# taz.de -- Illegale Jagd: Zugvögel in Gefahr
       
       > Jedes Jahr sterben Millionen von Zugvögeln auf ihrem Weg Richtung Süden.
       > Die Gründe sind vielfältig und Lösungen gibt es kaum.
       
 (IMG) Bild: Eine geschossene Turteltaube
       
       Berlin taz | [1][Die Zugvögel-Saison beginnt] – und damit eine gefährliche
       Zeit für die gefederten Tiere. Jedes Jahr sterben laut den
       Umweltschützer:innen des NABU im Mittelmeerraum [2][25 Millionen Vögel
       auf ihrer Reise Richtung Süden]. Sie werden von Jäger:innen vor allem in
       Malta, Zypern, Italien und Ägypten illegal gejagt und getötet. Alleine in
       Italien sterben laut NABU jedes Jahr zwischen zwei und sechs Millionen
       Vögel.
       
       Für vom Aussterben bedrohte Arten kann die Jagd existenziell gefährlich
       sein. Die global bedrohte Zwergtrappe zum Beispiel verliert [3][laut NABU]
       jedes Jahr fast zehn Prozent ihrer Population durch illegale Jagd in Nord-
       und Zentraleuropa und im Kaukasus. Aber auch Störche seien laut NABU
       besonders gefährdet wegen ihrer großen Attraktivität für Sammler.
       
       Der nordeuropäische Raum ist ebenfalls betroffen – jedoch deutlich weniger
       stark als der Mittelmeerraum. Hier werden laut NABU Vögel vor allem zum
       Sport oder als Delikatessen gejagt. In Deutschland liegt laut NABU die Zahl
       der illegal getöteten Vögel zwischen 100.000 und 300.000.
       
       Die Gründe für die Jagd sind vielfältig. Einerseits sei es für die
       Jäger:innen ein Sport die oft schnellen und kleinen Vögel abzuschießen.
       Andere täten es, um die Vögel ausgestopft zu sammeln. Das sei gerade auf
       Malta ein Problem. „Manche Sammler:innen wollen möglichst alle
       Farbschattierungen einer Vogelart zu Hause haben“, sagt Alice Tribe,
       Vogelschützerin bei BirdLife Malta.
       
       ## Großer Markt für abgeschossene Vögel
       
       Es gebe auf Malta zwar Beschränkungen für die Jagd. Doch die Jäger:innen
       würde diese regelmäßig umgehen. Sie würden Vögel erschießen – diese
       Tötungen allerdings nicht melden. Dadurch würden die Abschussobergrenzen
       langsamer erreicht werden und die Jäger:innen könnten deutlich mehr
       Vögel als erlaubt abschießen.
       
       In Ägypten ist die Lage laut NABU eine andere. Dort seien die Vögel für die
       Bevölkerung als Nahrungsmittel wichtig. Jährlich werden laut NABU rund 5,7
       Millionen Vögel abgeschossen und es gebe kaum Regulierungen.
       
       Auf Zypern spiele laut Vera Brust, Zugvogelexpertin beim NABU, das
       organisierte Verbrechen eine große Rolle in der illegalen Vogeljagd. Der
       NABU schätzt den Markt für den Handel mit seltenen oder geschützten
       Vogelarten auf 15 bis 20 Millionen Euro. „Die Jäger:innen jagen auf
       eigens eingezäunten Gebiete“, sagt Tribe. Dadurch sei es schwierig, die
       Jagd zu begrenzen.
       
       6 Sep 2024
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anton Dieckhoff
       
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