# taz.de -- Projekt für sicheres Radfahren: Sensoren für den richtigen Abstand
       
       > Mehr Sicherheit für den Radverkehr: Das Projekt BikeDetect der
       > Universität Oldenburg will Autofahrer sensibilisieren.
       
 (IMG) Bild: Gefährlich: Fahrradfahren in Osnabrück
       
       Osnabrück taz | [1][Radfahrer leben gefährlich]. Ein Parkender reißt vor
       dir plötzlich die Tür auf. Ein Sattelzug biegt rechts ab, während du neben
       ihm bist. Ein Paketzusteller quetscht sich auf Tuchfühlung an dir vorbei:
       Zehntausende Fahrradunfälle ereignen sich in Deutschland Jahr für Jahr;
       Hunderte Radfahrer lassen dabei ihr Leben.
       
       Sensoren, als Fahrassistenzsystem in Autos montiert, könnten da wirksam
       Abhilfe schaffen. Flankiert durch KI, könnten sie Radfahrer erkennen, den
       Abstand zu ihnen genau bestimmen. Das [2][Projekt BikeDetect des Zentrums
       für Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung] der Carl von Ossietzky
       Universität Oldenburg hat jetzt, gefördert durch das Bundesministerium für
       Digitales und Verkehr (BMDV), insgesamt 18 Monate lang Zeit, dieses Neuland
       zu beschreiten. 3D-Kameras werden dabei zum Einsatz kommen, außerdem
       Ultraschall und Thermalmessung, Radar und Lidar.
       
       BikeDetect umfasst einen mehrtägigen Pilotversuch. Das Testfeld ist
       Osnabrück, eine Stadt, die sich zwar einen Radverkehrsplan verordnet hat
       und auf eine Erhöhung des Radverkehrsanteils am Modal Split auf 30 Prozent
       zielt, deren Radwegenetz aber noch lückenhaft ist.
       
       Weiß gestrichene [3][Ghostbikes] zur Erinnerung an tödlich verunglückte
       RadfahrerInnen sind hier ein Alltagsanblick. Lange hat sich Osnabrück
       demonstrativ stolz darauf gegeben, besonders autofahrerfreundlich zu sein –
       ein Denken, das der Bund Osnabrücker Bürger bis heute fortführt, wenn er
       vor einer Innenstadt warnt, die autofrei ist oder wenn er sich gegen
       Parkraumreduktion stark macht.
       
       ## Osnabrück schneidet schlecht ab
       
       „Die Zahl der Radunfälle ist in Osnabrück recht hoch“, sagt
       Wirtschaftsinformatiker Jorge Marx Gómez der taz, Professor an der
       Universität Oldenburg. „Das ist eine Brücke zu dem, was wir vorhaben.
       Außerdem ist das dortige Radwegenetz stark uneinheitlich. Das macht die
       Simulation sehr vielfältig.“
       
       Mit an Bord ist Iotec, ein Entwickler für Sensorlösungen, ferner die Stadt
       Osnabrück, die sich vorstellen kann, das Assistenzsystem später im
       Realeinsatz zu erproben, vom Bus bis zum Stadtreinigungswagen. Der
       Kreisverband Osnabrück des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC)
       stellt sicher, dass die Perspektive der Radfahrer berücksichtigt wird.
       Gerade hat man den Fahrradklimatest 2024 abgeschlossen, Schwerpunktthema
       „Miteinander im Verkehr“. Osnabrück schneidet in diesen Tests meist
       schlecht ab. Letztes Mal, 2022, kam die Stadt auf die Note 4,3; in der
       Kategorie der Städte 100.000 bis 200.000 Einwohner ist das Platz 32 von 40.
       
       Johannes Schering, Doktorand bei Marx Gómez und Leiter von BikeDetect, ist
       selbst Mitglied beim ADFC. „Unser Projekt will die Autofahrer nicht
       erziehen“, sagt er. „Wir wollen auch niemandem etwas aufzwingen. Wir wollen
       helfen, Abstände besser einschätzen zu können, das Bewusstsein dafür
       verbessern, dass wir mehr Radfahrsicherheit brauchen.“ Bevor er seinen
       Sensor-Wagen im Herbst 2025 in den Osnabrücker Straßenverkehr schickt,
       stehen Indoor-Labortests an, Versuche auf Parkplätzen. Am Ende steht, wenn
       alles klappt, ein Prototyp.
       
       ## Smarte Helme
       
       Im Kern geht es um Datenerhebung und -aufbereitung. Daher ist auch
       Datenschutz ein Thema. „Natürlich können wir nicht jeden Radfahrer fragen,
       ob er aufgenommen werden will“, sagt Schering. „Deshalb kennzeichnen wir
       den Transporter, mit dem wir unterwegs sind, als Forschungsfahrzeug.“
       
       Scherings Sensor-Projekt ist für die Universität Oldenburg dabei kein
       „Start auf der grünen Wiese“, sagt Jorge Marx Gómez. ECOSense zeugt davon,
       ein Fahrradsensor von der Geschwindigkeit bis zur
       Oberflächenbeschaffenheit, INFRASense, als datenbasierte Streckenbewertung
       und SmartHelm, mit EyeTracking und Augmented Reality Display, etwa für
       Routeninformationen.
       
       30 Dec 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Autounfaelle/!6048401
 (DIR) [2] https://uol.de/aktuelles/artikel/mehr-sicherheit-fuer-radelnde-10129
 (DIR) [3] /Tod-des-Fahrradaktivisten-Natenom/!6057700
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Harff-Peter Schönherr
       
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