# taz.de -- Weltklimakonferenz ohne Diplomatie: Jetzt aber mal ehrlich!
> Bei internationalen Klimaverhandlungen geht es knallhart zu. Es hört sich
> nur nicht so an. Unser Autor hat mal übersetzt, was wirklich gemeint ist.
(IMG) Bild: Die Welt retten! Was hast du denn geraucht?
Am besten passte eigentlich „It’s the End of the World as We know it“. Wenn
ich auf dem Weg zur [1][COP in Baku] manchmal zum Abschalten die Kopfhörer
in die Ohren stöpselte und meinen Kopf von meiner Playlist einmal
durchwirbeln ließ, war ich oft erstaunt – wie viele der Lieder mir wie
dieser alte REM-Song auf dem Weg zur Klimakonferenz etwas über die zähen
Verhandlungen und die trüben Aussichten für die Zukunft sagen wollten:
„Slipping through my Fingers“, „Wait and See“, „Knocking on Heaven’s Door“,
„Running on Empty“, „Parce qu’on sait jamais“ oder – es ging ja um das neue
Finanzziel – „Money For Nothing“.
Als ich am letzten Tag das Gelände betrat, machte sich alles bereit für den
abschließenden Showdown im Plenum der Konferenz. Und Billy Joel sang mir
ins Ohr: „Honesty“. Na, dachte ich, das würde ich ja wirklich gern
miterleben: Ein COP-Plenum voller Aufrichtigkeit: Wenn die VerhandlerInnen
auf der COP mal gnadenlos ehrlich wären – die höfliche Klimadiplomatie mal
für eine Stunde in die Ecke stellen und sagen würden, was sie meinen und
denken. Das klänge dann vielleicht so:
Marshallinseln: „Herr Präsident, wir sind entsetzt über Ihre Arbeit. Dieses
Dokument haben wir noch nie gesehen, wie sollen wir da zustimmen?“
COP-Präsident: „Marshallinseln, wer seid ihr denn? Noch ein paar Jahre und
ihr verschwindet sowieso.“
China (leise): „Hihihi“.
Saudi-Arabien: „Der Vorschlag, dass wir auch für Klimaschutz zahlen sollen,
ist eine Unverschämtheit. Wir brauchen jeden Dollar aus den Öleinnahmen für
[2][Cristiano Ronaldos Gehalt in unserer Fußballliga].“
Norwegen: „Dann kauft halt mal ein paar Luxus-SUVs weniger!“
Saudi-Arabien: „Von [3][Leuten, die Wale fressen], lassen wir uns gar
nichts sagen. Ihr seid ja sowieso schön blöd, eure [4][Milliarden aus Öl
und Gas an die Bevölkerung zu verteilen]. Wie demokratisch!“ (Lachen im
Saal, vor allem bei Russland, Kuba und Nordkorea).
EU: „Und keiner von euch Dödeln denkt wieder daran, seine Emissionen zu
senken! Das müssen alles wir machen, das ist sooo ungerecht“ (schnieft).
China (leise): „Hihihi.“
Präsidentschaft: „EU, ihr wisst ja nicht mal, wer ihr seid und was ihr
wollt. Von uns mehr Gas kaufen und dann den fossilen Ausstieg fordern?
Geht’s noch?“
EU: „Aber Russland …“
Uganda: „Wir unterstützen Russland, Saudi-Arabien und den Vatikan
jedenfalls darin, dass hier nirgendwo Gendersprache auftaucht. Und
[5][Frauen können eigentlich gut den Tee kochen]. Jedenfalls nicht wie
diese Deutsche hier nach Menschenrechten rumkrakeelen.“
Simon Stiell, UN-Klimasekretariat: „Leute, jetzt bleibt mal ganz cool hier.
Wir wollten eigentlich die Welt retten auf dieser Konferenz in Baku.“
(Heiterkeit bei allen Fraktionen).
USA (kann vor lachen, kaum sprechen): „Simon, du bist unbezahlbar! Die Welt
retten! Was hast du denn geraucht? Wir lassen das alles den Markt regeln.“
Bolivien: „Der Kapitalismus bringt uns alle um!“
USA: „Du warte mal, was der Kapitalismus und [6][unser neuer Präsident] aus
deinem Shithole-Country machen.“ (Geschrei, Tumult, die UN-Security muss
einschreiten, die Sitzung wird unterbrochen).
Ja, so wäre das: COP unfiltered und voller „Honesty“. Wir Beobachter hätten
unseren Spaß. Ob wir jemals irgendein Abkommen bekämen, ist die nächste
Frage. Die Wissenschaft sagt uns: Im Alltag lügen Menschen durchschnittlich
ein- bis zweimal am Tag. Wer an Klimaverhandlungen teilnimmt, sollte sich
mehr anstrengen. Oder Fleetwood Mac zuhören: „Tell me lies, tell me sweet
little lies“.
29 Nov 2024
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## AUTOREN
(DIR) Bernhard Pötter
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