# taz.de -- Berliner Plattform gegen Erdoğan: Frischer Wind für Demokratieproteste
       
       > Rund 30 türkeistämmige Gruppen demonstrieren am Sonntag in Berlin für
       > İmamoğlu und alle politischen Gefangenen. Der CHP Bund Berlin ist nicht
       > dabei.
       
 (IMG) Bild: „Tschüss Tayyip, so oder so wirst du gehen“, steht auf einem Demoschild bei einer Kundgebung des CHP Bund Berlin
       
       Berlin taz | „Entweder alle zusammen oder keiner von uns“ (Ya hep beraber,
       ya hiçbirimiz) ist in der türkischen Protestbewegung ein geflügeltes Wort.
       Nun haben sich 28 Verbände zur „Berliner Plattform für Demokratie in der
       Türkei“ zusammengeschlossen. Sie rufen für Sonntag zu einer
       Großdemonstration gegen die antidemokratischen Entwicklungen in der Türkei
       auf. Der CHP Bund Berlin, der die [1][vergangenen Proteste anmeldete], ist
       dabei nicht mehr involviert.
       
       Um 13 Uhr will das Bündnis vom Alexanderplatz zum Bundestag ziehen.
       Erwartet werden 10.000 Menschen. Bei den vergangenen Demonstrationen waren
       es zwischen 500 und 1.300. Neben den türkeistämmigen Verbänden werden auch
       Redner*innen von Linke, Grüne und SPD erwartet.
       
       „Das vorderste Ziel unserer Plattform ist der Kampf gegen die Autokratie in
       der Türkei“, sagt Kadir Şahin der taz. Er ist stellvertretender
       Vorsitzender der alevitischen Gemeinde in Berlin und Gründungsmitglied der
       Demokratieplattform. Im einzigen alevitischen Gotteshaus Deutschlands, dem
       „Cemevi“ in Kreuzberg, wurde die Plattform vergangene Woche gegründet. Mit
       dabei ist auch die türkische Arbeiterpartei (TİP) sowie kurdische Verbände
       und Parteien.
       
       „Sozialisten, Kemalisten, Frauenrechtlerinnen, die DEM-Partei und kurdische
       Verbände, Arbeiter, Aleviten und viele weitere haben sich
       zusammengeschlossen“, freut sich Baransel Ağca, Vorsitzender der TİP in
       Ostdeutschland. „Das ist das erste Mal, dass sich so verschiedene Gruppen
       auf ein gemeinsames Ziel einigen konnten.“ Es gehe um die Unterstützung des
       inhaftierten Istanbuler Oberbürgermeisters Ekrem İmamoğlu und aller
       politischen Gefangenen in der Türkei. Kadir Şahin von der alevitischen
       Gemeinde hofft, dass sich das Bündnis auch gegen den Rechtsruck in
       Deutschland und Europa engagiert.
       
       CHP Bund plant eigene Demonstration 
       
       In Berlin gibt es zwei Ableger der kemalistischen CHP. Der CHP
       Landesverband Berlin ist Teil der Demokratieplattform, der CHP Bund Berlin
       aber nicht. Ziya Akçetin ist der Vorsitzende des CHP Bund Berlin. Er war
       bei der Gründungsversammlung zwar dabei – sein Vereinsvorstand stimmte dann
       aber gegen eine offizielle Beteiligung. „Wir haben den Anspruch, [2][alle
       Demokraten zu mobilisieren]“, sagt Akçetin der taz.
       
       Er finde es falsch, dass zur konstituierenden Sitzung keine Vertreter
       anderer Glaubensrichtungen oder von kemalistischen Verbänden wie dem
       „Verein zur Förderung der Ideen Atatürks“ (ADD) eingeladen wurden. „Die
       völlige Ignoranz unseres Gründungsvorsitzenden Atatürk konnten wir nicht
       hinnehmen“, sagt Akçetin. Es stehe den Mitgliedern des CHP Bund Berlin aber
       frei, privat demonstrieren zu gehen.
       
       Der CHP Bund will stattdessen am übernächsten Wochenende – womöglich
       gemeinsam mit dem ADD – eine eigene Demonstration organisieren. „Dazu
       werden wir aber keine Separatisten einladen, die die Türkei als Staat nicht
       anerkennen“, sagt Akçetin.
       
       9 Apr 2025
       
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