# taz.de -- Kinoempfehlungen für Berlin: Mitunter sogar Glück
       
       > Traurige Tangos begleiten Aki Kaurismäkis „Das Mädchen aus der
       > Streichholzfabrik“, das Pech einen Franzosen in Algerien in Viscontis
       > „Der Fremde“.
       
 (IMG) Bild: Tulitikkutehtaan tyttö (Das Mädchen aus der Streichholzfabrik), Finnland 1989, Regie: Aki Kaurismäki
       
       Vor ein paar Jahren hatte der finnische Minimalist Aki Kaurismäki ja seinen
       Rückzug aus dem Filmgeschäft bekannt gegeben, es sich aber jetzt
       glücklicherweise noch einmal anders überlegt. Sein jüngstes Werk „Kuolleet
       Lehdet“ („Fallen Leaves“) begeisterte die Kritiker beim Filmfestival von
       Cannes und gewann schließlich den Preis der Jury.
       
       Verhandelt wird die Liebesgeschichte zwischen einer Supermarktangestellten
       und einem Alkoholiker als vierter Teil dessen, was bislang als sogenannte
       „proletarische Trilogie“ bekannt war.
       
       Die Gelegenheit, den dritten Teil „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“
       noch einmal anzusehen, ergibt sich in der [1][Magical History Tour des
       Kinos Arsenal], die in diesem Monat unter dem Motto „Lost Lost Lost“ (in
       Anlehnung an einen Tagebuchfilm von Jonas Mekas, der am 2.6., um 16.30 Uhr
       läuft) zusammengestellt wurde.
       
       Traurige finnische Tangos begleiten in „Das Mädchen aus der
       Streichholzfabrik“ das Leben der unscheinbaren Arbeiterin Iris (Kati
       Outinen), die in einem tristen Job in der Endkontrolle der Fabrik rackert,
       während ihr daheim von Mutter und Stiefvater der Lohn abgenommen wird. In
       unerbittlicher Strenge (aber nicht ohne schwarzen Humor) erzählt Kaurismäki
       von diesem Mauerblümchen, dessen Versuche irgendwie ein wenig Glück zu
       erhaschen beständig scheitern. Bis zur bitteren Rache (3. 6., 18 Uhr, Kino
       Arsenal).
       
       Der französische Existenzialismus ist mir noch aus der Schulzeit vertraut,
       er war das Abiturthema in meinem Französisch-Leistungskurs. Natürlich kam
       da „Der Fremde“ von Literaturnobelpreisträger Albert Camus vor, und – jetzt
       kommt die Wendung hin zum Kino – auch die Verfilmung durch Luchino Visconti
       aus dem Jahr 1967 fand Eingang in den Unterrichtsstoff.
       
       Ich erinnere Folgendes: Als Franzose im besetzten Algerien läuft Marcello
       Mastroianni viel am Strand herum, die Sonne brennt ihm reichlich auf den
       Kopf, eher zufällig erschießt er jemanden. Er macht die Sonne für sein Tun
       verantwortlich, doch zum Tode verurteilt wird er schließlich, weil er auf
       der Beerdigung seiner Mutter nicht geweint hat.
       
       Möglicherweise sagt uns dies etwas über das Zurückgeworfensein auf die bare
       Existenz, vielleicht ist es aber auch der Grund, warum der Film trotz
       Top-Besetzung mit Mastroianni und Anna Karina nie wirklich Klassikerstatus
       erlangte. Ehrlich gesagt: Der Existenzialismus war an mich verloren.
       
       Doch es kommt ja immer auf den Kontext an: Im Filmmuseum Potsdam läuft „Der
       Fremde“ in einer Reihe, die die Ausstellung „[2][Sonne. Die Quelle des
       Lichts in der Kunst]“ im Museum Barberini komplimentiert, und passt dort
       thematisch wunderbar hinein (4. 6., 18 Uhr, [3][Filmmuseum Potsdam]).
       
       Der Patient (Werner Krauss) hat eine Messer-Phobie, da gilt es nunmehr die
       „Geheimnisse einer Seele“ zu ergründen. Das tat Regisseur G.W. Pabst 1926
       im gleichnamigen Film, der sich als einer der ersten überhaupt mit der
       Psychoanalyse beschäftigt und fantastische Traumsequenzen besitzt, die
       Kameramann Guido Seeber durch komplizierte Mehrfachbelichtungen erschuf.
       
       Zu sehen in der Reihe „Stummfilm um Mitternacht“ im Babylon Mitte und wird
       von Anna Vavilkina an der Kinoorgel begleitet. Der Eintritt ist frei (3.
       6., 23.59 Uhr, [4][Babylon Mitte]).
       
       Aki Kaurismäki ja seinen Rückzug aus dem Filmgeschäft bekannt gegeben, es
       sich aber jetzt glücklicherweise noch einmal anders überlegt. Sein jüngstes
       Werk „Kuolleet Lehdet“ („Fallen Leaves“) begeisterte die Kritiker beim
       Filmfestival von Cannes und gewann schließlich den Preis der Jury.
       
       Verhandelt wird die Liebesgeschichte zwischen einer Supermarktangestellten
       und einem Alkoholiker als vierter Teil dessen, was bislang als sogenannte
       „proletarische Trilogie“ bekannt war. Die Gelegenheit, den dritten Teil
       „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“
       
       1 Jun 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.arsenal-berlin.de/kino/filmreihe/magical-history-tour-lost-lost-lost/
 (DIR) [2] https://www.museum-barberini.de/de/ausstellungen/9493/sonne-die-quelle-des-lichts-in-der-kunst
 (DIR) [3] https://www.filmmuseum-potsdam.de/index.php?id=f8dc855accc316457607001d907f4db1&year=2023&month=06
 (DIR) [4] https://babylonberlin.eu/film/2275-stummfilm-um-mitternacht-geheimnisse-einer-seele
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lars Penning
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Filmgeschichte
 (DIR) taz Plan
 (DIR) Kolumne Frisch gesichtet
 (DIR) Filmkritik
 (DIR) Film
 (DIR) taz Plan
 (DIR) taz Plan
 (DIR) taz Plan
 (DIR) taz Plan
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) „Fallende Blätter“ im Kino: Pittoreskes im Prekären
       
       Aki Kaurismäkis Film „Fallende Blätter“ taucht in den Alltag des
       Proletariats ab und lässt die Protagonisten stoisch durch ihre Probleme
       manövrieren.
       
 (DIR) Kinoempfehlungen für Berlin: Die subjektive Kraft
       
       Ari Folmans „Waltz with Bashir“ erzählt vom Libanonkrieg 1982, ein Festival
       feiert das japanische Animationskino und das Arsenal die Filmarchive.
       
 (DIR) Kinotipp der Woche: Die Politik des Sammelns
       
       Das Arsenal widmet sich mit Archival Assembly #2 der Arbeit von
       internationalen Archiven. Im Kino Arsenal, silent green und Sinema
       Transtopia.
       
 (DIR) Kinoempfehlungen für Berlin: Komplexe Universen
       
       Das Kino Arsenal würdigt Dore O., das Klick Kino die Architektin Eileen
       Gray, und Makoto Shinkais „Suzume“ erzählt von der Bewältigung eines
       Traumas.
       
 (DIR) Kinotipp der Woche: Ein paar Stockwerke drunter
       
       Die Reihe „Optische Literatur“ zeigt Werke aus der ehemaligen Filmabteilung
       des Literarischen Colloquiums Berlin, von Ehe-Epos bis Scheidungsdoku.