# taz.de -- Umgang des Kremls mit Nawalnys Tod: Es geht um Erniedrigung
       
       > Die Tage nach dem Ableben von Alexei Nawalny zeigen den Zynismus von
       > Putins Russland. Repressionen gegen Andersdenkende werden zunehmen.
       
 (IMG) Bild: Menschen in Moskau legen am Samstag Blumen am Solowezki-Gedenkstein in Gedenken an Alexei Nawalny nieder
       
       Dass Russlands Präsident Wladimir Putin [1][über Leichen geht], wenn es dem
       eigenen Machterhalt dient, ist bekannt. So gesehen ist – grausam, aber
       wahr – auch das tragische Ende von Alexei Nawalny im heutigen Russland
       business as usual. Eine neue Qualität hat jedoch das Katz-und-Maus-Spiel
       rund um die sterblichen Überreste des prominentesten Kremlkritikers. Einen
       Menschen auch noch nach seinem Tod maximal zu erniedrigen und die
       Angehörigen gleich mit, darum geht es. Mehr Anschauungsmaterial, wie
       zynisch, menschenverachtend und moralisch verwahrlost dieses System ist,
       braucht es nicht.
       
       Dazu passt auch [2][der Umgang der Sicherheitskräfte mit den
       Russ*innen], die am vergangenen Wochenende, allen Einschüchterungen und
       realen Risiken zum Trotz, in mehreren Städten des Landes spontan ihre
       Anteilnahme am Tod Nawalnys bekundeten: Gewalt, Hunderte Festnahmen und ein
       juristisches Nachspiel, das viele Teilnehmer*innen zu erwarten haben.
       Offensichtlich haben Putin und seine Handlanger Angst vor trauernden
       Menschen mit Blumen und Kerzen, die sich in stillem Gedenken versammeln.
       
       Man kann sich die Frage stellen, was dieses brutale Vorgehen über den
       tatsächlichen Zustand des Regimes aussagt. Wie auch immer der Befund
       ausfällt – für die, die in Haft gequält und tagtäglich entmenschlicht
       werden, macht das keinen Unterschied.
       
       Ob die [3][Journalistin Anna Politkowskaja], der Oppositionspolitiker
       [4][Boris Nemzow], der Chef der Wagner-Truppe Jewgeni Prigoschin oder jetzt
       Nawalny: Über die Hintergründe und Umstände dieser Verbrechen in
       staatlichem Auftrag werden wir vielleicht nie die Wahrheit erfahren,
       zumindest nicht, solange Wladimir Putin im Kreml sitzt. Er wird sich schon
       im kommenden Monat für eine weitere Amtszeit bestätigen und entsprechend
       feiern lassen.
       
       Schon jetzt steht fest, dass sich die Repressionen gegen Andersdenkende
       verschärfen werden. Und Nawalny wird nicht der Letzte sein, der für ein
       anderes Russland mit seinem Leben bezahlt.
       
       18 Feb 2024
       
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 (DIR) Barbara Oertel
       
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