# taz.de -- Neue Forsa-Wahlumfrage: Nur die Jugend kann uns retten
       
       > Der Jugend wird nachgesagt, sie sei rechts. Das stimmt so nicht ganz. Die
       > jungen Linken mobilisieren sich – zum Glück.
       
 (IMG) Bild: Macht die Linke zunehmend sexy: Heidi Reichinnek umringt von jungen Fans
       
       Also doch, junge Wähler:innen besinnen sich auf das einzig Richtige und
       wollen wieder links wählen. Das prophezeit zumindest eine
       [1][Forsa-Umfrage], in der 1.008 Wahlberechtigte zwischen 18 und 29 Jahren
       befragt wurden. Das Ergebnis: Linke und Grüne sind mit jeweils 19 Prozent
       Spitzenreiter. Wenn nun die SPD nicht nur bei 7 Prozent herumdümpeln würde,
       gäbe es fast eine Chance auf Rot-Grün-Rot – zumindest bei den Jungen.
       
       Falls die Umfrage Wirklichkeit wird, wäre die Veränderung im Wahlverhalten
       junger Menschen enorm: Bei der Europawahl 2024 kamen die drei Parteien
       links der Mitte bei den 16–24 Jährigen zusammen noch auf historisch
       schlechte 26 Prozent.
       
       Ist der Rechtstrend unter jungen Wähler:innen also gestoppt? So genau
       kann man das nicht sagen. Auf der einen Seite wollen laut der aktuellen
       Umfrage immer noch 17 Prozent der Befragten die AfD wählen. Auf der anderen
       Seite wird aber gerade eine linke Jugend mobilisiert. Das macht Mut!
       Irgendwo da draußen gibt es noch junge Gleichgesinnte, die etwas gegen den
       Rechtsruck haben.
       
       Für viele junge Menschen sind es konkrete Themen, die wahlentscheidend
       sind. Finde ich ein bezahlbares WG-Zimmer, wenn ich in eine neue Stadt
       ziehe? Reicht das Bafög? Diese Themen gehen im aktuellen Wahlkampf unter.
       Einzig die Linkspartei wird bei dem Thema Mieten sichtbar. Schön, dass
       wenigstens junge Wähler:innen rational für ihre Interessen abstimmen
       wollen, wenn es schon der Rest der Bevölkerung nicht tut.
       
       Bei der Linkspartei herrscht euphorische Stimmung. [2][Der neue
       Mitgliederrekord] geht vor allem auf das Konto von jungen Menschen, die in
       die Partei eintreten. Durchschnittlich 28 Jahre sind sie alt und
       überwiegend weiblich. Aufbruchstimmung geht eben immer noch am besten, wenn
       sie von jungen Kräften vorangetrieben wird.
       
       Insbesondere mit [3][einer Person wie Heidi Reichinnek] an der Spitze, die
       den richtigen Ton trifft, im Parlament und in den sozialen Medien. In
       jungen Ohren klingt ihr Wahlkampf um einiges erfrischender als Olaf Scholz’
       technokratische Sprache und ist überzeugender als die oberlehrerhafte
       Attitüde von Friedrich Merz.
       
       Aber Vorsicht: Wenn es nun heißt, die Jungen wollen links wählen, dann sind
       es wohl vor allem junge Frauen. Junge Männer tendieren nach rechts und das
       schon lange. In den Sozialwissenschaften spricht man deswegen auch von
       einem Gender Gap im Wahlverhalten. Der AfD-Populismus und das Schüren von
       Ängsten verfangen bei jungen Männern besonders gut. Zur ganzen Wahrheit
       gehört aber auch: Wir Jungen werden nicht wahlentscheidend sein. Das sind
       immer noch die Alten. Aber wir werden ja auch irgendwann mal alt.
       
       12 Feb 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.n-tv.de/politik/Neue-Forsa-Umfrage-Union-unter-30-Linke-bei-6-FDP-raus-article25554006.html
 (DIR) [2] /Parteienforscherin-ueber-Mitgliedszuwachs/!6068045
 (DIR) [3] /Linke-Politikerin-Heidi-Reichinnek/!6063355
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) David Honold
       
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