# taz.de -- Streiks und Stimmungsmache: Weselsky verspielt Empathie
       
       > Streiks bauen auch auf Verständnis, die GdL droht das zu verspielen.
       > Konservative warten schon darauf, deshalb das Streikrecht einzuschränken.
       
 (IMG) Bild: Rücksichtsloser Kommunikationsstil: GDL-Chef Weselsky bei einer Rede am Hauptbahnhof Dresden im Januar
       
       Man braucht derzeit starke Nerven, um den eigenen Transport in öffentlichen
       Verkehrsmitteln zu planen. Hartgesottene etwa buchten in den vergangenen
       Tagen vorsichtshalber gleich mehrere Platzkarten für diverse Züge in der
       Hoffnung, dass wenigstens einer davon fährt.
       
       Wirklich lustig ist das nicht. Es zeigt sich mal wieder, was das Dilemma
       ist bei den Streiks in den alltagswichtigen Dienstleistungen, sei es die
       Bahn, seien es Kitas oder Krankenhäuser. Letztlich wird von
       Dienstleistungskräften, die oft, aber nicht immer, schwer belastet und
       schlecht bezahlt sind, Druck ausgeübt auf Kosten von Unschuldigen, von
       Pendler:innen, Eltern, Patient:innen.
       
       Dieser Widerspruch kann politisch nur ausgehalten werden, wenn es einen
       Rest Empathie der betroffenen Kund:innen mit den Streikenden gibt: Ja,
       ist zwar Mist, dass die Kita zu hat, aber die Erzieher:innen haben es
       echt schwer; ist zwar lästig, dass die S-Bahn nicht fährt, aber das
       Personal hat schlimme Arbeitsbedingungen.
       
       Diese Empathie ist ein hohes politisches Gut, das derzeit bröselt. Der
       [1][rücksichtslose Kommunikationsstil von GdL-Chef Claus Weselsky] ist
       dabei nicht hilfreich. Deswegen hat die Union leichtes Spiel darin, jetzt
       eine Einschränkung des grundgesetzlich garantierten Streikrechts zu
       fordern. Es ist Stimmungsmache.
       
       Aber die Gewerkschaften, sei es die GdL oder Verdi, tragen auch
       Verantwortung, Streikziele und Mittel in der Öffentlichkeit so zu
       kommunizieren, dass betroffene Kund:innen wenigstens noch etwas
       Verständnis aufbringen können. Dazu reichen Zeichen. Zum Beispiel zu
       garantieren, dass die Bahn nicht an Ostern streikt, wenn sich Familien
       besuchen. Auch die [2][Ausstände der diversen Beschäftigtengruppen im
       Flugverkehr] ließen sich besser koordinieren.
       
       Wirken [3][Streiks] wie Erpressungen und nicht mehr wie Arbeitskämpfe der
       Schwachen, dann droht uns, dass wir die Einschränkung des Streikrechts im
       nächsten Wahlkampf auf die politische Agenda bekommen. Das kann eine
       Mehrheit nicht wollen.
       
       14 Mar 2024
       
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