# taz.de -- Demonstrationen gegen Presse: Das nächste Ziel der Bauern
       
       > Samstag blockierten Demonstrierende die Auslieferung von Zeitungen in
       > Hamburg. Am Montag versammeln sich Bauern in Hannover vorm NDR.
       
 (IMG) Bild: Protestierender Bauer vor dem Landesfunkhaus des NDR in Hannover am 5. Februar 2024
       
       Hannover taz | Am Montag haben sich ab ein Uhr nachts Landwirte am Ufer des
       Maschsees in hannover versammelt. Mit Feuerschalen und etwa dreißig
       Traktoren standen sie vor dem Landesfunkhaus des NDR. Eine Puppe mit einem
       „Bauer“-Schild baumelte an einem Galgen. „Wir brauchen den Mittelstand
       zurück“, hieß es darunter. Auf einem Banner stand: „Ist der lokale Bauer
       erst ruiniert, wird alles klimaschädlich importiert.“ Darüber war das Logo
       der verschwörungsideologischen Partei [1][Die Basis] überpinselt. All das
       zeigen Videos eines verschwörungsideologischen Kanals auf Telegram. Hier
       kursierte auch seit Montagmorgen – wie in anderen einschlägigen Kanälen –
       ein Aufruf zum Protest.
       
       Seit Wochen thematisieren deutschlandweit zahlreiche Medien die
       [2][Proteste der Landwirte]. Gefordert werden dennoch unter anderem mehr
       Medienberichte, eine Rücknahme des Bundeshaushaltes 2024, eine Abschaffung
       der CO2-Steuer, die Subventionierung von Agrardiesel.
       
       Anmelder der Aktion in Hannover war laut der Nachrichtenagentur dpa Joachim
       Oelze, Landwirt aus Schwienau, etwa 130 Kilometer nördlich von Hannover. In
       der Vergangenheit kandidierte er für die lokale CDU. Es ist die neueste
       Entwicklung im Kontext der Landwirt-Proteste: Mit abnehmendem öffentlichen
       Interesse, Einordnungen und auch Gegenreden werden nun Medienhäuser zum
       Ziel der Demonstrationen.
       
       Dabei sind viele Medien gar nicht so kritisch gegenüber den Protesten, wie
       manche Landwirte zu glauben scheinen. Am 28. Januar etwa berichtete die
       Nachrichtensendung „hallo niedersachsen“ über einen der Proteste, bei dem
       auf einem Feld mehrere tausend Demonstrierende ein riesiges „Herz für
       Deutschland“ formten. Bebildert wurde das Ganze vom NDR unter anderem mit
       den Videos der Organisator*innen. Kritische Nachfragen: Fehlanzeige.
       
       Etwas kritischer die Berichterstattung am vergangenen Freitag, als bei
       einer Autobahnblockade mit Mist zwar vor allem verständige
       Autofahrer*innen zu Wort kommen. Die Polizei warnte allerdings vor der
       Gefahr durch die Aktion und ein Bauernvertreter verurteilte die
       Aktionsform. Man stelle sich den Aufschrei vor, hätte die Letzte Generation
       einen Anhänger Mist auf eine Autobahn gekippt.
       
       ## Nicht nur der Norden
       
       Bereits am vergangenen Freitag waren etwa 250 Menschen in Unterföhring bei
       München vor den Bayerischen Rundfunk gezogen, um dort gegen eine
       vermeintliche Vorverurteilung zu protestieren. Im Beitrag des Senders ist
       zu sehen, dass einer der Traktoren das [3][Symbol der Landvolk Bewegung],
       die als Wegbereiter des Nationalsozialismus gilt, auf einem Schild trug.
       
       Auch in Hamburg sind verschiedene Medien zum Ziel der Proteste geworden.
       Etwa 60 Personen blockierten in der Nacht zu Samstag drei Stunden lang das
       Presseverteilerzentrum der Firma „4Press“. Von dort werden u. a. Hamburger
       Abendblatt, Hamburger Morgenpost und Spiegel ausgeliefert. Laut Betreiber
       war die Blockade rein symbolisch. Alle Printerzeugnisse erreichten ihre
       Zielorte. Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV)
       kritisierte die Aktion als einen „Angriff auf die freie Presse“. Die
       Polizei löste die Versammlung auf.
       
       In Hannover endete der Protest am Montag um 11 Uhr, nachdem eine
       Delegation, laut eigenen Angaben vom Chef des Landesfunkhauses, empfangen
       wurde.
       
       5 Feb 2024
       
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