# taz.de -- Last Christmas und Gema: Keine Gnade für Weihnachtsmärkte
       
       > Jahrelang sollen Weihnachtsmärkte die Gema beschummelt haben, darum
       > sollen Gebühren steigen. Hits wie „Last Christmas“ zu spielen wird nun
       > richtig teuer.
       
 (IMG) Bild: Das kostet! Das Knappen Quartett aus Bochum bei der Eröffnung des Weihnachtsmarkts am 16. November in Herne
       
       Weihnachten ist eine besondere Zeit, [1][auch musikalisch]. Spätestens wenn
       das erste Mal ‚Last Christmas‘ im Radio ertönt, ist es wieder so weit.
       Musik an Weihnachten schafft eine besondere Atmosphäre. Auf
       [2][Weihnachtsmärkten] und Weihnachtsfeiern fördert sie die Geselligkeit,
       im Handel kurbelt sie das Weihnachtsgeschäft an.“ So schön schreiben
       mechanische [3][Lyriker*innen] von der Gema aktuell auf ihrer Homepage
       über die für viele Menschen schönste Zeit des Jahres.
       
       Und dieses Jahr hat uns die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und
       mechanische Vervielfältigungsrechte, wie die Gema mit vollem Namen heißt,
       ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Bislang quollen die am letzten
       Weihnachtsfest übergebenen Herzen derart aus allen
       Weihnachtsmarktlautsprechern, dass man sich schon vor dem zwölften Glühwein
       übergeben musste.
       
       Aber in diesem Jahr herrscht himmlische Ruhe. Na ja, nicht ganz. Aber
       immerhin Ruhe vor Wham & Co. Chris Rea hat seine Füße auch schon auf dem
       heiligen Grund und muss nicht mehr for Christmas homedriven.
       
       Und angesichts der durch den Klimawandel drohenden Extremwetterlagen noch
       „White Christmas“ zu grölen und trotzig „Let it snow!“ zu fordern,
       verbietet sich eh von selbst.
       
       ## Preissteigerung um 1000 Prozent
       
       All überall auf den Tannenspitzen klingen jetzt Klingglöckchen
       klingelingeling, für die Kinder wird’s morgen was geben und alles singt von
       der stillen, heiligen Nacht und dem lachenden Owi. Und das liegt an der
       Gema. Denn die kassiert auch auf den Weihnachtsmärkten für die von ihr
       vertretenen Künstler*innen und Labels. Schließlich hat so eine
       Verwertungsgesellschaft dafür zu sorgen, dass die Urheber*innen des
       weihnachtlichen Liedguts auch was von der Geselligkeit haben und am
       angekurbelten Handel beteiligt werden.
       
       Dieses Jahr hat die Gema dabei die Preise drastisch raufgesetzt. Nach
       eigenen Angaben auch deshalb, weil die Weihnachtsmärkte bzw. die Stände
       dort jahrelang geschummelt haben sollen. Fast überall seien die Angaben zur
       beschallten Fläche, nach der sich die Gebühr berechnet, taktisch kleiner
       als in der Realität ausgefallen. Was früher ein paar Euro fuffzich kostete,
       geht jetzt also in Einzelfällen bis zu 1.000 Prozent rauf.
       
       „Gibt es dann auch ne Gema-Polizei, die für lizenzpflichtige
       Weihnachtsliederkennung ausgebildet ist und saftige Strafgebühren
       durchsetzen kann“, fragt die Mitbewohnerin. Bestimmt, weshalb
       Weihnachtsmärkte landauf, landab die urheberrechtlich geschützten
       Christmas-Hits von der Playlist geschmissen haben. Oh du Fröhliche!
       
       Denn der Weihnachtsmarkt geht musikalisch dadurch keinesfalls den Bach
       runter. Mit der Gema-freien Musik von Opa Hoppenstedt und dem klassischen
       Weihnachtsliedgut macht also keiner was falsch. Und nun jauchzet,
       frohlocket, lobpreis-e-he-t die Gema.
       
       30 Nov 2023
       
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 (DIR) Steffen Grimberg
       
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