# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Im Zweifel handgemacht
       
       > Diese Woche besinnt sich die Musik auf ihre Nähe zur Poesie, versenkt
       > sich ins strenge Gebet und erkundet das Mysterium des
       > Modularsynthesizers.
       
 (IMG) Bild: Der RIAS Kammerchor trifft zum 75-jährigen Jubiläum auf den Star Arvo Pärt
       
       Um über die Liebe zu sprechen, findet sich eigentlich immer seine Zeit. Am
       Sonnabend ist dazu Gelegenheit in der Akademie der Künste am Hanseatenweg.
       „[1][Gedichte über die Liebe in dieser Zeit]“ lautet der Titel der
       Veranstaltung mit Lesungen und Musik.
       
       Vortragen werden die Akademiemitglieder Kerstin Hensel, Dagmara Kraus,
       Angela Krauß, Ursula Krechel, Michael Krüger, Monika Rinck und Aleš Šteger.
       Die Musik dazu steuern die Sängerin Anna Clementi und der Gitarrist und
       Komponist Chico Mello bei, sie stammt ebenfalls von Akademiemitgliedern,
       von denen nicht alle mehr aktiv sind. Zu hören sind Werke der Komponisten
       Georges Aperghis, Youghi Pagh-Paan, Dieter Schnebel und Paul Dessau
       (11.11., 19.30 Uhr, Tickets für 8, ermäßigt 5 Euro [2][gibt es hier]).
       
       Ohne Worte, dafür mit reichlich Strom geht es von Donnerstag an für drei
       Tage im Studio Boerne zu. Das „Handcrafted Tributes Festival“ geht in
       Künstlergesprächen, Diskussionen und Präsentationen dem Mysterium der
       Modularsynthese in der elektronischen Musik nach.
       
       Modularsynthesizer heißen so, weil sie nicht gebrauchsfertige Kästen bloß
       mit Knöpfen und Reglern sind, sondern nach eigenen Bedürfnissen als Module
       mit Steckverbindungen in immer neuen Kombinationen zusammengebaut werden
       können.
       
       Künstler wie Max Loderbauer, Rabih Beaini, Oxana Omelchuk oder Richard
       Scott werden dabei mit dem Stefan Schulze Large Ensemble zusammenarbeiten,
       das bei dieser Gelegenheit sein Album „The Buchla Suite: A Handcrafted
       Tribute to Morton Subotnick“ vorstellt, das einem großen Pionier der
       Modularsynthese gewidmet ist. Auch mit dem Mythos der Maschinenmusik lässt
       sich bei dieser Gelegenheit ein wenig aufräumen.
       
       Denn diese Maschinen tun halt nichts, wenn nicht zuvor Menschen mit ihren
       Händen Kabel in die von ihnen ausgewählten Anschlüsse hineinstecken
       (14.–16. 11., ab 17 bzw. 19 Uhr, Einzeltickets 6–8,50 Euro,
       [3][Festivalpass 24 Euro]).
       
       Der RIAS Kammerchor kann auf 75 Jahre des Musizierens auf höchstem Niveau
       zurückblicken. Um das zu feiern, holt er unter anderem frühere
       Chefdirigenten ans Pult. Am Freitag ist das Daniel Reuss, der von 2003 bis
       2006 dieses Amt ausfüllte.
       
       Seit 2008 leitet er den Estnischen Philharmonischen Kammerchor. Dazu
       passend hat er A-cappella-Werke von drei Generationen estnischer
       Komponisten für dieses Konzert in der Philharmonie versammelt. Der jüngste
       ist Jüri Reinvere, 1971 in Tallinn geboren, nach Studium in Helsinki
       inzwischen finnischer Staatsbürger und in Frankfurt am Main lebend. Etwas
       älter ist der 1959 geborene Erkki-Sven Tüür, der zu Beginn seiner Karriere
       mit In Spe eine der populärsten Rockbands des Landes anführte.
       
       Der Nestor und Star des Abends ist schließlich Arvo Pärt. Der 88-Jährige
       stellt auch den umfangreichsten Teil des Programms. Sein „Kanon Pokajanen“
       nach einem orthodoxen slawischen Bußkanon dauert knapp anderthalb Stunden,
       die von Reuss ausgewählten Auszüge füllen immerhin eine Stunde. Das muss
       nicht abschrecken, eintauchen in die rauen Harmonien genügt. (17. 11., 20
       Uhr, [4][Tickets kosten 27 bis 42 Euro]).
       
       9 Nov 2023
       
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