# taz.de -- Stahlsparte von Thyssenkrupp: Milliardensubventionen zu verhökern
       
       > Thyssenkrupp plant den Teilverkauf seiner Stahlsparte. Politiker von
       > Grüne und Linke stellen deswegen eine öffentliche Förderung infrage.
       
 (IMG) Bild: Arbeiter bei ThyssenKrupp Steel in Duisburg während eines Streiks im Juni 2022
       
       Berlin taz | Thyssenkrupp stößt mit dem geplanten Teilverkauf seiner
       [1][Stahlsparte] zunehmend auf Widerstand. „Wer von öffentlicher Förderung
       zur Standortsicherung profitiert, muss dann eben auch Investitionszusagen
       und Standort- und Arbeitsplatzgarantien geben“, sagte der Grünen-Politiker
       Felix Banaszak und stellte damit Subventionen für den Konzern in Höhe von 2
       Milliarden Euro infrage. Auch die Gewerkschaft IG Metall ist alarmiert.
       
       „Wir haben als Grüne ein großes Interesse, die Stahlindustrie in
       Deutschland als zentralen Wertschöpfungsfaktor zu halten“, so Banaszak
       weiter. Deshalb setze man sich für einen [2][Brückenstrompreis] genauso ein
       wie für eine starke Unterstützung bei der Transformation. Beides verlange
       aber, dass die Unternehmen ihrer Verantwortung nachkommen.
       
       Ende Juli erhielt Thyssenkrupp vom Bund und von Nordrhein-Westfalen die
       Zusage für die milliardenschweren Förderung seines
       Dekarbonisierungsprojekts „tkH2Steel“, bei dem Wasserstoff zur Produktion
       von Stahl eingesetzt werden soll. Ende September kam nun an die
       Öffentlichkeit, dass der Konzern mit dem tschechischen Milliardär Daniel
       Kretinsky über den Verkauf eines Anteils von 50 Prozent an seiner
       Stahlsparte verhandelt. Dieser ist in Deutschland kein Unbekannter.
       Kretinsky übernahm mit Hilfe seiner EPH-Holding gemeinsam mit dem
       Finanzinvestor PPF bereits von Vattenfall dessen Braunkohlegeschäft in der
       Lausitz.
       
       Bei Thyssenkrupp ist die Stahlsparte schon länger eine Baustelle. Als der
       Konzern vor rund drei Jahren im Zuge der Coronakrise unter Druck geriet,
       brachte die NRW-SPD einen Einstieg des Staats ins Spiel. Auch ist der
       geplante Einstieg Kretinskys nicht der erste Anlauf, die Stahlsparte zu
       verkaufen. Ein lang diskutiertes Joint Venture mit dem indischen
       Tata-Konzern scheiterte etwa im Jahr 2019 an kartellrechtlichen Bedenken
       der EU.
       
       ## IG Metall fordert Mitbestimmung
       
       Was die IG Metall an den jetzigen Verhandlungen stutzig macht, ist, dass
       sie bisher noch keine Details erfahren hat. „Dies ist sehr ungewöhnlich“,
       erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft. Frühere Verhandlungen wie der
       geplatzte Verkauf an Tata oder die Veräußerung der Aufzugsparte seien
       transparenter verlaufen. „Wir lehnen eine Übernahme durch Kretinsky nicht
       grundsätzlich ab, wohl aber eine Hauruckaktion auf Kosten der
       Beschäftigten“, fordert die Gewerkschaft mehr Mitbestimmung.
       
       Der Linken-Politiker Pascal Meiser sieht indes auch die Ampelkoalition in
       der Pflicht, zu handeln: „Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die
       [3][milliardenschwere Förderung] des Umbaus hin zu grüner Stahlproduktion
       endlich an klare Bedingungen geknüpft wird“, teilte Meiser der taz mit.
       
       20 Oct 2023
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simon Poelchau
       
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