# taz.de -- Demos gegen rechts: Das Zweitbeste ist die Uneinigkeit
       
       > Auf den Demos ist viel Rührung zu spüren: weil es trotz allem so viel
       > Demokratisches gibt, in unserer gefährdeten Demokratie.
       
 (IMG) Bild: Teilnehmer einer Demonstration gegen Rechtsextremismus vor dem Bundestag am 03.02.2024 in Berlin
       
       Das Drittbeste [1][an den Demos] ist, dass auch Konservative mitgehen. Also
       die, die Linke als „rechts“ diffamieren. Sodass Rezensenten rätseln, ob
       diese Demos links genug, bürgerlich genug, inklusiv genug sind oder gar
       eine „Bewegung“ herbeireden – das Volk geht erst mal einfach nur. Auf die
       Straße. Weil es sich sorgt. Weil es irgendwie das Gefühl hat, die
       Demokratie sei in Gefahr.
       
       Das Zweitbeste an den Demos ist, dass niemand mit allem einverstanden sein
       kann, was dort gesagt wird. [2][Menschen kommen zum Protest, die uneins
       sind, mit sich, mit anderen – um gemeinsam uneins zu sein, um vielfältig,
       um Demos, also Staatsvolk, zu sein]. Dieser Demo-Pluralismus versammelt
       sich nicht nur gegen den „Ethnopluralismus“, irre Reinrassepläne und
       Eindeutigkeitszwang, sondern auch für die Uneinigkeit. Vielleicht kommt
       daher dieser Ruck der Erleichterung: weil das Inzestuöse, das von
       neurechten „Ariern“ ausgeht, die Ausschließeritis, das Canceln
       Andersdenkender, das Outsourcen des „Bösen“ auch und gerade unter Linken
       droht.
       
       Weil man sich erinnert, dass gegen Verunsicherung nicht Gewissheiten einer
       Vergangenheit helfen, die es nie gab, sondern nur, etwas daraus zu machen.
       Etwas Demokratisches. Demos zum Beispiel. Und auf ihnen die alte Idee
       entstaubt, dass auch der andere, solange er demokratisch agiert, ein
       bisschen recht haben könnte – sogar, wenn er „rechts“ ist.
       
       Deshalb sollte man nicht einverstanden sein mit Slogans wie „Menschenrechte
       statt rechte Menschen“ oder damit, „gegen rechts“ zu demonstrieren, doch
       wer das nicht ist, kann ja ein eigenes Plakat mitbringen und sich damit
       erfolgreich unbeliebt machen. Jede kann zum allgemeinen Unbehagen
       beitragen, das wir so dringend nötig haben.
       
       Denn das Beste an den Demos ist das nicht Genehme. Das nicht Stimmige. Das,
       was eine Demokratie ausmacht: (Selbst-)Ungewissheit und Nachdenklichkeit.
       Vielleicht ist deshalb auch so viel Rührung zu spüren: weil es trotz allem
       so viel Demokratisches gibt, in unserer gefährdeten Demokratie. So viel
       Demos!
       
       8 Feb 2024
       
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