# taz.de -- Ausstellung „Ist die Wende zu Ende?“: Noch nicht am Wende-Ende
       
       > Eine Wanderausstellung zeigt die Vielfalt ostdeutscher Erfahrungen nach
       > 1990. Das ist vor den Wahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen
       > hochaktuell.
       
 (IMG) Bild: Hungerstreik 1993 gegen die Treuhand: Auch die Kalikumpel aus dem nordthüringischen Bischofferode sind Teil der Wanderausstellung
       
       Dieser Text ist Teil unserer [1][Berichterstattung zu den Kommunal- und
       Landtagswahlen 2024] in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. [2][Die taz
       zeigt, was hier auf dem Spiel steht:] Wer steht für die Demokratie ein?
       Welche Agenda verfolgen Rechte? Welche Personen und Projekte fürchten um
       ihre Existenz? 
       
       Spremberg taz | Die Melancholie des Titelsongs aus dem späten DDR-Film
       „Solo Sunny“ traf den Sound der Veranstaltung: Bis in den September des
       „Schicksalswahljahres“ 2024 hinein t[3][ourt die Ausstellung „Ist die Wende
       zu Ende?“ durch die drei ostdeutschen Wahlländer Brandenburg, Sachsen und
       Thüringen]. Am Samstag eröffnete sie in Spremberg unweit von Cottbus.
       
       Die Ausstellung spiegelt authentische und widersprüchliche
       Erfahrungsberichte der frühen 1990er Jahre aus Ostdeutschland wider. Hinter
       dem Projekt stecken zwei promovierte Wissenschaftler des dezentralen
       Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt: der Historiker Felix
       Axster und der Kulturwissenschafler Matthias Berek.
       
       Beide begannen schon vor der Coronapandemie mit Interviews, sammelten viele
       Stunden Audiomaterial von 45 Personen. Man weiche vom „Master Narrative“,
       vom Mainstream der Siegererzählung der deutschen Wiedervereinigung, ab,
       so Matthias Berek. Klassische „Oral History“, wie Felix Axster bestätigt.
       Begonnen haben sie mit den legendären Kalikumpeln von Bischofferode im
       Eichsfeld, die sich 1993 mit einem Hungerstreik unter Tage gegen die
       Schließung ihres Schachtes zugunsten der westdeutschen Konkurrenz wehrten.
       
       Ungewöhnlich ist auch die Konzentration auf bestimmte Bevölkerungsgruppen.
       Die Forscher haben den Akzent auf Engagierte in Sozial- und Arbeitskämpfen,
       auf das Schicksal ehemaliger DDR-Vertragsarbeiter vor allem aus Vietnam
       oder Afrika, auf linke Alternativvorstellungen zum Beitritt und auf die
       jüdische Perspektive gelegt.
       
       ## Selbstermächtigung gegen AfD
       
       Optisch mutet die [4][Ausstellung in einem leerstehenden Ladenlokal der
       Spremberger Altstadt] hingegen nicht sensationell an. Klassische
       Holzaufsteller heben in Blau, Gelb und Grün markante Zitate aus Interviews
       hervor, die man in gekürzter und geschnittener Form per Kopfhörer nachhören
       kann. Ausgelegte Postkarten, die die Besucher nach ihren Hoffnungen,
       Ohnmachtsgefühlen oder erfolgreichen Veränderungserfahrungen fragen, sollen
       den Inhalt der Ausstellung über die kommenden Monate dynamisch verändern.
       Die Ergebnisse sammelt die zeitgleich eröffnete Sonderausstellung „VEB
       Museum“ des Dresdner Hygienemuseums. Ein bunter Kiosk draußen, eingerichtet
       von den beiden Performern Anna Stiede und Hans Narva, soll die
       Kommunikation der Besucher zusätzlich befördern.
       
       Viele Kommentare und Äußerungen der Vernissagegäste spiegelten genau die
       Vielfalt und Widersprüchlichkeiten der gesammelten Erfahrungen wider:
       Manchen kamen positive Folgen der deutschen Einheit zu kurz, andere zogen
       eine gerade Linie von den Traumata und gebrochenen Biografien der Neunziger
       zur heutigen Popularität destruktiver Motz- und Racheparteien. Serviert
       wurde Bortschtsch.
       
       Auf eine Einmischung in das Wahljahr 2024 hatten es die beiden Ideengeber
       ursprünglich gar nicht abgesehen. Man könne aber durchaus die Parallele
       ziehen, dass ein AfD-Erfolg nicht unvermeidlich und schicksalhaft sei,
       sagen Axster und Berek heute. Vielmehr seien, wie damals auch,
       Selbstermächtigung und positives Engagement möglich.
       
       [5][Nächste Standorte]: Apolda ab 8. 4., Nordhausen ab 2. 5., Bautzen ab
       10. 6., Freital ab 7. 8. und Strausberg ab 5. 9.
       
       10 Mar 2024
       
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 (DIR) [5] https://www.solidaritaetsgeschichten.de/ist-die-wende-zu-ende/
       
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 (DIR) Michael Bartsch
       
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