# taz.de -- Gerangel am AfD-Infostand: Antifa bekennt sich zu Störaktion
       
       > Bei einer Protestaktion sollen zwei AfD-Abgeordnete vor dem Landtag
       > leicht verletzt worden sein. Die Polizei sucht nach den Verdächtigen.
       
 (IMG) Bild: Zwei AfD-Abgeordnete wurden an einem AfD-Infostand vor dem Landtag leicht verletzt
       
       Stuttgart taz | Eine Stuttgarter Antifagruppe hat sich zu der Protestaktion
       gegen einen Infostand der AfD vor dem Landtag bekannt, bei dem zwei
       AfD-Abgeordnete leicht verletzt worden sein sollen. Allerdings widerspricht
       sie der Darstellung, dass sie die Rechten gewalttätig angegriffen habe.
       „Mit Schlagworten wie ‚Angriff‘ oder ‚Attacke‘ wird ein völlig falsches
       Bild der Abläufe gezeichnet“, heißt es [1][in einer Erklärung] des
       Antifaschistischen Aktionsbündnisses Stuttgart und Region (AABS).
       
       Zu dem Zwischenfall war es am Mittwoch gekommen. Anlässlich der
       [2][Festveranstaltung „75 Jahre Grundgesetz“] im baden-württembergischen
       Landtag hatten am Stuttgarter Opernvorplatz unter anderem die
       Landtagsfraktionen Informationsstände aufgebaut. Das führte am Nachmittag
       zu einer Protestaktion gegen den AfD-Stand, vor dem ein Transparent mit der
       Aufschrift „Keine Ruhe für rechte Hetzer, AfD & Unterstützer“ ausgerollt
       wurde. Per Megafon wurden Parolen gegen die AfD gerufen. So weit decken
       sich die Darstellungen von Polizei, AfD und Antifa.
       
       Was dann geschah, ist jedoch umstritten. Laut Polizei hätten die
       Protestierer:innen versucht, den AfD-Infostand zu blockieren. „In
       diesem Zusammenhang wurden Angehörige der Landtagsfraktion verbal und in
       der Folge körperlich angegangen“, [3][heißt es in einer Mitteilung]. „Zwei
       der Geschädigten sind Mitglieder des Landtages von Baden-Württemberg.“ Sie
       seien leicht verletzt worden. Eine ärztliche Versorgung sei aber nicht
       notwendig gewesen. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen aufgenommen.
       
       Miguel Klauß, einer der beiden erwähnten AfD-Landtagsabgeordneten, sprach
       von einem „Faustschlag gegen den Hinterkopf“, den er abbekommen habe.
       „Sogar am Tag des Grundgesetzes machen Linksextremisten keine Pause mit
       ihrer Gewalt gegen unsere Bürgerpartei AfD“, twitterte Klauß. Sein Kollege
       Hans-Jürgen Goßner schrieb auf Facebook, eine junge Frau habe ihm „einen
       Schlag ins Genick“ versetzt. Er habe „noch an Ort und Stelle Anzeige wegen
       Körperverletzung gestellt“.
       
       ## Stuttgarter Antifa widerspricht
       
       Das AABS wirft den AfD-Abgeordneten demgegenüber vor, die Abläufe zu
       verdrehen und sich gezielt als Opfer zu inszenieren. Tatsächlich seien die
       antifaschistischen Aktivist:innen, die sich vor dem Stand versammelt
       hatten, „sowohl von Security-Mitarbeitenden als auch von
       AfD-Landtagsabgeordneten körperlich bedrängt“ worden, schreibt das
       Aktionsbündnis. Demnach wäre die Gewalt also zunächst von der AfD
       ausgegangen. Auf den Vorwurf, dass bei dem Handgemenge Aktivist:innen
       die zwei AfD-Abgeordneten geschlagen hätten, wird in der Erklärung nicht
       weiter eingegangen.
       
       Stattdessen übt die Antifagruppe scharfe Kritik an der grünen
       Landtagspräsidentin Muhterem Aras. Aras hatte am Donnerstag mitgeteilt, sie
       „bedaure es sehr, dass es am Stand der AfD-Fraktion zu Störungen kam“. Der
       offene Austausch und das Aushalten von unterschiedlichen Meinungen gehörten
       in der Demokratie dazu. Damit würde Aras Nazis als „Teil des demokratischen
       Diskurses“ erscheinen lassen, kritisiert das AABS und erinnert daran, dass
       die Grüne noch unlängst ein Verbot der AfD gefordert habe.
       
       Es sei richtig, der AfD den öffentlichen Raum streitig zu machen und
       „rechter Hetze immer und überall zu widersprechen“, schreibt das AABS
       weiter. Demgegenüber sei es „ein Armutszeugnis der übrigen
       Landtagsparteien, dass der AfD-Stand bis zur kreativen Störaktion
       unkommentiert Teil des Festes sein konnte“. So würden Nazis salonfähig
       gemacht.
       
       Unmittelbar nach dem Handgemenge wurden zwei mutmaßlich beteiligte Frauen
       im Alter von 19 und 23 von der Polizei kurzfristig festgehalten. Weitere
       Verdächtige werden noch gesucht. Die Polizei wertet weiterhin
       Videoaufnahmen aus und hat Zeug:innen aufgefordert, sich bei ihr zu
       melden.
       
       10 May 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://aabstgt.wordpress.com/2024/05/09/statement-zur-stoerung-eines-afd-infostandes-am-8-mai-2024/
 (DIR) [2] https://www.landtag-bw.de/home/aktuelles/pressemitteilungen/2024/mai/55-2024.html
 (DIR) [3] https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/110977/5775565
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Beucker
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Schwerpunkt Antifa
 (DIR) Baden-Württemberg
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) rechte Parteien
 (DIR) Gewalt
 (DIR) Übergriffe
 (DIR) Wahlen in Ostdeutschland 2024
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Gewalt gegen Politiker: Alle Engagierten schützen
       
       Warum sollte der Angriff auf Mandatsträger:innen härter bestraft
       werden als der auf einfache Parteimitglieder und andere ehrenamtlich
       Engagierte?
       
 (DIR) Angriffe auf Politiker:innen: Bespuckt, beleidigt und angerempelt
       
       Nach Angriffen auf Politiker:innen fordern FDP und Grüne mehr
       Polizeischutz im Wahlkampf. Derweil wurden weitere Details zum Fall Ecke
       bekannt.
       
 (DIR) Angriffe gegen politisch Engagierte: Gewaltwelle löst Debatte aus
       
       Immer mehr Fälle: Die Innenministerkonferenz plädiert dafür, Angriffe auf
       politisch Aktive härter zu ahnden. In der Ampelkoalition gibt es daran
       Kritik.