# taz.de -- Spontaner Ukraine-Gipfel in Paris: Hinter verschlossener Tür im Geist von Notre-Dame
       
       > Frankreichs Präsident Macron hat für einen Gespräch mit Donald Trump und
       > Wolodymyr Selenskyj gesorgt. Ein diplomatischer Coup mit unklarem
       > Ergebnis.
       
 (IMG) Bild: Wichtiges Gespräch mit unklarem Inhalt: Trump, Macron und Selenskyj in Paris
       
       Paris taz | Das [1][Dreiertreffen] zwischen Frankreichs Präsidenten
       Emmanuel Macron, dem kommenden US-Präsidenten Doland Trump und dem
       ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dauerte nur eine knappe halbe
       Stunde, aber dass es überhaupt stattfinden konnte, ist bemerkenswert und
       lässt vor allem in der Ukraine eine gewisse Hoffnung aufkeimen.
       
       In der Sonntagszeitung La Tribune du Dimanche ist sogar von einem „kleinen
       Wunder“ dank der Notre-Dame de Paris die Rede. Denn Macron nutzte den
       Anlass der [2][feierlichen Wiedereröffnung der Pariser Kathedrale
       Notre-Dame] mit der Anwesenheit hochrangiger internationaler Gäste, um die
       beiden Staatsmänner in seinem Elysée-Präsidentenpalast zusammenzubringen.
       Für den innenpolitisch durch den Sturz seiner Regierung geschwächten Macron
       stellt dies einen diplomatischen Überraschungserfolg dar.
       
       Das Gipfeltreffen war nicht offiziell geplant, es wurde erst bestätigt, als
       sich die drei tatsächlich unterhalten hatten und dann auf der Treppe im Hof
       des Elysée-Palasts vor einigen Kameras die Hand schüttelten. Das war die
       symbolisch wichtige Geste, die sich der Gastgeber erhofft hatte.
       
       Es ist Macron gelungen, dank der Zusammenkunft in der Notre-Dame womöglich
       einen Dialog in Gang zu bringen, der nach den Erklärungen von Donald Trump
       während seiner Wahlkampagne alles andere als gesichert galt. Im Gegenteil
       muss die Ukraine befürchten, dass die zukünftige US-Regierung ihre
       [3][militärische Unterstützung bei der Verteidigung gegen die russische
       Invasion reduzieren oder einstellen] könnte. Dass dies nicht der Fall der
       sein wird, hat Trump freilich seinem Gesprächspartner Selenskyj in Paris
       nicht versprochen.
       
       ## Selenskyj gibt erstmals Zahlen über gefallene Soldaten
       
       Bisher hatte Trump die massive finanzielle und militärische Hilfe seines
       Vorgängers Joe Biden scharf kritisiert und geprahlt, er werde diesen
       Konflikt dank seiner Kontakte mit Wladimir Putin „in 24 Stunden“ beenden.
       Am Tag nach dem kurzen Pariser Treffen präzisierte Trump nicht, was genau
       beim Austausch gesagt wurde.
       
       Auf seiner Plattform Truth Social wünscht er aber „eine sofortige
       Feuerpause (in der Ukraine) und den Beginn von Verhandlungen“, um einen
       Krieg zu beenden, der sich „in etwas Größeres und weit Schlimmeres
       ausweiten könnte“. „Selenskyj und die Ukraine wollen zu einer Einigung
       kommen, um diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen“, glaubt Trump zu wissen.
       
       Selenskyj bestätigte, ebenfalls im Internet, die Ukraine wolle,„dass dieser
       Krieg endet, und dies so schnell wie möglich und auf eine gerechte Weise“.
       Zu seinen Vorstellungen präzisierte er: „Wenn wir von einem effektiven
       Frieden reden, dann vor allem von effektiven Friedensgarantien.“ Es gehe
       darum, eine Einigung zu finden, mit der sichergestellt werde, dass der
       Konflikt „nicht in ein paar Jahren“ erneut ausbrechen könne.
       
       Auf der Plattform Telegram schrieb Selenskyj, er habe Trump und Macron
       gesagt: „Wir brauchen einen gerechten und dauerhaften Frieden, den die
       Russen nicht in einigen Jahren vernichten, wie sie das in der Vergangenheit
       mehrfach getan haben.“
       
       Da Trump von 400.000 seiner Ansicht nach „unnötigen“, Opfern vor allem
       unter der Zivilbevölkerung in der Ukraine gesprochen hatte, informierte
       Selenskyj am Sonntag erstmals über militärische Opferzahlen. Seit Beginn
       des Kriegs vor bald drei Jahren seien auf ukrainischer Seite „43.000
       Soldaten auf dem Schlachtfeld gefallen“. Von den 370.000 Verletzten seien
       die Hälfte wieder an die Front zurückgekehrt. Von einem eventuell weiteren
       Gesprächstermin zwischen Trump und Selenskyj wurde nichts mitgeteilt.
       
       8 Dec 2024
       
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