# taz.de -- Aufruhr nach Wahlen in Mosambik: Oppositionspolitiker in ihrem Auto erschossen
       
       > In Mosambik wirft die Opposition der Regierung Wahlmanipulation vor. Nach
       > der Ermordung zweier ihrer Politiker brechen Unruhen in der Hauptstadt
       > aus.
       
 (IMG) Bild: Anhänger des unabhängigen Kandidaten Venâncio Mondlane bei einer Wahlkampfveranstaltung vor den Wahlen in Mosambik
       
       Maputo taz | Die Ermordung zweier prominenter Oppositionspolitiker stürzt
       Mosambik nach den [1][Wahlen vom 9. Oktober] in die Krise. Am Montag ging
       die Polizei in der Hauptstadt mit Tränengas gegen Demonstranten vor,
       nachdem die Opposition zu einem Generalstreik und Protesten aufgerufen
       hatte und diese verboten wurden.
       
       Elvino Dias und Paulo Guambe wurden in der Nacht zum Samstag in ihrem Auto
       in Maputo erschossen. Andere Fahrzeuge blockierten ihren Weg, zwei
       Bewaffnete eröffneten das Feuer.
       
       Die beiden Politiker gehören zur neuen Oppositionspartei [2][Podemos
       (Optimistische Partei für Mosambiks Entwicklung, oder auch: Wir können)],
       die nach ersten inoffiziellen Wahlergebnissen einen Überraschungserfolg bei
       den Wahlen am 9. Oktober erzielt hat: Sie könnte die bisherige
       Hauptoppositionskraft [3][Renamo (Mosambikanischer Nationaler Widerstand)]
       als größte Oppositionspartei abgelöst haben.
       
       Denn Podemos unterstützt den Präsidentschaftskandidaten Venancio Mondlane,
       der nach den vorläufigen Zahlen den zweiten Platz errungen hat.
       
       ## Oppositionsvorwürfe des Wahlbetrugs
       
       Mondlane wirft der ehemaligen Befreiungsbewegung [4][Frelimo
       (Mosambikanische Befreiungsfront)], die Mosambik seit der Unabhängigkeit
       von Portugal 1975 regiert, Wahlbetrug zugunsten ihres eigenen
       Präsidentschaftskandidaten Daniel Chapo vor. Auch Renamo, das wohl auf den
       dritten Platz abgerutscht ist, spricht von Wahlbetrug.
       
       Guambe ist ein Parteivertreter von Podemos, Dias der Rechtsanwalt der
       Partei. Er war nach Parteiangeben im Begriff, einen Einspruch gegen
       mutmaßlichen Wahlbetrug vorzubereiten. Dieser sollte dem Verfassungsgericht
       zugehen, sobald die mosambikanische Wahlkommission am Mittwoch die
       vorläufigen Wahlergebnisse verkündet.
       
       Der Doppelmord hat Mosambik unter Schock gesetzt und Angst vor einer
       schweren Krise genährt. Mondlane macht die Sicherheitskräfte des Landes
       dafür verantwortlich. Schon zuvor hatte er für Montag zum Generalstreik
       aufgerufen.
       
       ## Polizei und Regierung weisen Verantwortung zurück
       
       Lionel Muchina, Sprecher der Polizei von Maputo, sagte vor Journalisten,
       die beiden Toten seien einem „Ehestreit“ zum Opfer gefallen. Die Polizei
       rief alle Bürger dazu auf, sich am Generalstreik nicht zu beteiligen und
       sich von Protesten fernzuhalten.
       
       Die Regierungspartei hat den Doppelmord verurteilt. „Frelimo weist diesen
       makabren Akt vehement zurück und fordert alle Autoritäten dazu auf, alles
       in ihrer Macht stehende zu tun, um diesen Fall aufzuklären“, erklärte sie.
       
       Der politische Analyst Aliraza Bandali nennt den Doppelmord „eine tragische
       und alarmierende Entwicklung, die Mosambik weiter zu destabilisieren
       droht“. Nun komme es darauf an, dass die Wahlergebnisverkündung transparent
       und friedlich verläuft.
       
       Zwischen 1977 und 1992 starben in Mosambik eine Million Menschen im
       Bürgerkrieg zwischen Frelimo und Renamo, der auf den
       [5][Unabhängigkeitskrieg der Frelimo gegen Portugal] folgte. Die Befriedung
       des Landes seitdem wird seit einigen Jahren durch [6][islamistische
       Rebellen] im Norden des Landes gestört.
       
       21 Oct 2024
       
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