# taz.de -- Punk und Pauli-Aktivist über neue Show: „Reflexion und Schenkelklopfen“
       
       > Mit Absicht keine Nostalgieveranstaltung: Punksänger, Hafenstraßen- und
       > FC-St.-Pauli-Aktivist Dirk „Diggen“ Jora redet an drei Abenden über
       > früher.
       
 (IMG) Bild: Nicht schon immer der etwas andere Verein: Fans des FC St. Pauli mit Totenkopffahne auf dem Bunker neben dem Millerntorstadion
       
       taz: Dirk Jora, warum ein Live-Podcast? 
       
       Dirk Jora: Also, die Idee entstand daraus, dass ich meine Lebensgeschichte
       erzählt habe, und wir die in sieben Kapiteln [1][bei Youtube
       veröffentlicht] haben. Und selbst überrascht waren, wie gut das angekommen
       ist. Es gibt immer noch einen richtigen [2][Podcast-Boom], ich denke da an
       Jan Böhmermann und Olli Schulz.
       
       Auf Youtube, das war vor allem gesprochenes Wort, auch von vorab
       interviewten Weggefährten. Was passiert nun auf der Bühne? 
       
       Mir war schnell klar, dass ich eine Moderation möchte. Das also nicht
       selbst machen möchte, sondern freier sein in meinen Äußerungen. Und es gibt
       auch Einspieler, Fotos und Videos, auch dafür braucht es Moderation: um da
       Struktur reinzubringen. Olli Schulz, der den dritten Abend moderiert, hat
       das etwa schon mit Bela B gemacht. Er spricht von seiner Moderation als
       einer Mischung aus Chaos und Struktur – und genau das will ich.
       
       Es gibt also Gastgeber Diggen, wechselnde Moderator:innen – und Gäste. 
       
       Jeder Abend hat ein Thema, zum Auftakt: „Wie drehe ich einen Fußballverein
       auf links?“ Also die Geschichte des FC St. Pauli seit 1985. Zu Gast ist
       [3][Sven Brux], seit Jahrzehnten aktiver Fan, auch mal Fanbeauftragter des
       Vereins und seit 25 Jahren Leiter Spieltagsorganisation und
       Fanangelegenheiten. Dahinter steht, dass es Jüngere gibt, auch
       Auswärtsfans, die denken, das war immer schon so, 30.000 Antifaschisten im
       neuen Stadion. Das war aber [4][überhaupt nicht immer schon] so. Das ging
       einher mit der Besetzung der Hafenstraße: Letztendlich haben wir Häuser
       besetzt – und dann den Fußballverein.
       
       Welche sind die anderen Themen? 
       
       In der zweiten Show, [5][im Februar], geht es um die Parallelen von Punk-
       und Hip-Hop-Szene. Darüber spreche ich mit Swiss und [6][Jan Delay],
       moderieren wird Thees Uhlmann. Der dritte Abend handelt dann [7][im April]
       von Punk in Hamburg und darüber hinaus, Gäste sind dann Klaus Maeck, unter
       anderem betriber des legendären Plattenladens „RipOff“ und Eugen Honold,
       Herausgeber des Punkfanzines Pretty Vacant sowie Mitbetreiber des
       legendären Hamburger Punk-Schuppens „Krawall 2000“.
       
       Könnte so etwas nicht schnell sehr, na ja, nostalgisch geraten? 
       
       Uns geht es darum, Authentizität auf die Bühne zu bringen, auch die alten
       Zeiten aufleben zu lassen – ich möchte aber auch keine Kritik aussparen. Es
       gab ja zum Beispiel in der Punkszene nur ganz wenige Frauen: nicht in
       Bands, auch nicht vorne auf den Konzerten. Weil das ja eine mindestens
       latent aggressive Angelegenheit war, Pogo, Schlägereien. Und Alkohol war
       ein viel zu großes Thema. In der Reflexion Kritik nicht aussparen: Das ist
       mein Ansatz.
       
       Also Dinge in den Blick nehmen, die man damals vielleicht noch nicht so hat
       sehen können? 
       
       Zu gucken: Welche Entwicklung hat stattgefunden in der St.-Pauli-Fanszene,
       in der linken Szene, in der Punkszene. Ist noch was übrig? Was ist noch
       übrig? Also durchaus Schenkelklopfer-Geschichten – aber mit kritischer
       Reflexion.
       
       Wird das Frontalbespaßung, oder soll es auch Interaktion mit dem Publikum
       geben? 
       
       Zunächst wollten wir, dass es am Ende ein offenes Mikro gibt. Das haben wir
       aber, aus logistischen Gründen, umgedreht in folgende Sache: Beim
       Reinkommen gibt es einen Kasten, in den Fragen geworfen werden können. Und
       im zweiten Teil der Show … wir sind ja Fußballfans, also: in der zweiten
       Halbzeit, können die dann auf der Bühne gestellt und beantwortet werden.
       
       Und wer es jetzt nicht selbst in den Saal schafft, kann der das dann
       nachher dann auch noch zu sehen bekommen? 
       
       Ja, wir filmen mit. Wo es dann am Ende zu sehen sein wird, müssen wir
       gucken. Bei YouTube, ich glaube, da muss man nicht BWL studiert haben, um
       das zu verstehen, kriegst du nicht viel Geld. Wir werden versuchen, es
       irgendwie an ein öffentlich-rechtliches Programm oder eine [8][Mediathek]
       oder so zu verkaufen. Sodass wir ein bisschen Geld kriegen, es aber
       trotzdem for free kuckbar bleibt.
       
       22 Jan 2024
       
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