# taz.de -- Krise der Labour-Regierung: Keir Starmer im Tiefflug
       
       > Einst als Ablösung einer höchst unpopulären Tory-Regierung angetreten,
       > tritt Labour nun in deren Fußstapfen. Die Partei sollte sich an ihre
       > Werte erinnern.
       
 (IMG) Bild: Premierminister Keir Stamer (M) und seine angezählte Finanzministerin Rachel Reeves mit Blackrock-Vertretern Ende November 2024
       
       Vor kaum mehr als einem halben Jahr gewann die Labour-Partei in
       Großbritannien haushoch die Wahlen, und doch sieht die Labour-Regierung
       heute schon verbraucht aus. Die Umfragewerte sind kaum besser als die der
       konservativen Vorgänger. Premierminister Keir Starmer gelingt kein klarer
       Kurs. Finanzministerin Rachel Reeves steht vor dem Aus. Die Wirtschaft
       stagniert. Einen Höhenflug erlebt die rechtspopulistische Partei Reform UK
       des schier unverwüstlichen Nigel Farage, der sich bereits als
       Großbritanniens nächster Premierminister feiern lässt.
       
       Als Starmer mit seinem Wahlsieg im Juli 2024 eine 14 Jahre lange Ära
       konservativer Vorherrschaft beendete, waren die Hoffnungen groß. Die
       Konservativen hatten sich selbst ins Aus gekegelt, ihre vielen Fehler
       genügten zum Machtwechsel. Die Labour-Opposition musste nicht einmal mehr
       genauer erklären, was an ihr eigentlich besser wäre. Das rächt sich jetzt.
       
       ## Korruption, Patzer, Sparzwang
       
       Erst gab es die Skandale um Vorteilsnahme: Keir Starmer und viele seiner
       Minister hatten von Lobbyisten Geldgeschenke und Sachleistungen
       entgegengenommen, und als sie nach dem Wahlsieg damit konfrontiert wurden,
       legten sie kein Unrechtsbewusstsein an den Tag. Dann kam der verpatzte
       erste Staatshaushalt, der die Wirtschaft abwürgte und zugleich mit
       unsozialen Sparvorgaben die eigene Wählerbasis vergrätzte. Und nun tritt
       die für Korruptionsbekämpfung zuständige Staatsministerin zurück, weil sie
       als Nichte der gestürzten Premierministerin von Bangladesch mutmaßlich von
       deren gestohlenen Geldern profitiert hat.
       
       Das internationale Umfeld ist nicht hilfreich. Progressive Politik ist
       nirgends angesagt, überall triumphiert das identitäre Denken. Um dem zu
       begegnen, sollte sich Starmer darauf besinnen, wofür er gewählt wurde: für
       ehrliches und kompetentes Regieren sowie den Wiederaufbau kaputtgesparter
       sozialer Dienste. Wenn das nicht gelingt und Labour schneller zerfällt als
       die Konservativen sich erholen können, könnte die Vorstellung, dass der
       nächste Premierminister Nigel Farage heißt, tatsächlich Realität werden.
       
       16 Jan 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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