# taz.de -- Planverfahren für Vertiefung beginnt: Keine Auferstehung für die Ems
       
       > Die Pläne für die Vertiefung der Außenems sind von heute an öffentlich
       > einsehbar. Damit droht sich der Zustand des Stroms erst mal zu
       > verschlechtern.
       
 (IMG) Bild: Für dieses Schiff reicht der Tiefgang: Binnenfrachter auf der Ems
       
       Hamburg taz | Die ohnehin schon stark beschädigte Ems soll für den
       Schiffsverkehr weiter ausgebaut werden. Am heutigen Dienstag will die
       Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt des Bundes die [1][Pläne für
       eine Vertiefung der Außenems] auslegen. Bis zum 17. Juni haben Betroffene
       dann Gelegenheit, Einwände vorzubringen. Parallel hierzu läuft ein Vorhaben
       den ökologischen Zustand der Ems zu verbessern. Die Pläne dazu sollen
       allerdings erst Anfang 2025 ausgelegt werden.
       
       Die Vertiefung der Außenems soll die Zufahrt zum Emder Hafen erleichtern.
       Sie ist umstritten, weil sich in der Ems schon heute wenig Leben regt und
       eine Vertiefung der Fahrrinne die Lage weiter verschlechtern dürfte. Das
       Problem: Ein tieferes Flussbett verstärkt den Flutstrom, so dass mehr
       Sediment ins Flussbett hinein getragen als hinaus ins Meer geschwemmt wird.
       
       Die Folge: Der Fluss verschlickt. Das Sediment verstopft die Fahrrinne;
       Schwebstoffe im Wasser verringern den Sauerstoffgehalt; und das Salzwasser
       aus dem Meer dringt weiter in das Binnenland vor. Dieser Prozess ist weit
       fortgeschritten, weil die Ems oberhalb von Emden [2][für die Papenburger
       Meyer-Werft mehrfach vertieft] und begradigt wurde, damit diese ihre
       riesigen Kreuzfahrtschiffe ins Meer bugsieren kann.
       
       In der Außenems, also der trichterförmigen Flussmündung zur Nordsee, soll
       die Fahrrinne auf einer Strecke von 13 Kilometern Länge um rund einen Meter
       vertieft werden. „Vor allem Autofrachter und Massengutschiffe werden
       zukünftig von der Vertiefung profitieren“, verspricht Eric Oehlman, Leiter
       der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Tiefgehende Schiffe
       [3][könnten den Emder Hafen flexibler erreichen]. Tidebedingte Wartezeiten
       verkürzten sich. Das sei ein „wichtiges Signal für die Stärkung des
       Wirtschaftsstandorts Deutschland“.
       
       ## Großer Autoverladehafen
       
       Für die Wirtschaft ist Emden in der Tat nicht unbedeutend: Allein 610
       Autotransporte machten im vergangen Jahr im Emder Hafen fest. Knapp 1,3
       Millionen Fahrzeuge gingen über die Kaikante. „Damit hat der Emder Hafen
       seine Position als drittgrößter Autoverladehafen in der westlichen Welt
       behauptet“, sagte Manfred de Vries, Geschäftsführer der [4][Autoport Emden]
       Anfang Februar. Direkt vor Ort produzierte VW im vergangenen Jahr 180.000
       Autos.
       
       Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hatte die Auslegung der
       Pläne schon einmal für Anfang 2018 in Aussicht gestellt. Doch dazu kam es
       nicht – bis jetzt.
       
       Dass so viel Zeit verstrichen ist, begründet die Wasserstraßen- und
       Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) mit der Vielzahl an Regelwerken,
       die zu beachten seien: von der Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie über
       die EU-Wasserrahmenrichtlinie bis zur Meeresstrategierahmenrichtlinie der
       EU. Einzelne Tier- und Pflanenarten seien über einen Jahreszyklus hinweg
       untersucht worden. Herausgekommen sind 6.000 Seiten Planunterlagen.
       
       Umweltverbände wie der BUND, Nabu und der WWF lehnen den Fahrrinnenausbau
       ab, ebenso Fischer und Segler. „Der Gesundheitszustand der Ems wird sich
       mit jeder weiteren Vertiefung verschlechtern“, warnten sie nach
       Bekanntwerden der Pläne.
       
       Für Beatrice Claus vom WWF widerspricht das Vorhaben den Prinzipien des
       Masterplans Ems, der bis 2050 einen zwar schiffbaren, aber auch lebendigen
       Fluss schaffen will. Unterzeichnet haben ihn Vertreter von Bund, Land,
       Kommunen, Umweltverbänden und der Meyer Werft. Von der Vertiefung der
       Außenems werde nur die Wirtschaft profitieren, warnt Claus. Pläne, wie der
       Fahrrinnenausbau mit einer ökologischen Verbesserung verbunden werden soll,
       seien ihr nicht bekannt.
       
       Bevor der Fluss durch ein weiteres Projekt belastet wird, wäre aus Sicht
       von Claus zunächst abzuwarten, ob ein im Rahmen des Masterplans
       vereinbartes Vorhaben tatsächlich den Zustand der Ems verbessert. Dabei
       geht es darum, mit Hilfe des Emssperrwerks die Tide so zu steuern, dass
       weniger Schwebstoffe in der Ems absinken und das Salzwasser nicht so weit
       eindringt. Ein Testlauf im Sommer 2020 habe bewiesen, [5][dass das
       Verfahren funktioniert, heißt es auf der Website des Masterplans Ems 2050].
       
       Im November haben die Vertragspartner des Masterplans beschlossen, dass
       diese „Tideniedrigwasseranhebung“ umgesetzt werden soll – auch wenn sie aus
       Sicht der Umweltverbände nur die zweitbeste Lösung ist. Das
       Genehmigungsverfahren dazu soll im kommenden Jahr starten.
       
       1 Apr 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Umweltverbaende-kritisieren-Ems-Vertiefung/!5906298
 (DIR) [2] /Ausweitung-des-Kreuzfahrt-Tourismus/!5959797
 (DIR) [3] /Flussausbau-fuer-den-Klimaschutz/!5781593
 (DIR) [4] https://www.seaport-emden.de/aktuelles/nachricht/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=136&cHash=f892d1d8d93d47069f4e8c863961b771
 (DIR) [5] https://www.masterplan-ems.info/massnahmen/flexible-tidesteuerung/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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