# taz.de -- Physik-Nobelpreis: Pioniere der KI gewinnen Nobelpreis
       
       > Für „Maschinen, die lernen“ erhalten der Physiker John Hopfield und der
       > Informatiker Goeffrey Hinton den Physik-Nobelpreis.
       
 (IMG) Bild: John J. Hopfield (l) und Geoffrey E. Hinton erhalten den Nobelpreis für Physik 2024
       
       Eine Zukunft ohne künstliche Intelligenz scheint heute kaum noch
       vorstellbar. Das gilt für den Alltag, aber auch für die Wissenschaft. So
       erhielten am Dienstag den Nobelpreis für Physik der Physiker John Hopfield
       von der Princeton University in den USA und der Informatiker Goeffrey
       Hinton, der bis heute noch emeritierter Professor der kanadischen
       Universität von Toronto ist. Die beiden haben in den 1980ern Grundsteine
       für künstliche neuronale Netzwerke gelegt. Diese sind die Basis für das,
       was wir heute als [1][künstliche Intelligenz (KI)] kennen.
       
       Dafür haben die Geehrten grundlegende Konzepte der statistischen Physik
       genutzt. Diese Netzwerke hätten die Physik in verschiedenen Feldern etwa
       der Teilchen- oder Astrophysik entscheidend vorangebracht, begründet Ellen
       Moons, Vorsitzende des Nobelkomitees für Physik, die Vergabe.
       
       Vor allem Goeffrey Hinton gilt als der Vater von KI. Als Hinton in den
       1980ern an neuronalen Netzwerken arbeitete, war seine Forschung nicht in
       Mode. Sein wissenschaftlicher Ansatz wurde kritisch betrachtet, andere
       Modelle erschienen damals als bessere Wege hin zu künstlicher Intelligenz.
       
       Doch Hinton sollte in seinem Ansatz, die Biologie als Inspiration zu
       nehmen, recht behalten. Die Idee hinter neuronalen Netzen ist denkbar
       einfach. Menschen sind gut darin, Muster zu erkennen. Das wollte man sich
       zu eigen machen und hat sich von biologischen Gehirnen inspirieren lassen.
       
       ## Sinneswandel bei Hinton
       
       Den ersten Schritt ging dafür der Physiker John Hopfield, der 1982 das nach
       ihm benannten Netzwerk vorstellte. Dieses funktioniert wie eine Art
       Gedächtnis und beruht in seiner Entwicklung zudem stark auf physikalischen
       Grundlagen. Die Bolzmann-Maschine, die Goeffrey Hinton kurze Zeit später
       präsentierte, gilt als statistische Weiterentwicklung des
       Hopfield-Netzwerks.
       
       Dabei steht Hinton dem, was er geschaffen hat, auch kritisch gegenüber.
       Deshalb verließ er im vergangenen Jahr seinen Job bei [2][Google]. Es
       schien, als hätte er einen Sinneswandel hinter sich und warne nun vor den
       möglichen Folgen von KI. Vor allem sorgt er sich vor Missbrauch, wie er
       2023 im [3][Magazin Technology Review]sagte.
       
       Am Morgen der Bekanntgabe sagt er, KI sei vergleichbar sein mit der
       Industriellen Revolution. Aber statt der körperlichen Kraft würde sie den
       Menschen intellektuell überfordern. „Wir haben keine Erfahrung damit, wie
       es ist, wenn etwas intelligenter ist als wir.“
       
       Zwar würde sie viele Vorteile bringen, etwa in der Gesundheitsversorgung
       und sie könnte vieles effizienter machen. „Aber wir müssen auch über eine
       Reihe möglicher negativer Folgen nachdenken. Zum Beispiel das Risiko, dass
       diese Dinge außer Kontrolle geraten könnten.“
       
       ## Kombination von Informatik und Physik
       
       Den Informatiker Hinton hat der Anruf zum Nobelpreis unerwartet erwischt,
       erzählt er am Telefon auf der Pressekonferenz. „Das kam aus heiterem
       Himmel. Ich meine, ich bin in einem billigen Hotel in Kalifornien, das
       weder eine gute Internet- noch Telefonverbindung hat“, sagt er auf der
       Pressekonferenz. Dass jemand, der die Grundlagen der Informatik nutzt,
       ausgerechnet den Physiknobelpreis gewinnt, scheint überraschend.
       
       Holger Hoos, Alexander-von-Humboldt-Professor für KI an der RWTH Aachen,
       sieht in dem diesjährigen Preis eine größere Entwicklung. Er habe Physik
       und Informatik zusammengebracht, wie Physik und Mathematik schon lange Hand
       in Hand gehen. Der Preis sei „die Evidenz, wie Informatik und KI
       Wissenschaft revolutioniert haben. Und ich glaube, das ist erst der Anfang.
       In 15, 20 Jahren wird es fast keinen naturwissenschaftlichen Nobelpreis
       geben, wo KI nicht irgendwie Teil davon war.“
       
       8 Oct 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kuenstliche-Intelligenz-als-Suchmaschine/!6020570
 (DIR) [2] /US-Kartellurteil-gegen-Google/!6025391
 (DIR) [3] https://www.technologyreview.com/2023/05/02/1072528/geoffrey-hinton-google-why-scared-ai/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Adefunmi Olanigan
       
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