# taz.de -- Kinder fragen, die taz antwortet: Warum stehen in der Zeitung nur schlechte Nachrichten?
       
       > Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche
       > beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Emma, 8 Jahre alt.
       
 (IMG) Bild: Die gute Nachricht: Wer viel ließt, weiß mehr
       
       Das ist eine gute Frage – darüber denken Leute, die in Zeitungen arbeiten,
       auch immer wieder nach. Und wie oft bei guten Fragen gibt es mehrere
       Antworten. Eine davon ist die Aufgabe von Zeitungen. Sie sind auch dazu da,
       die Menschen zu informieren, wenn etwas schiefläuft. Wenn einer mit viel
       Macht richtig krassen Blödsinn macht, sorgen Zeitungen im besten Fall
       dafür, dass davon nichts unter den Teppich gekehrt wird. Je krasser der
       Blödsinn, desto weniger gehört er unter den Teppich. Die Zeitung ist also
       ein bisschen so etwas wie ein Wachhund, der bellen soll, wenn jemand in
       Gefahr ist.
       
       Eine andere Antwort hat mit unserem Körper zu tun. Er reagiert stark auf
       die Gefühle, die schlechte Nachrichten auslösen. Stellen wir uns mal vor,
       du wärst ein Steinzeitmensch. Diese Steinzeit-Emma muss tierisch aufpassen,
       dass sie nicht gefressen wird, zum Beispiel von einem [1][Säbelzahntiger].
       Deshalb schenkt sie den potenziellen Gefahren in ihrer Umgebung besonders
       viel Aufmerksamkeit.
       
       Die Momente, in denen dein Papa am Esstisch sitzt und Zeitung liest, sind
       natürlich vollkommen ungefährlich. Unser Gehirn kann aber nicht so gut
       unterscheiden, ob man einfach schlechte Nachrichten liest oder sich ein
       echter Säbelzahntiger anschleicht. Beides wirkt unterbewusst wie eine
       unmittelbare Gefahr auf uns. Unser Körper merkt das und schüttet dann
       Stoffe aus, die ihn auf Flucht oder Kampf vorbereiten. Unsere
       Aufmerksamkeit steigt. Forscher haben herausgefunden, dass die Menschen
       sich deshalb schlechte Nachrichten besser merken können als gute. Außerdem
       interessieren sie sich mehr dafür. Sie könnten ja überlebenswichtig sein.
       Das verkauft sich gut.
       
       Der Fokus auf sie kann aber auch gefährlich werden. Wenn man nämlich gute
       Nachrichten vernachlässigt und die schlechten zu sehr betont, dann machen
       sich die Leser ein falsches Bild. Sie denken, die Welt wäre schlechter, als
       sie wirklich ist. Dabei sollen Zeitungen ja versuchen, die Welt genau so zu
       beschreiben, wie sie ist, und dabei ausgewogen sein. Deine Frage ist
       deshalb toll, weil sie uns bei der taz spiegelt, wie die Zeitung
       wahrgenommen wird.
       
       Denn auch Zeitungen machen ihren Job nicht immer perfekt. Vielleicht müssen
       auch wir mutiger werden und einfach mehr gute Nachrichten einstreuen. Wir
       versuchen zumindest ein bisschen entgegenzusteuern, indem wir in der
       wochentaz immer „die gute nachricht“ mit aufnehmen. Schau mal, wo du sie in
       dieser Ausgabe findest!
       
       1 Dec 2024
       
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