# taz.de -- BSW beknatscht sich in Hamburg: Aufruhr in der Kaderpartei
       
       > Fast harmonisch verläuft eine BSW-Veranstaltung am Donnerstag in Hamburg.
       > Doch es brodelt: Zwei Hamburger Mitglieder wollen gegen die Parteisatzung
       > klagen.
       
 (IMG) Bild: Wenn man lange genug wartet, schippert im Hamburger Hafen auch mal das BSW vorbei. Wer an Bord darf, entscheidet die Kapitänin
       
       Hamburg taz | Auf dem Raddampfer „MS Queen“ hätte man am Donnerstagabend an
       den Hamburger Landungsbrücken denken können, beim Bündnis Sahra Wagenknecht
       (BSW) geht derzeit alles harmonisch voran. Applaus der mehreren Hundert
       Zuschauer:innen auf dem Ober- und dem Unterdeck brandete nach den
       launigen Worten Wagenknechts immer wieder auf, die mit dem Parteikollegen
       [1][Fabio De Masi] über die Frage diskutierte, ob Deutschland und Europa,
       ja, abschifft.
       
       Und auch De Masi, der einst für die Hamburger Linken EU- und
       Bundestagsabgeordneter war, bekam bei seinem Heimspiel hörbare Zustimmung
       entgegengebracht beim Versuch, das BSW von der AfD abzugrenzen. „Wir setzen
       uns für Meinungsfreiheit ein, auch wenn mir die Meinung nicht passt“,
       erklärte er den Kontrast des BSW zur AfD.
       
       Doch ob das mit der [2][Meinungsfreiheit] auch parteiintern so stimmt?
       Norbert Weber wollte sich die Diskussion jedenfalls nicht ansehen, obwohl
       der Hamburger schon seit bald einem Jahr eines der gerade einmal knapp 30
       BSW-Mitglieder in Hamburg ist. „Was hier seit einigen Monaten abgeht, hat
       mit innerparteilicher Demokratie nichts zu tun“, sagte Weber am
       Donnerstagnachmittag der taz.
       
       Am Tag zuvor hatten Weber und weitere Hamburger BSWler:innen
       eigenmächtig und ohne Absprache mit dem Bundesvorstand einen lokalen
       BSW-Verband in den Hamburger Bezirken Mitte und Nord gegründet – obwohl es
       noch nicht mal einen übergeordneten Hamburger Landesverband gibt. „Aus
       Protest“, wie Weber betont. Mehr noch: Am Freitag wollen Weber und sein
       Parteikollege Dejan Lazić gegen die Satzung der Partei vor ein Zivilgericht
       ziehen. Über die Vorgänge berichtete zuerst T-online.
       
       ## Klage über demokratisches Defizit
       
       Ihrer Ansicht nach verstößt die BSW-Satzung gegen das Parteienrecht. Über
       die Aufnahme von neuen Mitgliedern „entscheidet grundsätzlich der
       Bundesvorstand“, hat das BSW beschlossen. Das sei ein demokratisches
       Defizit. „Ich fand diese Praxis von Anfang an gruselig“, sagt Weber, der
       früher in der Linken aktiv war.
       
       In anderen Parteien entscheiden die untergliederten regionalen Kreis- oder
       Landesverbände eigenständig über die Mitgliederaufnahmen. Über Monate
       hinweg hätten Weber und Lazic intern auf eine Änderung gedrängt, seien
       jedoch abgeblockt worden. Auch der Gang vor die parteiinternen
       Schiedsgerichte sei erfolglos geblieben.
       
       Am Rande der Wagenknecht-Veranstaltung wiegelt [3][Metin Kaya], nach seinem
       Wechsel von der Linken BSW-Abgeordneter in der Hamburger Bürgerschaft, den
       Streit herunter. Die Partei wolle sinnvollerweise behutsam wachsen und es
       seien ja nur wenige BSW-Mitglieder, die nun querschießen würden. Die
       Gründung des Landesverbands Ende kommender Woche gehe seinen geregelten
       Gang. Auch eine Sprecherin der Bundespartei widersprach am Donnerstagabend
       dem Vorwurf, die BSW-Satzung verstoße gegen geltendes Gesetz.
       
       Die Gründung des Hamburger Landesverbands jedenfalls kommt für das BSW auf
       den letzten Drücker: [4][Am 2. März wird in Hamburg die Bürgerschaft
       gewählt], das BSW muss bis Weihnachten einen Landesverband gegründet, eine
       Landeswahlliste erstellt und diese beim Wahlleiter eingereicht haben.
       
       Lange gab es in Hamburg [5][Spekulationen, ob das BSW hier überhaupt
       antreten wolle] – in den Umfragen kratzt die Partei an der 5-Prozent-Hürde
       -, aber der stellvertretende Bundesvorsitzende Amid Rabieh erklärte Mitte
       November, dass das BSW antreten wolle. Hamburg, Schleswig-Holstein und
       Mecklenburg-Vorpommern sind aktuell die letzten Bundesländer ohne einen
       BSW-Landesverband.
       
       ## Kritik an Migrationspolitik des BSW
       
       Ob die Gründung eines untergeordneten Bezirksverbands von Mittwoch Bestand
       hat, kann allerdings bezweifelt werden. „Landesverbände und nachgeordnete
       Gebietsverbände können mit Zustimmung des Parteivorstands gebildet werden“,
       heißt es in der Satzung des BSW.
       
       Für Weber ist das Formelle daran nicht allzu wichtig. Als „Notgemeinschaft“
       sieht Weber den kleinen Bezirksverband. „Denn so wie es jetzt abläuft, kann
       es nicht weitergehen.“ Dazu gehört aus Webers Sicht auch die zunehmend
       [6][migrationskritischere Ausrichtung des BSW.] „Da hat sich in den
       vergangenen Monaten einiges in eine falsche Richtung bewegt.“
       
       An der Gründungsveranstaltung kommende Woche will Weber dennoch teilnehmen,
       auch wenn er kaum an einen Wandel glaubt. „Wir sind ziemlich unglücklich.“
       Ob der Linken-Abspaltungspartei BSW also schon die erste Abspaltung
       bevorsteht?
       
       6 Dec 2024
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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