# taz.de -- Der Dramatiker Athol Fugar ist gestorben: Kompromisslos gegen die Apartheid
       
       > Weil er Schwarze in seinen Workshop holte, geriet Athol Fugard ins Visier
       > der Apartheid-Regierung. Nun ist Südafrikas großer Dramatiker gestorben.
       
 (IMG) Bild: Wurde 92 Jahre alt: Der Schriftsteller und Dramaturg Athol Fugard auf einem Foto aus dem Jahr 2011
       
       Kapstadt ap | Der als einer der größten Theatermacher Südafrikas bekannte
       Schriftsteller und Dramaturg Athol Fugard ist im Alter von 92 Jahren
       gestorben. Die südafrikanische Regierung bestätigte seinen Tod und nannte
       Fugard eine der größten Ikonen der Literatur und des Theaters. Seine Werke
       hätten die kulturelle und soziale Landschaft Südafrikas geprägt.
       
       Fugards bekannteste Stücke thematisieren das Leid, das durch die
       Apartheidpolitik der weißen Minderheitsregierung ausgelöst wurde. Sein
       Roman „Tsotsi“ wurde 2005 verfilmt und gewann den Oscar als bester
       ausländischer Film.
       
       Als sein Stück „„Master Harold“ … and the Boys“ über den Sohn eines weißen
       Teeladenbesitzers und zwei schwarze Bedienstete 1983, auf dem Höhepunkt der
       Apartheid in Johannesburg, auf die Bühne kam, war Anti-Apartheid-Aktivist
       [1][Desmond Tutu] zu Tränen gerührt. „Die erste Reaktion ist Weinen“, sagte
       der Erzbischof, der unter den Premiere-Zuschauern war.
       
       Wegen Fugards kompromissloser Parteinahme gegen die Apartheid waren im
       Ausland manche überrascht, dass er selbst weiß war. Fugard wurde 1932 als
       Sohn eines Jazz-Pianisten geboren, dessen Eltern aus England und Irland
       stammten.
       
       Seine Mutter war burischer Abstammung und verdiente das Haupteinkommen der
       Familie als Geschäftsinhaberin. Ein zufälliger Besuch im inzwischen
       abgerissenen Johannesburger Township Sophiatown weckte Fugards Drang zum
       Schreiben.
       
       ## Inhaftiert auf Robben Island
       
       In einem Interview sagte er einmal, das beste Theater Afrikas komme aus
       Südafrika, weil die „tägliche Bilanz der Ungerechtigkeit und Brutalität des
       Landes eine Reife des Denkens und Fühlens und ein Bewusstsein für
       grundlegende Werte erzwungen hat, die ich nirgendwo in Afrika in gleicher
       Weise finde“.
       
       Fugard geriet ins Visier der Apartheid-Regierung. Nachdem er den schwarzen
       Theaterworkshop „The Serpent Players“ geleitet hatte, wurde ihm für vier
       Jahre sein Pass abgenommen. Fünf Mitglieder des Workshops wurden auf Robben
       Island inhaftiert, wo die Apartheid-Regierung politische Gefangene
       einsperrte, darunter Nelson Mandela.
       
       Fugard und seine Familie wurden jahrelang von der Regierung überwacht. Ihre
       Post wurde geöffnet, ihre Telefone wurden abgehört und ihr Haus mitten in
       der Nacht von der Polizei durchsucht.
       
       Zu Fugards neueren Stücken gehören „The Train Driver“ von 2010 und „The
       Bird Watchers“ von 2011, die beide am Fugard Theatre in Kapstadt
       uraufgeführt wurden. Als Schauspieler trat er in den ebenfalls
       oscarprämierten Filmen „The Killing Fields – Schreiendes Land“ [2][und
       „Gandhi“] auf.
       
       10 Mar 2025
       
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