsidentschaftswahl 2024 war beispielsweise zu erkennen, dass viele
       Migrant*innen nach rechts gerutscht sind in ihrem Wahlverhalten. In
       anderen Fällen werden sie Opfer von Betrug und ihnen wird Geld aus der
       Tasche gezogen.
       
       Ich denke, dass Lokalnachrichten dazu beitragen, dass Menschen tief mit dem
       Geschehen in ihrer Gemeinde verbunden sind. Sie helfen ihnen, sich
       zurechtzufinden, Kontakte zu knüpfen, aber auch, Chancen zu nutzen, gute
       Jobs zu finden und aktive, engagierte und informierte Bürger*innen zu
       sein. Dazu wollen wir mit Documented New York beitragen.
       
       Protokoll von Julia Belzig, freie Journalistin in Berlin, die 2024 mit dem
       Daniel-Haufler-Stipendium der taz Panter Stiftung in den USA war. 
       
       Dieser Artikel erscheint am 3. Mai 2025 als Teil einer gemeinsamen
       Sonderbeilage der [2][taz Panter Stiftung] und Reporter ohne Grenzen zum
       Tag der Pressefreiheit.
       
       2 May 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://documentedny.com/
 (DIR) [2] /stiftung
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Belzig
       
       ## TAGS
       
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