# taz.de -- Neues Fischsterben in Polen: Wieder tote Fische in Oder-Gewässer
       
       > Am Samstag wurden aus dem Gleiwitzer Kanal in Polen über 450 Kilo
       > Fischkadaver geborgen. Die Regierung plant eine „Beton-Therapie“.
       
 (IMG) Bild: Feuerwehrmänner pumpen Sauerstoff in den Gleiwitzer Kanal in Polen um Algenwachstum zu verhindern
       
       Warschau taz | Nicht nur polnische Angler und Umweltaktivisten sind
       entsetzt. [1][Schon wieder treiben im Gewässersystem der Oder tote Fische].
       Der Fluss bildet über weite Strecken die Grenze zwischen Deutschland und
       Polen. Allein am letzten Samstag mussten aus dem Gleiwitzer Kanal, der die
       oberschlesische Industriestadt Gliwice mit der Oder verbindet, über 450
       Kilo Fischkadaver geborgen werden.
       
       Schon im März hatten Greenpeace und andere Umweltorganisationen davor
       gewarnt, dass sich die Umweltkatastrophe vom August 2022 wiederholen
       könnte. Damals kam es in der Oder zu einem massenhaften Fischsterben. Rund
       360 Tonnen verendete Fische mussten aus dem Fluss gezogen werden: Große
       Hitze, dadurch bedingtes Niedrigwasser und zahlreiche Einleitungen
       salzhaltiger Abwässer auf polnischer Seite hatten einer massenhaften
       Vermehrung der Goldalge Vorschub geleistet. Sie kommt in stehenden
       Gewässern vor und ist für Süßwasserfische hochgiftig.
       
       Erst vor Kurzem hatten sich die beiden Umweltministerinnen Anna Moskwa aus
       Polen und Steffi Lemke aus Deutschland getroffen, um sich über die
       jeweiligen Vorsorgemaßnahmen auszutauschen. Dabei wurde klar, dass Polen
       zwar einiges tut, um das Wachstum der Goldalge einzudämmen, das
       Hauptproblem aber nicht angeht: Zahlreiche Bergwerke, Stahlpressen,
       Papierfabriken entlang der Oder und ihrer Zuflüsse leiten nach wie vor
       salzhaltige Abwässer in das Flussgewässer ein.
       
       ## Zu viel Salz in der Oder
       
       Obwohl die polnische Umweltschutz-Inspektion allein im Katastrophenjahr
       2022 fast 3.700 Bußgeldbescheide in Höhe von umgerechnet 14 Millionen Euro
       ausgesprochen hatte, änderte dies kaum etwas an der Versalzung der Oder.
       
       Zwar wollen die [2][Nationalpopulisten in der Regierung von der Recht und
       Gerechtigkeit (PiS) auch die Parlamentswahlen im Oktober] gewinnen, doch
       mit Sauerstoffanreicherung des Flusswassers wird Polen das Problem nicht in
       den Griff bekommen. Das Gesetz zur „Revitalisierung der Oder“, das zur Zeit
       im Sejm, dem polnischen Abgeordnetenhaus, beraten wird, will der Oder sogar
       eine „Beton-Therapie“ verordnen. Für Greenpeace und andere Umweltverbände
       wäre das der endgültige Tod der Oder als Fluss. Sie wäre künftig nur noch
       ein Abwasserkanal.
       
       15 Jun 2023
       
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