# taz.de -- Reaktion auf tödlichen Polizeischuss: Gewaltsame Proteste in Frankreich
       
       > Nach dem Tod eines 17-Jährigen in Nanterre ruft seine Mutter zum
       > Trauermarsch auf. Proteste gegen Polizeigewalt weiten sich von Paris auf
       > andere Städte aus.
       
 (IMG) Bild: Gewalt und Gegengewalt in Nanterre bei Paris in der Nacht zu Donnerstag
       
       Nanterre afp | Nach dem tödlichen Schuss eines Polizisten auf einen
       17-Jährigen bei einer Verkehrskontrolle ist es in Frankreich die zweite
       Nacht in Folge zu [1][gewaltsamen Protesten] gekommen. In Paris und drei
       angrenzenden Départements wurden nach Angaben der Polizeipräfektur 35
       Menschen festgenommen. In Nanterre bei Paris sollte am Donnerstagnachmittag
       ein Trauermarsch für den Jugendlichen Nahel M. stattfinden, zu dem seine
       Mutter aufgerufen hat.
       
       Nach anfänglicher Ruhe heizte sich die Lage in Nanterre am späten
       Mittwochabend auf. Mehr als zehn Autos sowie zahlreiche Mülleimer wurden
       angezündet, zudem wurden Straßenbarrieren errichtet, berichteten
       Journalisten der Nachrichtenagentur AFP.
       
       Dichte Rauchwolken hingen über dem Gebiet. Auf Häuserfassaden stand
       geschrieben „Gerechtigkeit für Nahel“ und „Polizei tötet“. In einer
       Siedlung im Osten der Stadt hielten die Proteste bis spät in die Nacht an.
       Als Randalierer Pflastersteine warfen, setzte die Polzei Tränengas ein.
       
       In Essonne südlich von Paris zündete eine Gruppe einen leeren Bus an, wie
       aus Polizeikreisen verlautete. In Clamart, wie Nanterre im Département
       Hauts-de-Seine, wurde eine Straßenbahn angezündet.
       
       ## Autos und Geschäfte in Brand gesetzt
       
       Im Département Seine-Saint-Denis nordöstlich von Paris wurden laut Polizei
       zahlreiche Autos sowie Geschäfte und eine Bücherei in Brand gesetzt, Läden
       geplündert, Polizeiwachen attackiert und Rathäuser beschädigt.
       
       Zu Zusammenstößen kam es auch in der südwestfranzösischen Stadt Toulouse,
       wo mehrere Autos angezündet wurden und Polizisten und Feuerwehrleute mit
       Gegenständen beworfen wurden, wie aus Polizeikreisen verlautete. Ähnliche
       Szenen meldeten die Behörden auch aus Lyon und Dijon.
       
       Vor dem zweitgrößten französischen Gefängnis, Fresnes, attackierten
       Demonstrierende Sicherheitskräfte vor dem Eingang mit Feuerwerk, wie AFP
       aus Polizeikreisen erfuhr.
       
       Der 17-jährige Nahel M. war am Dienstag auf dem Fahrersitz eines Autos bei
       einer Verkehrskontrolle in der Pariser Vorstadt Nanterre erschossen worden.
       In einem Video war zu sehen, wie zwei Polizisten das Fahrzeug für eine
       Kontrolle stoppten. Ein Polizist zielte dabei mit seiner Waffe auf den
       Fahrer und schoss aus nächster Nähe, als das Auto plötzlich beschleunigte.
       
       Nach wenigen Metern krachte der Wagen dann in einen Pfosten. Nahel M. starb
       kurze Zeit später trotz Wiederbelebungsversuchen der Rettungskräfte durch
       eine Schusswunde in der Brust. Im Video war bei der Kontrolle zuvor der
       Satz zu hören: „Du kriegst eine Kugel in den Kopf.“
       
       ## Weiterer Fall tödlicher Polizeigewalt im Südwesten
       
       Die Behörden hatten nach den nächtlichen Ausschreitungen in der Vornacht
       für Mittwochabend 2.000 Polizisten für Paris und seine Vororte mobilisiert.
       
       Unterdessen wurde im Südwesten Frankreichs ein Polizist des Totschlags
       beschuldigt. Er soll bei einer Verkehrskontrolle am 14. Juni einen
       tödlichen Schuss auf einen 19-Jährigen aus Guinea abgegeben haben, wie die
       Staatsanwaltschaft von Angoulême am Mittwochabend mitteilte. Der 52-jährige
       Polizist sei am Mittwochmorgen in Gewahrsam genommen worden.
       
       Der 19-Jährige wollte sich bei der Kontrolle einer Festnahme entziehen.
       Ersten Ermittlungsergebnissen zufolge traf er einen Polizisten am Bein, als
       er den Rückwärtsgang einlegte. Dieser gab daraufhin einen Schuss ab.
       
       In Frankreich wird immer wieder übermäßige Polizeigewalt angeprangert. Nach
       Verkehrskontrollen starben im vergangenen Jahr 13 Menschen, so viele wie
       noch nie.
       
       29 Jun 2023
       
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