# taz.de -- Neue Liga-Federführung: Kämpferische Wohlfahrt
       
       > Trotz turnusmäßigem Wechsel wollen die Verbände ihren Widerstand gegen
       > die Sozialkürzungen fortsetzen. Die Sozialsenatorin gibt sich
       > verständnisvoll.
       
 (IMG) Bild: Neue Führung, alter Kampf: Oliver Bürgel (AWO, Mitte) übernimmt die Feder turnusmäßig von Andrea Asch (Diakonie)
       
       Berlin taz | Auch die kommenden beiden Jahre werden geprägt von Konflikten
       sein: Das machte Oliver Bürgel, der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt
       (AWO), am Montag bei der offiziellen Übernahme der Federführung [1][der
       Liga der freien Wohlfahrtsverbände] deutlich. „Es geht um Respekt für
       unsere Arbeit“, sagte Bürgel in Richtung der SPD-Sozialsenatorin Cansel
       Kiziltepe, die bei dem Termin anwesend war.
       
       Beispiele für schwelende Konfliktherde zwischen dem Senat und den
       Wohlfahrtsverbänden hatte Bürgel genügend: „Es ist ein Unding, dass wir im
       Dezember noch keine Zuwendungsbescheide für das nächste Jahr haben“,
       kritisierte der AWO-Geschäftsführer. Auch gelte es, die [2][lang
       versprochene Hauptstadtzulage] für die Beschäftigten der freien Träger
       endlich umzusetzen und weitere Kürzungen im kommenden Doppelhaushalt
       2026/27 zu verhindern.
       
       Sozialsenatorin Kiziltepe gab sich trotz der Kürzungen in zweistelliger
       Millionenhöhe, die allein in ihrem Ressort anstehen, versöhnlich. „Ich
       verstehe den Unmut und die Sorgen, die habe ich auch“, sagte Kiziltepe.
       Ihre Verwaltung hätte das Beste gegeben, um einen Kahlschlag im
       Sozialbereich zu vermeiden. Kiziltepe betonte, die Zusammenarbeit zwischen
       der Liga der freien Wohlfahrtsverbände und der Senatsverwaltung werde auch
       in Zukunft zentrale Bedeutung haben.
       
       Die Liga ist die Interessenvertretung der sechs großen Wohlfahrtsverbände
       AWO, Caritas, Parität, Diakonie, DRK und Jüdische Gemeinde. Als freie
       Träger betreiben sie im Auftrag des Landes Kitas und Jugendklubs, die
       Kältehilfe und viele weitere soziale Angebote. Alle zwei Jahre wechselt die
       Federführung an einen anderen Verband.
       
       ## Liga fordert Gleichberechtigung
       
       Seit der Coronakrise agiert [3][die Liga zunehmend politisch]. Besonders in
       den letzten beiden Jahren organisierte der Verband mehrere Demonstrationen
       gegen die Kürzungspolitik und eine Gleichstellung mit den
       Landesbeschäftigten.
       
       „Das goldene Kalb der Schuldenbremse darf niemals das Primat der Politik
       werden, gerade wenn die sozialen Bedarfe der Stadt steigen“, sagte Bürgels
       Vorgängerin, Diakonie-Vorständin Andrea Asch.
       
       Vor der aktuellen Kürzungsdebatte sah es fast so aus, als könnte die
       Sozialsenatorin die weiterhin bestehende Lohnlücke zwischen direkt beim
       Land Beschäftigten und den Angestellten Freier Träger schließen können.
       Nach langem Streit versprach der Senat, den 150-Euro-Bonus der
       Hauptstadtzulage auch den freien Trägern zu zahlen, [4][nur um die Zusage
       im Februar wieder zu kippen.]
       
       Vor zwei Wochen kündigte CDU-Finanzsenator Stefan Evers an, ab 2026 keine
       Gelder mehr für etwaige Tarifanpassungen an den öffentlichen Dienst
       einzuplanen. Damit droht sich der Abstand zu den Landesbeschäftigten in
       Zukunft noch weiter zu vergrößern. „Die gerechte und faire Bezahlung der
       Mitarbeitenden ist gefährdet“, sagte Asch der taz.
       
       16 Dec 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.ligaberlin.de/
 (DIR) [2] /Lohnluecke-im-Sozialbereich/!6011680
 (DIR) [3] /Kuerzungen-im-Jugend--und-Sozialbereich/!6050124
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 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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