# taz.de -- Kampf gegen Korruption in Nigeria: Der „Tinubu-Wirbelsturm“
       
       > Nigerias Präsident Bola Tinubu setzt den Chef der Antikorruptionsbehörde
       > ab. Zusammen mit dem Chef der Zehntralbank sitzt er nun in Haft.
       
 (IMG) Bild: Nigerias Präsident Bola Tinubu hat den Chef der Antikorruptionsbehörde EFCC abgesetzt
       
       Abuja taz | Nach seiner Suspendierung und [1][Inhaftierung von
       Zentralbankchef Godwin Emefiele] hat Nigerias neuer Präsident Bola Tinubu
       erneut zum Schlag ausgeholt. Diesmal traf es keinen Geringeren als den Chef
       der Antikorruptionsbehörde EFCC (Economic and Financial Crimes Commission)
       selbst. Der 43-jährige Abdulrasheed Bawa wurde am Mittwoch vergangener
       Woche suspendiert und umgehend vom Geheimdienst DSS festgenommen.
       
       Ob Tinubu damit den Kampf gegen Korruption konsequent vorantreibt oder
       einfach hohe Amtsträger aus der Zeit seines Vorgängers Muhammadu Buhari
       entfernt, ist eine Frage der politischen Perspektive.
       
       Präsidentensprecher Willie Bassey sagte, Bawa sei suspendiert worden, um
       Ermittlungen zu ermöglichen, „infolge schwerwiegender Anschuldigungen des
       Amtsmissbrauchs“. Das EFCC-Direktionsmitglied Abdulkarim Chukkol übernimmt
       vorläufig die Leitung der Behörde. Anders als im Falle Emefiele bestätigte
       der Geheimdienst Bawas Festnahme sofort.
       
       ## Antikorruptionschef wollte gegen Tinubu ermitteln
       
       Zwei so hochkarätige Amtsenthebungen innerhalb weniger als einer Woche
       sorgen für politische Kontroversen. [2][Tinubu, sagen manche, konsolidiert
       nach seiner Amtsübernahme am 29. Mai] nun seine Macht auf Kosten der
       Buhari-Getreuen an der Staatsspitze, die ihn ursprünglich als
       Präsidentschaftskandidaten der Regierungspartei APC (All Progressives
       Congress) für die Wahlen im Februar ablehnten.
       
       Tinubu war von 1999 bis 2007 Gouverneur des Bundesstaates Lagos. Der jetzt
       suspendierte EFCC-Chef Bawa wollte 2020, als er noch das
       Antikorruptionsbüro in Lagos leitete, gegen Tinubu ermitteln. Dies hätte
       Tinubus präsidiale Ambitionen schon damals im Keim ersticken können.
       
       Kritiker sprechen nun von einem „Tinubu-Wirbelsturm“, den so eigentlich
       niemand erwartete. „Es sind interessante Zeiten für Nigeria“, sagt der
       politische Analyst Victor Onah. „Ernsthafte Säuberungen sind im Gange. Ich
       denke, der Präsident versucht, seine erneute Kandidatur schmackhaft zu
       machen für den Fall, dass die Gerichte seine Wahl annullieren und Neuwahlen
       ansetzen.“ Die wichtigsten Gegenkandidaten Tinubus bei den Wahlen im
       Februar, Exvizepräsident Atiku Abubakar von der PDP (People’s Democratic
       Party) und Exgouverneur Peter Obi von der LP (Labour Party), klagen derzeit
       noch gegen den Wahlausgang und werfen der Wahlkommission Inec
       Unregelmäßigkeiten vor.
       
       ## Wer wird als nächstes suspendiert?
       
       Nun stellt sich die Frage, ob Tinubu als nächstes Inec-Vorsitzenden Mahmoud
       Yakubu suspendiert. „Nigerianer hätten es gern, dass er den
       Inec-Vorsitzenden für die missratene und gefälschte Wahl hinauswirft“, sagt
       der Analyst Yusuf Adejo. „Sonst sind all die anderen Absetzungen bloß eine
       persönliche Vendetta.“
       
       Ähnlich äußerte sich Olisa Agbakoba, ehemaliger Präsident der
       nigerianischen Anwaltsvereinigung. „Glückwunsch an Präsident Tinubu dafür,
       dass er Emefiele, Bawa, Benzinsubventionen und Devisenkorruption
       abgeschafft hat. Die endemische Korruption hat einen schweren Schlag
       erlitten“, sagte er. Nun sei Inec an der Reihe. „Alle werden zustimmen,
       dass die Wahlen 2023 logistisch die schlechtesten unserer Geschichte
       waren.“
       
       Bawa war 2021 als EFCC-Chef auf Ibrahim Magu gefolgt, der wegen Korruption
       angeklagt und schließlich freigesprochen wurde. Nun stellt sich die Frage,
       wer auf Bawa folgt. Die letzten EFCC-Leiter kamen alle aus Nigerias Norden.
       Nun sagen manche, der Süden sei an der Reihe.
       
       Derweil ist in den nächsten Tagen wegen der Absetzungen mit Protesten zu
       rechnen, wenn Exzentralbankchef Emefiele dem Haftrichter vorgeführt wird.
       Der Geheimdienst DSS hat erklärt, einige „illoyale“ Mitarbeiter wollten
       Unruhen schüren, weil sie mit Emefieles Absetzung unzufrieden seien.
       DSS-Sprecher PEter Afunaya sprach von „billiger Propaganda“ und
       Falschinformationen im Zusammenhang mit Emefieles Festnahme. Anders als von
       manchen berichtet habe der Banker in der Haft vom ersten Tag an Zugang zu
       Ärzten und zu Besuchern erhalten.
       
       19 Jun 2023
       
       ## LINKS
       
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