# taz.de -- Neuer Präsident in Indonesien: Prabowo als Präsident vereidigt
       
       > Beim Festakt in der neuen indonesischen Hauptstadt Nusantara übernimmt
       > Prabowo Subianto das Präsidentenamt. Wegen seiner Rolle während der
       > Diktatur ist er umstritten.
       
 (IMG) Bild: Indonesiens neuer Präsident Prabowo Subianto und sein Vorgänger Joko Widodo
       
       Berlin taz | Mit einer pompösen Feier in Indonesiens neuer Hauptstadt
       Nusantara wurden am Sonntag Prabowo Subianto als neuer Präsident und Gibran
       Rakabuming Raka als sein Vize vereidigt. Die sich [1][immer noch im Bau
       befindliche Kapitale] wurde von Prabowos Vorgänger Joko Widodo in Auftrag
       gegeben, der gleichzeitig Vater des neuen Vizepräsidenten ist.
       
       Im tausende Kilometer von der bisherigen Hauptstadt Jakarta entfernten
       Nusantara auf Borneo lebt fast noch kein Mensch. Möglicherweise gab es
       deshalb auch keine Protestaktionen gegen den 73-jährigen Prabowo mit seiner
       schillernden Biographie.
       
       Prabowo war General und Kommandeur der Spezialkräfte unter Diktator
       Suharto, seinem damaligen Schwiegervater, in den letzten Jahren der bis
       1998 anhaltenden Diktatur. Damals war er verantwortlich für die brutale
       Unterdrückung von Protesten gegen das Regime.
       
       ## Prabowo bereits Verteidigungsminister unter Widodo
       
       Eine nicht minder brutale Rolle spielte er auch bei der Niederschlagung der
       Aufstände gegen die Dominanz Indonesiens in West-Papua und Osttimor, was
       letztlich zu seiner unehrenhaften Entlassung aus der Armee und einem
       Einreiseverbot in die USA führte.
       
       [2][Im Februar 2024 erreichte Prabowo im dritten Anlauf sein Lebensziel],
       Präsident Indonesiens zu werden. Zweimal musste er sich zuvor gegenüber dem
       jetzt Ex-Präsidenten Widodo geschlagen geben, der ihn aber nach seiner Wahl
       für eine zweite und laut Verfassung letzte Amtszeit im Jahr 2019 als
       Verteidigungsminister in sein Kabinett berief.
       
       Offen ist, was von einem Präsidenten Prabowo zu erwarten ist. Mal gibt er
       den feurigen Nationalisten, mal den Sozialisten, dann wiederum den
       Verteidiger der Demokratie oder auch – wie bei seiner vergeblichen
       Präsidentschaftskandidatur 2019 – den Islamisten. „Es ist schwer zu sagen,
       wofür Prabowo steht. Er ist auch ein Pragmatiker“, sagt indonesische
       Menschenrechtler Andreas Harsono der taz.
       
       ## Entäuschender Hoffnungsträger
       
       Um die Demokratie ist es in Indonesien am Ende der Regierung Widodo nicht
       so gut bestellt. „Demokratische Errungenschaften seit dem Sturz Suhartos
       wie eine relativ gute Meinungs- und Pressefreiheit, eine starke
       Anti-Korruptionsbehörde, unabhängige Gerichte, freie Wahlen,
       Dezentralisierung der Macht und Reduzierung des politischen Einflusses von
       Militär und Polizei wurden in der zweiten Amtszeit von Präsident Widodo
       zwar nicht vollständig abgeschafft, sind jedoch dahingehend modifiziert
       worden, dass sie der Politik des Präsidenten nicht mehr im Wege stehen“,
       sagt Patrick Ziegenhain, Dozent für Internationale Beziehungen an der
       „President University“ in Jakarta.
       
       Dabei sei Widodo bei seiner ersten Wahl noch als „Hoffnungsträger der
       Demokratie“ gefeiert worden. „Aus heutiger Sicht [3][erwies er sich leider
       als das Gegenteil“,] sagt Ziegenhain. Ende 2023 drückte Widodo seinen Sohn
       Gibran mit Hilfe seines Schwagers, dem damaligen Vorsitzenden des
       Verfassungsgerichts, als Kandidat für die Vizepräsidentschaft durch –
       obwohl der damals 36-jährige nicht das von der Verfassung vorgeschriebene
       Mindestalter für diesen Posten von 40 Jahren erreicht hat.
       
       ## „Die Zivilgesellschaft bleibt wachsam“
       
       Indonesienkenner sind sich einig, dass der Prabowo seinen erdrutschartigen
       Wahlsieg zu einem guten Teil der Unterstützung Widodos als auch dem
       charmanten und überaus gutaussehenden jugendlich-frischen Vize Gibran zu
       verdanken hat.
       
       Die Regierungsmannschaft Prabowos ist zunächst ein Zeichen von Kontinuität,
       er wird sie voraussichtlich zu einem guten Teil von seinem Vorgänger Widodo
       übernehmen. Ein ansehnlicher Teil der Ministerschar entstammt zudem der
       größten islamischen Massenorganisation Indonesiens „Nahdlatul Ulama“ (NU).
       Die Vertreterin eines moderaten Islam war während der Regierungszeit von
       Widodo maßgeblich an der Zurückdrängung des einflussreichen radikalen Islam
       beteiligt.
       
       Die parlamentarische Opposition braucht Prabowo dank seiner sehr großen
       Koalition mit 80 Prozent der Sitze nicht zu fürchten. Aber Indonesien hat
       eine lebhafte Zivilgesellschaft, wie im Sommer die Massendemonstrationen
       gegen einen weiteren Versuch der Manipulation des Wahlrechts durch Widodo
       zeigten. Zudem stehen in gut sechs Wochen Regional- und Kommunalwahlen an.
       Dinda Yura, eine feministische Aktivistin des PurpleCode Collective und
       Teil der Demokratiebewegung, hat eine Botschaft für den neuen Präsidenten:
       „Die Zivilgesellschaft bleibt wachsam.“
       
       20 Oct 2024
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Lenz
       
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