# taz.de -- US-Podcast über Sexismus in Medizin: Dramatischer Stoff
       
       > Medizin orientiert sich vor allem am männlichen Körper. „The Retrievel“
       > zeigt weitere Aspekte auf, durch die Frauen medizinisch benachteiligt
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Thema im Podcast: Die Folgen der Fentanyl-Abhängigkeit in den USA
       
       Eine Frau mit bislang unerfülltem Kinderwunsch liegt auf einem
       Operationstisch im Yale Fertility Center. Es ist eines der renommiertesten
       [1][Krankenhäuser der USA], hier sollen ihr für eine künstliche Befruchtung
       Eier entnommen werden. Die Prozedur ist sehr schmerzhaft, die Frau bittet
       um [2][mehr Fentanyl].
       
       Die Krankenschwester erhöht die Dosis bis zum Maximum, doch der Schmerz
       bleibt. Was die Frau zu dem Zeitpunkt nicht weiß, ist, dass ihr kein
       Fentanyl gespritzt wurde, sondern lediglich Kochsalzlösung. Und sie ist
       nicht die Einzige: Mindestens 200 Frauen mussten diese Prozedur ohne
       Schmerzmittel durchstehen. Denn eine Krankenschwester hatte das Fentanyl
       [3][für den Eigenverbrauch] geklaut.
       
       Klingt nach Stoff für einen True-Crime-Podcast, doch die New York Times und
       Serial Productions konzentrieren sich in „The Retrieval“ auf die
       gesellschaftspolitischen Aspekte des Falls. Wieso wurde im OP-Saal niemand
       stutzig, als Frauen vor Schmerzen schrien und um mehr Schmerzmittel
       bettelten? Wieso suchten die Betroffenen erst die Schuld bei sich, anstatt
       ein Fehlverhalten anderer zu vermuten? Welche Strafe für Drogenabhängige
       ist gerecht?
       
       Dass die Medizin sich lange größtenteils am Körper eines weißen cis-Mannes
       orientiert hat, ist mittlerweile bekannt. Doch der Fünfteiler arbeitet gut
       heraus, inwiefern dieser Umstand das Schmerzempfinden und das Vertrauen in
       Frauen (insbesondere denen mit Kinderwunsch) und ihren Körper tief
       beeinflusst hat.
       
       Die Host Susan Burton hat dafür mit Dutzenden Betroffenen gesprochen, in
       den Gerichtssaal geguckt, in dem die Krankenschwester die Sicht aus ihrer
       Perspektive als alleinerziehende Mutter schildert, und hat immer wieder
       gefragt: Wie konnte das alles so lange unentdeckt bleiben?
       
       Ein aufwendiges Sounddesign fehlt in dieser Produktion – es ist schlicht
       nicht nötig, der Geschichte noch zusätzliches Drama hinzuzufügen.
       
       28 Jul 2023
       
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       ## AUTOREN
       
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