# taz.de -- „Friedensgespräche“ in Riad: Die Verhandlungen mit Russland sind sinnlos
       
       > Mit Russland kann man nicht verhandeln, denn Putin geht es um die
       > Zerstörung der Ukraine. Und auf die USA kann das angegriffene Land nicht
       > zählen.
       
 (IMG) Bild: Selenskyi und der saudische Kronprinz zu Beginn der Verhandlungen in Riad am 11. März
       
       Die „Friedensgespräche“ [1][für die Ukraine in Saudi-Arabien] sind
       zwecklos. Beide Kriegsparteien wissen es. Russlands Kriegsziele bleiben
       unverändert. Aus Kreml-Sicht ist die ukrainische Nation ein vom Feind
       implantierter Fremdkörper auf russischem Boden, der ausgelöscht gehört. Die
       Menschen dort sollen begreifen, dass sie eigentlich Russen sind, also
       Untertanen Moskaus, und wer das nicht freiwillig begreift, wird mit Gewalt
       dazu gezwungen.
       
       Grenzveränderungen, wie sie jetzt sogar von den USA in Aussicht gestellt
       werden, wären für Russland zwar ein Erfolg. Aber sie wären bloß ein
       Zwischenschritt, eine nette kleine Anerkennung. Politisch geht es um die
       Vernichtung der freien Ukraine an sich. Und auch die ist für Russland nur
       eine Etappe auf dem Weg zum großen Fernziel, den Untergang der Sowjetunion
       – die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts laut Putin –
       rückgängig zu machen. Wer daran immer noch Zweifel hegt, sollte endlich zur
       Kenntnis nehmen, was jeden Tag in Moskau gesagt wird.
       
       Es werden auch Zeichen gesetzt: etwa der Haftbefehl gegen die
       EU-Außenpolitikbeauftragte Kaja Kallas aus Estland, ausgestellt wegen
       „feindseliger Handlungen gegen Russland“, Geburtsland: Sowjetunion. Für den
       Kreml sind ehemalige Sowjetbürger, die sich Moskau widersetzen, abtrünnige
       Untertanen und Verräter, egal welchem Staat sie sich zugehörig fühlen.
       
       ## Die dümmste US-Regierung der Geschichte
       
       Für alle Menschen in Staaten, die sich von Moskau emanzipiert haben, ist
       der Abwehrkampf gegen Putin also ein persönlicher Überlebenskampf. [2][Die
       Ukraine kämpft um ihre Existenz] und hat aus Moskau keine Gnade zu
       erwarten. Die „Friedensgespräche“ haben aus ukrainischer Sicht höchstens
       den Sinn, die eigene Sicht der Dinge darzulegen und den USA keinen Vorwand
       zu liefern, die Unterstützung erneut einzustellen. Man hat es schließlich
       mit der dümmsten Regierung der US-Geschichte zu tun, sie hat die
       Kreml-Weltsicht hundertprozentig übernommen.
       
       Also findet jetzt in Riad eine bizarre Shuttle-Diplomatie statt, in der
       US-Unterhändler mal mit den Ukrainern sprechen und mal mit den Russen.
       Solche indirekten Gespräche enden meist ergebnislos, wie zahlreiche
       Nahost-Friedensprozesse belegen. Die Ukraine ist dazu verdammt, dieses
       verlogene Spiel mitzuspielen. Aber sie kann darauf setzen, dass sie
       momentan an mehreren Kriegsfronten im Donbass im Vorteil ist, also Fakten
       schafft. Und dass Trump schnell das Interesse verliert, wenn er keine
       schnellen Ergebnisse sieht. Vielleicht wendet er sich dereinst Grönland zu.
       Oder Iran. Der Krieg in der Ukraine aber wird weitergehen. Bis zur
       Entscheidung.
       
       24 Mar 2025
       
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