# taz.de -- Razzia gegen IS-Struktur in Deutschland: Justiz geht Islamisten ans Geld
       
       > Bei einem Polizeieinsatz werden sieben Personen festgenommen. Sie sollen
       > Spenden gesammelt haben, um IS-Frauen zu unterstützen.
       
 (IMG) Bild: Zugriff: Hinweisschild des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe
       
       Karlsruhe dpa | Die Bundesanwaltschaft hat sieben mutmaßliche Unterstützer
       der Terrororganisation [1][Islamischer Staat] (IS) festnehmen lassen. Zudem
       habe es am Mittwochmorgen Durchsuchungen in Berlin, Bayern, Bremen,
       Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen,
       Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gegeben, teilte die Karlsruher
       Behörde mit. Es sei dabei um ein Finanzierungsnetzwerk des IS gegangen.
       
       Bei der Razzia sind am Mittwochmorgen mehr als 1.000 Kräfte des
       Bundeskriminalamts, der Landeskriminalämter der betroffenen Länder sowie
       der Polizei im Einsatz gewesen. Insgesamt wurden mehr als 100 Objekte
       durchsucht, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Zuständig
       seien die Generalstaatsanwaltschaften.
       
       Die Festgenommenen sollen als Finanzmittler in das Netzwerk eingebunden
       gewesen sein. „Durch ihr Sammeln von Spenden und deren Weiterleitung an den
       IS nahmen sie eine zentrale Rolle innerhalb des Finanzierungsnetzwerks
       ein“, hieß es.
       
       Die Männer und Frauen – überwiegend deutscher Staatsangehörigkeit – sollten
       im Laufe des Mittwochs und Donnerstags dem Ermittlungsrichter des
       Bundesgerichtshofs vorgeführt werden. Der entscheidet, ob sie in
       Untersuchungshaft müssen. Weiteren Beschuldigten werfen die Ermittler
       Geldzahlungen an das Finanzierungsnetzwerk zugunsten des IS vor.
       
       ## Spenden für IS-Anhängerinnen
       
       Hintergrund der Razzia sind nach dpa-Informationen Spendensammlungen
       zugunsten von mutmaßlichen Anhängerinnen der Terrormiliz IS. Die Kampagnen
       in sozialen Medien mit Titeln wie „Deine Schwester im Camp“ laufen schon
       seit einigen Jahren. Sie dienen dem Zweck, IS-Frauen finanziell zu
       unterstützen, die mit ihren Kindern seit der militärischen Niederlage der
       Terrormiliz in Syrien leben, vor allem in dem von kurdischen Gruppen
       kontrollierten Lager Al-Hol.
       
       Immer wieder gab es Berichte, wonach Frauen, Kinder und Jugendliche, die
       sich dem IS bis heute zugehörig fühlen, gegen Zahlung hoher Geldbeträge aus
       dem Lager geschmuggelt wurden. Von den mehreren Dutzend IS-Frauen, die in
       den vergangenen Jahren [2][nach Deutschland zurückgekehrt] sind, [3][wurden
       etliche] nach [4][ihrer Ankunft inhaftiert] und [5][vor Gericht gestellt].
       Ein Teil von ihnen kam über Rückholaktionen mit ihren Kindern aus Syrien
       nach Deutschland, andere wurden abgeschoben oder kamen auf eigene Faust
       zurück.
       
       Der IS kontrollierte über Jahre große Gebiete im Bürgerkriegsland Syrien
       und im benachbarten Irak. Im Juni 2014 rief er ein sogenanntes Kalifat aus
       und reklamierte seinen Führungsanspruch im globalen Dschihad. Die Hochphase
       endete laut dem Verfassungsschutz 2016. Mittlerweile haben die Extremisten
       ihr Herrschaftsgebiet wieder verloren. IS-Zellen sind aber in beiden
       Ländern weiter aktiv.
       
       Seit Anfang Januar 2014 können gemäß Strafgesetzbuch Taten von Mitgliedern
       oder Unterstützern des IS, die deutsche Staatsbürger sind, sich in
       Deutschland aufhalten oder hier tätig werden, strafrechtlich verfolgt
       werden. Das Innenministerium erließ ferner am 12. September 2014 ein
       Betätigungsverbot für den IS in Deutschland. Dieses umfasst unter anderem
       jegliche Beteiligung in sozialen Medien und Demonstrationen zugunsten des
       IS und jede Art von Unterstützungshandlung wie das Einwerben von Geld und
       Material sowie das Anwerben von Kämpfern. Diese Handlungen sind seither
       strafbar.
       
       31 May 2023
       
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