# taz.de -- Julia Nawalnaja im EU-Parlament: Festnahmen auf Trauerfeier befürchtet
       
       > Die Witwe des verstorbenen Oppositionellen Alexei Nawalny hat im
       > EU-Parlament vor Polizeiaktionen gewarnt. Sie bezeichnete Putin als „Chef
       > einer kriminellen Bande“.
       
 (IMG) Bild: Julia Nawalnaja, Witwe von Alexei Nawalny, spricht vor dem Europäischen Parlament
       
       Strassburg afp | Kurz vor der Beerdigung des in Haft gestorbenen russischen
       [1][Oppositionspolitikers Alexei Nawalny] hat seine Witwe vor möglichen
       Polizeiaktionen gewarnt. „Ich weiß nicht, ob es eine friedliche Beerdigung
       wird, oder ob die Polizei Menschen festnehmen wird, die sich von ihm
       verabschieden wollen“, sagte Julia Nawalnaja am Mittwoch im
       Europaparlament.
       
       Der Trauergottesdienst soll am Freitag um 12 Uhr MEZ in einer Moskauer
       Kirche stattfinden. Nawalny werde anschließend auf dem Friedhof Borisowski
       im Südosten Moskaus beerdigt, teilte sein Team mit.
       
       Es sei nicht einfach gewesen, einen Ort für die Trauerfeier zu finden. „An
       einem Ort wurde uns gesagt, dass es den Bestattungsunternehmen verboten
       sei, mit uns zusammenzuarbeiten“, sagte Sprecherin Kira Jarmisch. Weitere
       Einzelheiten zu der Trauerfeier wurden nicht bekannt. Die russischen
       Behörden reagierten zunächst nicht. Bei dem öffentlichen Gedenken nach dem
       Bekanntwerden des Todes waren hunderte Trauernde festgenommen worden.
       
       Nawalny war am 16. Februar in einer der härtesten russischen Strafkolonien
       in der Arktis im Alter von 47 Jahren gestorben. Er war einer der
       prominentesten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Seine
       Witwe und Anhänger sowie zahlreiche westliche Politiker machen die
       russische Führung und Putin selbst für den Tod Nawalnys verantwortlich.
       
       ## Organisiertes Verbrechen bekämpfen
       
       Julia Nawalnaja bezeichnete Putin in ihrer Rede vor dem Europaparlament als
       „Chef einer kriminellen Bande“ und „schlimmen Gangster“. Sie rief die
       westlichen Staaten dazu auf, gegen Putins Helfer vorzugehen. Nötig seien
       keine besorgten Erklärungen, „sondern eine Suche nach den Mafia-Verbündeten
       in Ihren Ländern, den diskreten Anwälten und Geldgebern“, sagte Nawalnaja.
       
       Dazu sollten „Methoden der Bekämpfung des organisierten Verbrechens“
       angewandt werden, erklärte sie mit Blick auf Putin und seine Strukturen.
       „Keine diplomatischen Noten, sondern Ermittlungen über finanzielle
       Machenschaften“, fügte sie hinzu. Putin sei nicht mit weiteren Sanktionen
       zu treffen, sondern nur mit neuen Methoden. „Wenn Sie Putin bezwingen
       wollen, müssen Sie erfinderisch sein“, sagte Nawalnaja, die angekündigt
       hatte, Nawalnys Arbeit fortzuführen.
       
       „Putin hat meinen Ehemann getötet“, bekräftigte Nawalnaja. „Auf seinen
       Befehl wurde Alexei drei Jahre lang gefoltert: Er wurde in einer winzigen
       Steinzelle zu Tode ausgehungert, von der Außenwelt abgeschnitten und durfte
       keinen Besuch, Anrufe oder Briefe bekommen“, betonte seine Witwe. „Die
       öffentliche Ermordung zeigt einmal mehr, dass Putin zu allem fähig ist, und
       mit ihm nicht verhandelt werden kann“, fügte sie hinzu.
       
       Der Tod Nawalnys war Mitte Februar bekannt geworden. Nach Angaben von
       Nawalnys Unterstützern hatte es vor seinem Tod Verhandlungen über einen
       Gefangenenaustausch gegen den in Berlin verurteilten russischen Mörder
       Vadim Krasikow gegeben. Die Bundesregierung kommentiert dies bisher nicht.
       
       28 Feb 2024
       
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