# taz.de -- RBB macht wieder Sachen: Wiederaufnahme eines Klassikers
       
       > Bei anderen öffentlich-rechtlichen Anstalten wäre etwas wie die jüngste
       > RBB-Posse bloß Theaterdonner. Aber die im Lichte sieht man halt besonders
       > gut.
       
 (IMG) Bild: Patricia Schlesinger bei der Tatort-Premiere „Das Mädchen, das alleine nach Haus geht“ in Berlin (Archivbild 2022)
       
       Von den fröhlichen heiteren Bühnen des Sommertheaters geht es direkt auf
       die Bretter einer komischen Medienoper. In Berlin dreht sich derzeit alles
       um die spektakulär inszenierte Wiederaufnahme des Hauptstadtklassikers
       [1][„Der RBB-Skandal“.]
       
       Der dramaturgische Bogen wird wie schon in der erfolgreichen
       [2][Vorläuferinszenierung „Schlesinger] und der böse Wolf“ vom
       Verwaltungsrat des Senders gespannt. Dessen Vorsitzender kommt aus dem
       Urlaub und tritt Knall auf Fall zurück. Denn der Rat hat in seiner
       Abwesenheit und ohne ihm Bescheid zu sagen per Video getagt. Benjamin
       Ehlers spielt die Rolle des düpierten Gremienchefs überzeugend und mit
       großer Integrität.
       
       Schon im ersten Sitzungsakt geht es um ein heißes Eisen. Vorwürfe stehen im
       Raum, dass eine Verwaltungsrät*in einen potenziellen Interessenkonflikt
       habe. Sie ist mit einem freien RBB-Mitarbeiter verheiratet. „Hihi, dann ist
       er ja gar nicht so frei“, sagt die Mitbewohnerin. Und sie soll – Skandal! –
       auch dicke mit der neuen Programmdirektorin sein. Der Verwaltungsrat hat
       aber die RBB-Leitung ohne Ansehen von Personen und Programm zu
       kontrollieren und vor allem in Finanzsachen auf die Finger zu schauen.
       
       Gut, bei anderen Anstalten wäre so etwas zu Recht bloß Theaterdonner. Doch
       seit der Fastabsetzung des RBB unter seiner ehemaligen Oberdiva Patricia
       [3][Schlesinger und ihrem Verwaltungsratsgevatter Wolf], steht das gesamte
       Ratsensemble vor und hinter dem Vorhang besonders im Rampenlicht.
       
       ## Auf die Goldwaage gelegt
       
       Dass in dessen heil’gen Hallen jetzt alles pingeligst auf die Goldwaage
       gelegt wird, ist nachvollziehbar. Denn gerade der alte Verwaltungsrat hatte
       neben Schlesinger als Intrigantin in der vorherigen Saison die zweite
       Hauptrolle inne. Vom Oberschurken bis zur Knallcharge waren hier alle
       Rollen mustergültig besetzt. Dass der neue Verwaltungsrat, genauer gesagt
       das gemeinte Mitglied und die stellvertretende Vorsitzende, ähnlich
       agieren, ist eine Tragödie.
       
       Doch halt, die Stellvertreterin (Dagmar Tille in einer ihrer ersten großen
       Rollen) sagt, es sei ganz anders gewesen und der tragische Held Ehlers
       hätte sehr wohl dabei sein können. Und das gemeinte Mitglied (mit noblem
       Trotz: Juliane Schütt) deklamiert in mehreren großen Arien ihre Integrität.
       
       Doch es hilft nichts. So desavouiert sich im Verlauf des Stücks der gesamte
       Verwaltungsrat ein zweites Mal. „Nach der Diskussion, ob es richtig ist,
       dass sie oder er zurücktritt, treten beim großen Finale alle vor den
       Vorhang, verbeugen sich und treten am besten gemeinsam zurück“, sagt die
       Mitbewohnerin.
       
       Ein Abgang einer Charaktercharge wie Ehlers kann es nicht retten. Die
       Katharsis bleibt aus. Und dass plötzlich im bislang letzten Akt Wolfgang
       Krüger als neuer Ratsvorsitzender und Heldenvater aus der Handwerkskammer
       tritt, macht es erst recht zur Posse der Saison.
       
       5 Sep 2024
       
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 (DIR) [2] /Vorwuerfe-gegen-RBB-Intendantin/!5867820
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 (DIR) Steffen Grimberg
       
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