# taz.de -- Nicht immer gleich Friedrich Merz sagen: Arbeit als Belohnung
       
       > Zum Unterschied von „Leere“ und „Lehre“ – und wie überhaupt alles
       > zusammenhängt, von der unwoken Jugend bis zum untoten Mats Hummels.
       
 (IMG) Bild: Das brummt: Mats Hummels für Deutschland
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Die Leere im Wort „Staatsräson“.
       
       Und was wird besser in dieser? 
       
       Die Lehre im Wort „Freundschaft“.
       
       Die Bundesländer [1][haben darüber beraten, ob Asylsuchende dazu
       verpflichtet werden sollen, in Kommunen gemeinnützige Aufgaben zu
       übernehmen.] Seit wann ist es okay, offen darüber zu diskutieren,
       Zwangsarbeit einzuführen?
       
       Zuwanderer kommen nur wegen des Sozialsystems oder nur wegen der Jobs. Das
       schließt einander aus, also wegen der geilen deutschen Logik kommen sie
       ganz bestimmt nicht. Jedenfalls sind die Asylgesetze bisher geprägt von
       Jobhindernissen. Drei Monate keine Arbeit, je nach Wohnung, Kindern,
       Verfahrensstatus auch 9 Monate gammeln oder gleich für immer.
       
       Wenn der Staat sich zum Ziel gesetzt hätte, Arbeitswillige in die
       Sozialsysteme zu schubsen, dann wäre der Status quo eine überzeugende
       Lösung. Nur wer sehr viel Glück hat, bekommt am Ende Arbeit – als
       Belohnung. Die „Arbeitspflicht“ hingegen, die der Landkreistag verzwangsen
       will, benutzt Arbeit als Strafe. Beide Positionen – Verhinderer wie Zwinger
       – wollen Sachfremdes: Abschreckung. Behutsam sollte man trotzdem sein bei
       Vergleichen mit dem epochalen Verbrechen der Zwangsarbeit im NS. Im
       Post-Aiwanger-Zeitalter nehmen die das als Kompliment.
       
       Viele junge Bayern und Hessen [2][haben bei den Landtagswahlen die AfD
       gewählt.] Sind die kids jetzt nicht mehr alright? 
       
       Früher mag es linke Popkultur gegeben haben – und spießig brave
       Bürgerkinder. Damit habe ich noch nicht Friedrich Merz gesagt. Jedenfalls
       heute ist von ehedem „links“ meist „woke“ übrig, eine städtische,
       akademische und damit, Obacht: elitäre Jugendkultur. Hingegen das Land, die
       minderen Bildungsgrade, denen die rechtsidentitäre Verheißung verspricht:
       Wenn Du nix bist – deutsch biste doch. Hinzu kommt der klassische
       Jugendreflex, immer das zu tun, was verboten ist. Das Angebot von links an
       sie könnte breiter werden und aus mehr bestehen als einer bunten Auswahl
       von Diskriminierten, bei denen man sich noch entschuldigen sollte.
       
       In den USA haben die Republikaner es nicht geschafft, sich auf einen
       Kandidaten für den Sprecher-Posten im Repräsentantenhaus zu einigen. Was
       kann man da noch sagen? 
       
       Verglichen zu Trumps Abgang: Super-Slomo-Putsch.
       
       Scholz hat sich für ein Verbot der Hamas und [3][des palästinensischen
       Netzwerks Samidoun] ausgesprochen. Wird das Konsequenzen haben? 
       
       Das führte erstmal zu viel Besuch des Wikipedia-Eintrags: „Hä? Hamas in
       Deutschland?“ Offiziell gibt es die nicht, 2001 wurde ein „Islamischer Bund
       Palästina“ verboten, 2005 als neuerliche Tarnung eine „Yatim Kinderhilfe“
       in Essen. Die EU-Außenminister hatten Hamas schon 2001 auf die
       vereinseigene „Terrorliste“ gesetzt. So überraschte Scholz’ Ankündigung: Es
       gibt hier eine Hamas, die es nicht gibt, oder ein Verbot, das nicht greift.
       
       Mehr als 50 Linke-Mitglieder haben [4][den Parteiausschluss von Sahra
       Wagenknecht beantragt]. Könnte der Ausschluss ein Neustart für die Linken
       sein? 
       
       Empfehle ein TV-Format „Wer wird mehr Märtyrer?“. Bei der pastösen
       Rauswurf-Rangelei scheint es längst nur noch drum zu gehen, wer vorher
       dafür sorgt, dass hinterher eine herzerwärmende Erzählung drüberpasst.
       Zugleich gründet sich ein „Bündnis Sahra Wagenknecht“, das offenbar
       programmatisch keine Flausen im Kopf hat und einfach richtig findet, was
       die Ikone gerade mal so denkt. Drolliger Doppler, dass die Sahraisten damit
       in Name und Kult wiederholen, wie Rechtsseppel Jörg Haider 2005 seine FPÖ
       zerlegte mit einem „Bündnis Zukunft Österreich“. Zufälle gibt’s.
       
       Und was machen die Borussen? 
       
       Keine Ahnung, welchen Beitrag unser Seniorenvertreter Mats Hummels zum
       ersten Nagelsmann-Sieg gegen das US-Team geleistet hat. Dortmunder in der
       Startelf, logisch.
       
       Fragen: Anna Hollandt, Vivien Mirzai und Elisa Pfleger
       
       15 Oct 2023
       
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